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Wirtschaft Im Messe-Modus: MV rückt ins Rampenlicht
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00:36 08.03.2018
Berlin/Rostock

Einen Besucher-Ansturm hat das Land Mecklenburg-Vorpommern gestern am ersten Tag der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin erlebt. Nach der imposanten Eröffnungsgala des Vorabends sei das Interesse „spürbar gestiegen“, bilanziert Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes. Sichtbar an vollen Ständen. Erstmals ist mit MV ein Bundesland offizielles Partnerland der ITB.

Der Auftritt habe dem Land viel Lob eingebracht, so Fischer. Folge: zusätzliche Gespräche mit potenziellen Investoren und Reiseanbietern. Novum: Am Freitag werde der Verband rund 50 Einkäufer der Branche durch den Nordosten fahren. Sie kommen aus Israel, Kanada, den USA oder Japan.

Mit geballter Kraft ist Rostock auf der ITB vertreten. Tourismusdirektor Mathias Fromm setzt große Hoffnungen in den Messe-Auftritt. Vor allem der Anteil internationaler Gäste könnte steigen. „Es muss mehr werden“, so Fromm. Stolz zeigt er seine neue Krawatte, eine Sonderedition mit Greifen-Motiven zum 800. Geburtstag der Hansestadt. „Wir wollen in jeder Beziehung in die 1. Bundesliga“, formuliert Ralph Reichel, Schauspieldirektor am Rostocker Volkstheater, ambitioniert. Es gehe „um Wahrnehmbarkeit“. Dafür sei die Reisemesse eine Top-Gelegenheit. Auf mehr Rampenlicht hofft auch der Rostocker Zoo. Dass MV Mittelpunkt der ITB ist, „das heißt schon was“, so Direktor Udo Nagel. Immerhin sei MV das erste Bundesland als offizielles Partnerland.

Skeptisch ist Henning Foerster (Linke), der auf der ITB den Wirtschaftsausschuss des Landtags vertritt. Der ITB-Auftritt sei eine gute Sache. Der Nordosten müsse aber grundsätzlich mehr für seine touristischen Angebote werben. Foerster sieht kritisch, dass die Landesregierung ein seit Jahren angekündigtes neues Tourismuskonzept noch zurückhält. Dieses hätte „längst auf den Tisch gehört“. Das Konzept enthält auch umfassende Kritik an der Ist-Situation des Tourismus im Land. Kernbotschaften: MV müsse weg vom Massentourismus, hin zu mehr Qualität, brauche bessere Strukturen in Angeboten und Verkehr sowie ein Tourismus-Management aus einem Guss. Zudem müsse intensiver auf Bedürfnisse der Menschen hier eingegangen werden, um etwa mit attraktiven Jobs Fachleute zu gewinnen oder Wohnungen zu schaffen. Als Warnsignal müsse auch die sinkende Gästezufriedenheit gesehen werden (die OZ berichtete).

„Qualität muss das Maß aller Dinge sein“, sagt Wolfgang Kraatz, als Ex-Vize-Landrat im Kreis Rostock noch heute im Tourismusverband MV aktiv. Dass MV im Vorjahr erstmals einen Rückgang bei Übernachtungen verzeichnete, sehe er dagegen nicht als Malheur an. „Wir kommen auf Normalmaß“, so Kraatz.

Eine Einschätzung, die die Landesregierung teilt. Es gehe nicht nur um Rekorde, sagt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Eröffnung der ITB. „Wir wollen Stabilität und sanften Tourismus mit Nachhaltigkeit.“ Sie warnt wie andere Branchenvertreter vor sogenanntem „Overtourism“, einem drohenden Kollaps auf der Jagd nach Extremen.

„Wir werben mit den natürlichen Schönheiten des Landes“, sagt Tourismusminister Harry Glawe (CDU). Ziel müsse es sein, die Tourismussaison im Land weiter zu verlängern, mit attraktiven Angeboten für Gäste, „egal ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint“, so Glawe. Das Ministerium habe seit 1990 rund 2,5 Milliarden Euro Tourismus-Fördermittel ausgereicht. So müsse und werde es weitergehen.

2018 gehe etwa die Rostocker Stadthalle als multifunktionale Veranstaltungsarena an den Start, und das neue „Polarium“ im Rostocker Zoo komme hinzu. Zudem seien weitere Hotels kurz vor der Fertigstellung.

Die große Bühne auf der ITB vor bis zu 180000 Besuchern aus 150 Ländern sehen alle MV-Vertreter als Geschenk. Die Auftaktsgala fand vor 3500 Besuchern mit einem Star-Aufgebot statt – von DJ Felix Jaehn bis Tagesschausprecherin Judith Rakers als Moderatorin. Immer wieder wurde den Zuschauern per Film die Botschaft vermittelt: MV sei das Land der Ruhe. Tourismus sei weiterhin eine einzigartige Chance für das Land, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie forderte aber auch „auskömmliche, gute Arbeitsplätze“ von der Branche.

Frank Pubantz

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