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Wirtschaft Rostocker revolutioniert das Shoppen mit digitaler Umkleide
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07:00 12.01.2019
„Spieglein, Spieglein virtuell, zeig mich im Anzug und zwar schnell“: Mit der virtuellen Umkleide kann Simon Holst in Markenmode schlüpfen, ohne sich dafür umziehen zu müssen. Der digitale Spiegel projiziert ihm den Edelzwirn direkt auf den Leib. Quelle: adcada GmbH
Stadtmitte

Im Herzen der Hansestadt plant Benjamin Kühn (22) die „Shopping-Revolution“: Der Chef der Bentwischer Unternehmensgruppe Adcada will diesen Sommer in der Kröpeliner Straße eine Modegeschäft eröffnen, wie es Rostock und der Rest Europas so wohl noch nicht gesehen hat. Denn Kühn hübscht seine neue Boutique mit dem „Fashion.Zone-Mirror“ auf. Die virtuelle Umkleide hat er mit einer südkoreanischen Firma entwickelt. „Eine Weltneuheit in der Branche“, sagt der Geschäftsmann.

Wer in den digitalen Spiegel blickt, dem projiziert ein über Gesten steuerbares Computerprogramm Hemd, Hose oder Dress auf den Leib. Damit bleibe dem Kunden erspart, sich in einer engen Umkleidekabine aus den eigenen Klamotten zu schälen, nur um ein Teil anzuprobieren, erklärt Kühn. Was gefällt, kann der „Mirror“-Nutzer im Laden kaufen oder sich per Knopfdruck nach Hause liefern lassen. Vom Sofa aus können Freunde den Shopper übrigens auch beraten, denn der kann die vom „Mirror“ erstellten Fotos und Videos über eine App mit anderen teilen.

Markenmode und Café

Noch steht der Zauberspiegel in Benjamin Kühns Firmen-Zentrale – dem Adcada-Park in Bentwisch. In spätestens acht Monaten sollen ihn Modefans in Rostocks Bummelmeile nutzen können. Kühn hat dafür Verkaufsfläche in einer Immobilie gemietet, die bislang die Adresse für Premium-Besteck war: In der Kröpi 76, bis Ende vergangenen Jahres Filiale von WMF, baut Kühn auf zwei Etagen seine Boutique „Fashion.Zone The Store“ auf. Auf 510 Quadratmetern will er Premiummode anbieten. Lacoste, Tiger of Sweden und Dsquared2 – rund 25 Marken werden im Laden hängen. Über den virtuellen Spiegel soll Kunde aber Zugriff auf 80 Brands und mehr als 1000 verschiedene Kleidungsstücke haben. So viele hat Adcada in seinem Onlineshop www.fashion.zone gelistet. Hier bedienen sich auch Profis: Kühn versorgt gut 25 Einzelhändler mit Kommissionsware.

Benjamin Kühn (l.) und Simon Holst vor der ehemaligen WMF-Filiale: Hier wollen die Beiden Ende des Sommers ihr Modegeschäft eröffnen. Quelle: OVE ARSCHOLL

Das Modegeschäft in der Kröpi wird Simon Holst (22) leiten. Im August oder September wollen er und Benjamin Kühn die Türen erstmals für Kunden aufschließen. Einen konkreten Eröffnungstermin müssen sie vorerst schuldig bleiben. Schließlich zieht die Boutique in ein denkmalgeschütztes Gebäude Baujahr 1885 ein, das für das neue Ladenkonzept erweitert und umgebaut wird. „Da weiß man nie, welche Überraschungen einen erwarten“, sagt Kühn. Damit Neugierige in den kommenden Monaten nicht nur eine Baustelle zu sehen bekommen, wollen Holst und Kühn ab Februar einen ihrer Zauberspiegel ins Schaufenster stellen. „Dann kann ihn jeder, der möchte, schon mal ausprobieren – selbst zu Zeiten, wenn alle andere Läden geschlossen haben“, kündigt Holst an. Ist das Modegeschäft dann eröffnet, können Kunden sich vor einem von drei solcher Exemplare drehen. Wer lieber analog anprobiert, für den stehen vier geräumige Umkleiden bereit. Im gesamten Laden setzt Adcada auf Platz. Überbordende Kleiderstangen und möhlige Auslagen werde es nicht geben, sagt Holst. Stattdessen hänge pro Kleidungsstück nur ein Exemplar im Laden – mit anderen Teilen zu Outfits arrangiert. Hat der Kunde sein Wunschteil gefunden, holt einer der insgesamt 15 Mitarbeiter die passende Größe aus dem Lager. Zehrt der Kaufrausch an den Kräften, sollen sich die Begleiter Shopping-Hungriger im ladeneigenen Café stärken können.

Filiale am Alten Strom

Die Kröpi ist erst der Anfang. In Städten wie Oldenburg oder Lübeck soll es künftig ähnliche Filialen geben. Weitere Stores sind in Berlin und Hamburg geplant, sagt Holst. „Ich habe Angebote für den Kurfürstendamm auf dem Tisch.“ Eine Immobilie in 1A-Lage kauft sich Adcada in Warnemünde. In dem Objekt am Alten Strom will Kühn einen gut 250 Quadratmeter großen Ableger der Kröpi-Boutique eröffnen. „Wahrscheinlich Ende des Jahres.“ Dort soll das Sortiment noch etwas exklusiver ausfallen – um zahlungskräftige Kreuzfahrttouristen anzusprechen. Fashionaffinen habe die Stadt abseits gängiger Ketten bislang wenig Reizvolles zu bieten, meint Kühn. In der Innenstadt gebe es fast mehr Bäckereien als Boutiquen. „Wir möchten, dass Rostock einen Platz auf der Modelandkarte bekommt.“

Benjamin Kühn will Online- und Offline-Welt verbinden und so dem Sterben des stationären Handels entgegenwirken. Die Idee dazu hatte der gebürtige Rostocker in der Schweiz, wo er in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen ist. Schon als 15-Jähriger entwickelte er das Konzept für Adcada. Den passenden Platz dafür findet er in seiner alten Heimat. Im Gewerbegebiet in Bentwisch gründet er den Adcada-Park. Kühns Eltern unterstützen ihn bis heute ideell und finanziell. Dazu stecken Investoren Geld in seine Firma. Das zahlt sich offenbar aus: Im Geschäftsjahr 2017/18 hat Adcada drei Millionen Euro umgesetzt. Im jetzt im Februar endenden Geschäftsjahr sollen es 16 Millionen sein.

Gut im Geschäft

44 Mitarbeiter beschäftigt die Adcada-Gruppe aktuell, Tendenz steigend. Etwa 15 neue Arbeitsplätze sollen durch die neue Modeboutique in der Kröpeliner Straße entstehen. Benjamin Kühn hat Adcada 2015 gegründet. Zum Portfolio des Unternehmens gehören Beteiligungsgesellschaften aus den Bereichen Handel, Immobilien, Finanzen und Marketing. Damit hat Adcada zwischen Februar 2017 und Februar 2018 rund drei Millionen Euro umgesetzt. Im nun endenden Geschäftsjahr sollen es 16 Millionen werden.

Antje Bernstein

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