Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Mehr Geld für Mitarbeiter an Uni-Kliniken
Nachrichten MV aktuell Wirtschaft Mehr Geld für Mitarbeiter an Uni-Kliniken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 01.12.2018
Historische Fassade: Das alte Gebäude der Universitätsmedizin Rostock in der Schillingallee wurde restauriert. Quelle: Unimedizin Rostock
Rostock/Greifswald

Ab Dezember erhalten Tausende Mitarbeiter an Mecklenburg-Vorpommerns Unikliniken mehr Geld. Nach Jahren des Hinterher-Hinkens steigen die Gehälter im nichtärztlichen Bereich in Greifswald um etwa vier Prozent, in Rostock um etwa 2,5 Prozent, heißt es bei der Gewerkschaft Verdi. Schwestern, Pfleger, Labor- und Verwaltungsangestellte erreichen damit endlich das Niveau des Tarifvertrages der Länder (TVL), nach dem andere Landesbedienstete längst bezahlt werden. „Im Manteltarif, etwa bei Regelungen zum Bereitschaftsdienst, hinken sie aber immer noch hinterher“, sagt Verdi-Tarifsekretär Wolfgang Hooke. Über Jahre hätten die Universitätsklinika auf Kosten ihrer Mitarbeiter gespart.

Rostock: Verstöße gegen Tarifvertrag

In Rostock sei bei der Zahlung von Beiträgen zur betrieblichen Altersvorsorge außerdem monatelang gegen den Tarifvertrag verstoßen worden. Zulasten der Angestellten habe die Verwaltung 2017 nicht nur höhere Arbeitnehmerbeiträge, sondern auch zu niedrige Arbeitgeberbeiträge an die Rentenkasse überwiesen. Ein Vorgang, der maßgeblich in die Verantwortung des kaufmännischen Vorstands, Harald Jeguschke, fiel. „Hunderte Beschäftigte“ hätten dies moniert, heißt es dazu in einem Leserbrief an die OSTSEE-ZEITUNG. Doch die Widersprüche seien ignoriert worden. Auch der Landesrechnungshof hatte Kenntnis dieser unzulässigen Praxis, wie Rechnungshof-Sprecher Sebastian Jahn bestätigt. „Eine gesonderte Prüfung zu den erhobenen Vorwürfen haben wir nicht vorgenommen.“ Erst als mehrere Mitarbeiter klagten, wurde das falsch abgezogene Geld zurückgezahlt – mit elf Monaten Verzug, zinslos.

Greifswald: Geld für Betriebsrenten fehlt

Auch in Greifswald gibt es Probleme bei der Altersvorsorge. Der mit der Verwaltung beauftragte private Finanzdienstleister könne die Betriebsrenten der 2760 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter nicht in der festgelegten Höhe zahlen, weil laut Verdi-Vertreter Hooke „am Kapitalmarkt nicht die erwarteten Erlöse erzielt wurden“. Pro Jahr klaffe eine Deckungslücke bis zu 700 000 Euro (die OZ berichtete). Hooke sieht das Land in der Pflicht: Der Aufsichtsrat mit Finanzstaatssekretär Sebastian Schröder an der Spitze habe „zugelassen, dass die Unimedizin als Arbeitgeber den risikobelasteten Weg geht.“

Kommentar von Elke Ehlers zu Fehlentwicklungen an Unikliniken: Offenheit nötig

Unabhängige Kommission prüft Akten

Um Verfehlungen und Missstände an den Unikliniken zu beleuchten, hatte Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD) im September eine unabhängige Kommission unter Leitung des Rostocker Mediziners Harald Terpe eingesetzt. Die habe sich zunächst Zugang zu wichtigen Akten verschafft, berichtet der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete. Über den Aufsichtsrat seien die Wirtschaftsabschlüsse mehrerer Jahre angefordert worden. Interne Unterlagen, etwa zu den umstrittenen Zielvereinbarungen für leitende Mitarbeiter und Chefärzte, lägen der Kommission noch nicht vor.

Führungskräfte-Entscheidungen werden geprüft

Es gehe aber nicht allein um Verfehlungen des früheren Rostocker Vorstandschefs, Prof. Christian Schmidt, die Mitte des Jahres eine Debatte um die zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen auslösten, betont Terpe. Entscheidungen anderer Führungskräfte, darunter des kaufmännischen Vorstandes, würden ebenfalls unter die Lupe genommen. Vor allem aber sollen mögliche Fehlentwicklungen im System aufgedeckt werden. Die Jahresabschlüsse des landeseigenen Klinikums weisen steigende Gewinne aus. 2016 waren es fast sieben Millionen Euro, im Vorjahr sogar 9,3 Millionen. Terpe: „Wir schauen, ob es ein verlässliches Kontrollsystem gibt, das verhindert, dass ökonomische Einschnitte die Patientensicherheit gefährden.“

Terpe: Kritische Hinweise erwünscht

Die Kommission traf sich in dieser Woche erstmals in Rostock. „An mehrere von uns haben sich schon Uni-Mitarbeiter gewandt, um sich zu offenbaren“, berichtet der gebürtige Greifswalder. Zu kritischen Hinweisen wollle er ausdrücklich ermutigen, Vertrauensschutz sei „selbstverständlich zugesichert“. Im Dezember will die Kommission auch Kontakt zum Personalrat aufnehmen. Gewerkschaftsvertreter Hooke beobachtet mit Sorge, dass unzufriedene Mitarbeiter auf „individuelle Entlastungsstrategien“ ausweichen. Wegen der steigenden Belastung würden Kollegen „von Vollzeit in Teilzeit wechseln, Elternzeit ausdehnen oder aus dem Beruf aussteigen“.

Hooke benennt als „größte Sparkuh“ außerdem Rostocks Uni-Logistik. Im Patiententransport, beim Wach- und Reinigungsdienst seien viele Mitarbeiter bis 2017 „auf Mindestlohnniveau bezahlt worden“. Die Situation habe sich nur wenig verbessert. „Wenigstens haben wir jetzt aber keinen mehr, der unter zehn Euro pro Stunde liegt.“

Elke Ehlers

Bis zu 15 Euro mehr kosten ab 2019 die Flex-Tickets. Auf der Route Rostock-Gedser kosten die Flex-Tickets laut Preiskalender ab 7. Januar 161 Euro in der Hauptsaison und 141 Euro in der Nebensaison. Für Economy-Tickets bleibt der Preis aber stabil oder sinkt sogar.

30.11.2018

Auf dem eigenen Hof ist Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Detlef Kurreck aus Körchow bei Kröpelin (Landkreis Rostock) selten anzutreffen.

23.11.2018

Das erste nach Ideen von Medienstar Til Schweiger gestaltete Hotel wurde 2017 in Schleswig-Holstein eröffnet. Gemanagt von der Rostocker Arcona-Hotelgruppe sollen 20 weitere hinzukommen.

23.11.2018