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00:00 31.08.2018
Rostock

Das Land der tausend Seen bietet Wasser im Überfluss: Mecklenburg-Vorpommern zieht in diesem Super-Sommer massenhaft Menschen an. Touristiker, Vermieter und Bootsverleiher jubeln. Und nach ein paar Regentagen wird es sogar noch weitergehen mit dem schönen Wetter. Die Tourismusbranche wird’s freuen.

Denny Kambs (31) aus Rostock fährt auf seinem „Raceboard“ am Stadthafen entlang. Er ist der Gründer und Besitzer des Stand-up-Paddling-Verleihs „Do Yours“ an der Warnow. Quelle: Foto: Christoph Jahn

Vom Tourismus hängt zwischen Ostsee und Seenplatte jeder fünfte Arbeitsplatz ab. „In keiner anderen Region in Deutschland verbringen so viele Menschen ihren Urlaub wie bei uns“, betont Wolfgang Waldmüller, Präsident des Landestourismusverbandes. Durch den tollen Sommer wird auch für 2018 wieder ein Übernachtungsrekord für Hotels, Pensionen und Campingplätze erwartet – mehr als 30 Millionen Übernachtungen. „Die Sonne hat uns über mäßige Vorbuchungszahlen hinweggeholfen“, erklärt Waldmüller.

Sonne satt hat auch für Denny Kambs den entscheidenden Anteil an der „extrem guten ersten Saison“ seines Unternehmens. „Wir wurden von der Sonne reich beschenkt“, erklärt der Inhaber des Rostocker Stehpaddel-Anbieters „Do Yours“. Kambs und seine elf Mitarbeiter bieten unter anderem SUP-Kurse (Stand Up Paddling) an: in diesem Sommer für 3400 Leute. Der Profi startet Ende des Jahres bei der SUP-WM in China.

Auch Jürgen Brand, Inhaber der Müritzboot Wassercamper Hausbootvermietung in Waren (Müritz) hat vom durchgängig schönen Wetter profitiert. „Die Saison ist bis jetzt sehr gut verlaufen“ erklärt er. Es sei im Vergleich zum Sommer 2017 eine deutliche Steigerung der Nachfrage zu verzeichnen. „Bis zu zehn Prozent“, sagt er. Jedoch: Allein an der Sonne liegt dies nicht. Vor allem die Seenlandschaft rings um Waren locke immer mehr Urlauber an, die die Region mit Wohnwagen-Hausbooten erkunden.

Für Peter Zobel, Inhaber der Segelschule Boddenskipper im Ostseebad Dierhagen, waren die Hitzegrade schon fast zu viel des Guten. „Nach dem Regen im letzten Jahr war es nun die Sonne, die die Leute vom Segeln oder Bootfahren abgehalten hat“, sagt er. Insgesamt sei dieser Sommer aber natürlich besser gewesen als der 2017.

Für Wassersportler sind die Bedingungen in MV so ideal wie in keinem anderen Bundesland: Die Küstenlänge beträgt 1945 Kilometer. Dazu kommen mehr als 2000 Seen mit über einem Hektar Fläche sowie Fließgewässer mit über 26000 Kilometern Gesamtlänge. Wassersportler können in MV mehr als 600 Kilometer vernetzte Wasserstraßen und über 100 Häfen nutzen.

Die leeren sich nach dem Sommer-Andrang wieder. Vielleicht bleiben einige Urlaubs-Segler noch im Land. An den kommenden Tagen ist nämlich erneut mit schönem Wetter zu rechnen. „Am Wochenende und am Montag wird die Sonne wieder stärker scheinen“, kündigt TV-Meteorologe Stefan Kreibohm an. Die Temperaturen können auf bis zu 25 Grad Celsius ansteigen.

Für die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist der Sommer 2018 in MV mit durchschnittlich 19,2 Grad Celsius der heißeste seit Beginn der Messungen 1881. Er übertraf den Spitzenwert von 2003 um 0,5 und das langjährige Mittel um fast 3 Grad, teilt der DWD in seiner vorläufigen Sommerbilanz mit. Die höchste Temperatur wurde mit 37,1 Grad am 31. Juli in Kirchdorf auf der Insel Poel und am 8. August in Anklam gemessen. MV sei auf etwa 105 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gekommen (Mittel: 187) und auf eine Sonnenscheindauer von mehr als 805 Stunden (Mittel: 676). Die Greifswalder Oie sei sogar die bundesweit sonnenscheinreichste Station des Sommers: Mit mehr als 900 Stunden kann sie sich mit Rom (etwa 925 Sonnenstunden) messen.

MV-Tourismusbranche braucht mehr Originalität und besseres Internet

Im Konkurrenzkampf mit anderen Regionen braucht die Tourismusbranche Mecklenburg-Vorpommerns mehr Originalität, viel besseres Internet und frische Ideen für junge Fachkräfte. Das ist das Fazit des aktuellen Tourismusbarometers, das der Ostdeutsche Sparkassenverband gestern in Tressow (Mecklenburgische Seenplatte) vorstellte. „Die Branche steht noch ziemlich gut da, aber die anderen holen stark auf“, sagte der Autor des „Barometers“, Mathias Feige, von der dwif-Consulting GmbH. „MV hat im Tourismus ganz viel davon, was viele andere auch haben“, erklärte Feige. Inzwischen müsse die Branche aber weiter investieren und brauche „starke Akzente jenseits des Mainstreams.“ Das beziehe sich auch auf die Beherbergungsbetriebe.

Als Beispiele nannte Feige das Umweltfotofestival Zingst, das 40 000 Gäste anzieht. Co-Autor Manfred Zeuner forderte Unternehmer auf, sich stärker auf Konzept-Häuser zu konzentrieren. „Die Gäste wollen etwas Tolles erleben.“ Manche Gäste führen nur noch dahin, wo sie tolle Bilder aufnehmen und sie auch gleich via Instagram mit anderen teilen könnten. Die Branche müsse dies stärker als „Online-Werbung“ nutzen.

Besonders starke Kritik hätten Gäste der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen an hohen Zimmerpreisen und der Internetversorgung geübt. Gut seien der Service in den Hotels, das Essen und die Außenanlagen bewertet worden. Die Konkurrenz durch Anbieter von privaten Urlaubswohnungen, wie Airbnb, wachse auch im Nordosten stark. ww

Bernhard Schmidtbauer

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