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Wirtschaft Krach um Königsstuhl: Schwebt hier bald eine XXL-Plattform?
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00:00 13.07.2018
So könnte die neue Plattform auf dem Königsstuhl aussehen: Bis zu 100 Meter über dem Grund soll der Rundgang schweben. Quelle: Foto: Big Städtebau
Sassnitz

Er ist der wohl berühmteste Publikumsmagnet der deutschen Ostseeküste: der Königsstuhl auf Rügen. Kaum ein anderes Naturdenkmal im Land lockt so viele Besucher an. Doch um das Wahrzeichen tobt ein Streit. Die Stadt Sassnitz will für sieben Millionen Euro eine 90 Meter lange und 19 Meter breite Plattform bauen. Der sogenannte Königsweg soll wie eine Hängebrücke an Rügens Wahrzeichen schweben und Besuchern einen spektakulären Blick auf Ostsee und Kreidefelsen bieten. Diese Aussicht gefällt den Aktivisten von „Rügen – Rette Deine Insel!“

Der Ausblick kostet

300000 Gäste

besuchen den Königsstuhl pro Jahr. Auf die neue Schwebe-Plattform kämen sie nur übers Nationalparkzentrum. Der Eintritt kostet aktuell 9,50 Euro für Erwachsene und 4,50 Euro für Kinder.

nicht. Sie wollen den für kommendes Jahr geplanten Bau verhindern und pochen auf einen Bürgerentscheid. Die dafür nötigen Unterschriften haben sie gesammelt. Dennoch schmetterte die Stadtvertretung ihre Forderung ab. Symbolpolitik, die prompt wieder einkassiert wird.

Worum geht’s eigentlich?

Um die Frage: Wie werden wir den Königsstuhl in Zukunft erleben können? Geht es nach Sassnitz’ Bürgermeister Frank Kracht (Linke), führt an der neuen Schwebe-Brücke kein Weg vorbei. Grund: Der jetzige Zugang zur Aussichtsplattform über das sogenannte Königsgrab wird immer schmaler, denn Wind und Wetter setzen der Kreide zu. Der Weg wird wohl über kurz oder lang ganz gesperrt werden müssen.

„Nach Schätzungen ist es wahrscheinlich, dass er innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht mehr begehbar sein wird“, sagt Katrin Bärwald, Dezernentin im Nationalparkamt Vorpommersche Boddenlandschaft.

Die Treppe zum Fuße des Königsstuhls ist bereits seit einem Kreideabbruch im Jahr 2016 gesperrt.

Warum will die Bürgerinitiative den Königsweg verhindern?

Weil er ihrer Meinung nach den Königsstuhl verschandeln würde. Zudem hat sie Sicherheitsbedenken. Denn auf dem Hochufer müsste eine Mastkonstruktion gebaut werden, die den Schwebe-Rundgang trägt – ein riskanter Eingriff in die Natur, so die Kritiker. Durch die nötigen Bohrungen könne das Kliff ins Rutschen kommen. Die Stadt Sassnitz widerspricht: Probebohrungen hätten gezeigt, dass die Umsetzung gefahrlos möglich ist.

Wer entscheidet?

Die Bürgerinitiative will, dass die Sassnitzer über den Königsweg abstimmen. Die Stadtvertretung stellte sich quer: Bei ihrer Sitzung Mitte Juni sprach sie sich mehrheitlich gegen ein Bürgervotum aus. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, sagt Stadtpräsident Norbert Thomas (CDU). Er wirft den Plattform-Gegnern unlauteren Stimmenfang vor, spricht von „überdimensionierten Fake-Fotos vom Königsweg“, mit denen Ängste geschürt worden seien. Norbert Dahms von der Bürgerinitiative weist die Anschuldigungen zurück. „Wir haben ordentlich gesammelt, mit Listen, ohne Bilder.“ Juristisch jedenfalls gibt es nichts zu beanstanden: Nach Auffassung der Rechtsaufsicht des Landkreises haben Dahms und seine Mitstreiter alle formalen Kriterien erfüllt. Deshalb blieb Bürgermeister Kracht nichts weiter übrig, als dem Beschluss der Stadtvertreter zu widersprechen. Diese müssen nun am kommenden Dienstag in einer Sondersitzung erneut über den Bürgerentscheid abstimmen. Sagen sie ein zweites Mal „Nein“, schaltet sich die Rechtsaufsicht ein. „Wir werden wohl zustimmen“, kündigt Stadtpräsident Thomas an. Er rechne damit, dass die Sassnitzer nach den Sommerferien ihre Wahl zur Zukunft des Königsstuhls treffen können. „Auf ihren Schultern ruht eine große Verantwortung. Sie entscheiden stellvertretend für die Region und das ganze Land“, sagt Norbert Dahms.

Touristiker, Naturschützer, Urlauber aus aller Welt – sie alle erwarten mit Spannung, wie er ausgeht, der Krach an der Kreideküste.

Antje Bernstein

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