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Wirtschaft Essen im Müll: MV tut zu wenig dagegen
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17:47 27.04.2018
Lebensmittel in der Mülltonne: 18 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen in Deutschland jährlich auf dem Müll landen. Das hat die Umweltorganisation WWF kritisiert. Quelle: Frank May
Rostock/Berlin

18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr bundesweit im Müll. Pro Kopf der Bevölkerung sind das 224 Kilogramm, wie die Umweltstiftung WWF in ihrer Studie „Das große Wegschmeißen“ veröffentlichte. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: Mehr als 360 000 Tonnen Lebensmittel werden hier ungenutzt vernichtet.

Dabei gibt es in MV großartige Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelvergeudung. So kommt ein frisch gekürte Preisträger im Wettbewerb „Zu gut für die Tonne“ aus Dorow bei Grimmen (Vorpommern-Rügen). Olaf Schnelle belebte in seiner Gärtnerei Schnelles Grünzeug eine alte Technologie der Gemüseverarbeitung neu. Durch Fermentation sorgt der Gartenbauingenieur dafür, dass überschüssiges Gemüse nicht im Kompost oder Futtertrog landet.

Hälfte der Verluste vermeidbar

„Wir gehen davon aus, dass die Hälfte aller Lebensmittelverluste ohne großen technischen Aufwand vermeidbar wäre“, sagt Tanja Dräger de Teran von WWF Deutschland in Berlin. In einer Analyse habe die Umweltorganisation deshalb beleuchtet worden, welche Aktivitäten zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten in Angriff genommen werden.

Trotz einiger guter Beispiele: „Insgesamt schneidet Mecklenburg-Vorpommern dabei schlecht ab“, meint die WWF-Referentin für Ernährung und Nachhaltigkeit.  MV rangiere in der Gruppe der „Nachzügler“, zusammen mit Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Als „Pioniere“, die bereits seit längerem systematisch gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen, gelten unter anderem Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

Dort allerdings wandern laut Statistik auch deutlich mehr Nahrungsmittel in den Abfall. In Nordrhein-Westfalen sind es laut WWF pro Jahr rund vier Millionen Tonnen, in Bayern 2,9 Millionen Tonnen und Baden-Württemberg 2,5 Millionen. Der WWF stützt sich dabei auf die Auswertung wissenschaftlicher Daten durch das Institut für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster.

Das Schweriner Agrarministerium reagierte mit Unverständnis auf das WWF-Ranking. Viele Akteure im Land würden das Problem thematisieren. Dazu gehöre vor allem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit Workshops und dem Aktionstag Schulverpflegung. Auch der Landfrauenverband vermittle „Alltagskompetenz“, so auf der Agrarmesse Mela bei Güstrow.

Pizzabäcker Oetker wirbt für „sensiblen Umgang“

Das Oetker-Werk in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim), in dem pro Tag rund 700 000 Pizzen vom Band laufen, „teilt die öffentliche Kritik am verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln“, sagte Pressesprecherin Julia Tiemann. Dass Lebensmittel sogar originalverpackt weggeworfen würden, veranlasse den Markenhersteller „zu einem sensiblen Umgang mit diesem Thema“.

Das Unternehmen  verwerte seine Rohstoffe „möglichst restlos“. So werde Salami ohne Endstücke eingekauft, damit die Wurst „vollständig verarbeitet werden kann“.  Beim Transport werde darauf geachtet, die Ware einwandfrei beim Handel abzuliefern.

Bei Waren, die nicht allen Qualitätsansprüchen genüge, werde geprüft, ob sie an Schulen, Kindergärten oder Tafeln gespendet werden könnten. Mitarbeiter könnten solche Ware außerdem zu vergünstigten Preisen erwerben.

Die Discountkette Netto Stavenhagen (Seenplatte) gab ebenfalls an, regelmäßig Produkte an die Malchiner Tafel zu spenden.

Vorbild für MV könnte Bayern sein

Die Zahlen der Umweltstiftung WWF sind alarmierend: 2,6 Millionen Hektar Fläche in Deutschland werden bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte wegzuwerfen. Das sind gut 15 Prozent der Agrarfläche. „Da arbeiten wir für die Tonne, praktisch umsonst“, sagt Landesbauernpräsident Detlef Kurreck. Beim Thema Lebensmittelverschwendung verweist der Bauernverband auch darauf, dass immer noch rund 900 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger leiden.

Laut WWF werden in Deutschland pro Jahr rund 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel vernichtet. Die Angaben stützen sich auf die Auswertung mehrerer Studien und Berechnungen des Instituts für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster. Das Bundesagrarministerium geht bei der Lebensmittelverschwendung von jährlich 11 Millionen Tonnen aus, zählt dabei aber die Verluste in der Landwirtschaft nicht mit.

Angesichts der Daten fordert die Umweltstiftung von der Bundesregierung, bis 2020 eine nationale Strategie und ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen gegen Vergeudung von Nahrungsmitteln. Deutschland habe sich verpflichtet bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. „Bisher ist es bei dieser vollmundigen Ankündigung geblieben“, kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Direktor Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland.

Auch Mecklenburg-Vorpommern verlange von der Bundesregierung die „Vorgabe eines verbindlichen nationalen Handlungsrahmens“, heißt es aus dem Schweriner Agrarministerium. Dabei müsse „die gesamte Wertschöpfungskette“ eingebunden werden. Industrie, Handel und Gastronomie seien da noch weitgehend „Blackboxes“. 2017 seien beispielsweise der Einzelhandels- und der Hotel- und Gaststättenverband durch das Ministerium befragt worden. „Die Antworten waren eher verhalten“, heißt es im Ministerium. Auch das Dr.Oetker-Pizza-Werk in Wittenburg (Ludwigslust-Parchim) hielt sich auf OZ-Frage nach konkreten Mengen nicht verkaufsfähiger Lebensmittel zurück. Dazu „veröffentlichen wir keine Daten“, teilte eine Sprecherin mit. 

Laut WWF fallen etwa 40 Prozent der Lebensmittelabfälle (7,23 Mio. Tonnen) in Privathaushalten an. Heißt: Etwa 60 Prozent landen im Müll, bevor sie den Verbraucher erreichen.

Es müsse genauer erfasst werden, wobei und warum welche Lebensmittel verloren gehen. „Dabei entsteht eine stärkere Sensibilisierung“, meint Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin für Ernährung und Nachhaltigkeit. Kleinere Portionen in der Gaststätten und Kantinen seien „nur ein erster Schritt, da sei viel mehr möglich“. Vorbild für Mecklenburg-Vorpommern könnte die Initiative „Wir retten Lebensmittel“ in Bayern sein, wo Partner aus verschiedenen Bereichen gemeinsam Maßnahmen entwickelten und umsetzen.

Allerdings wandern in Bayern mit 2,9 Millionen Tonnen auch deutlich mehr Nahrungsmittel in den Abfall als in MV (360 000 Tonnen).

Elke Ehlers

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