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Neuer Öko-Verband wirbt um Mitglieder

Fürstenhof Neuer Öko-Verband wirbt um Mitglieder

Die Bio-Initiative Bad Honnef stellte sich in Fürstenhof (Landkreis Rostock) vor. Bereits 50 Firmen sind dem Verband beigetreten, die meisten in Mecklenburg-Vorpommern.

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Tritt der neuen Bio-Initiative bei: Leonie Behrens (26), geschäftsführende Gesellschafterin der Biohof KaLe GmbH, die zum Fürstenhof-Erzeugerverbund gehört. In Finkenthal (Landkreis Rostock) zeigt sie in einem bio-zertifizierten Stall Hühner der Rasse Novogen.

Quelle: Norbert Fellechner

Fürstenhof. Deutschlands jüngster Öko-Verband tritt an die Öffentlichkeit: Für ihre erste Fachtagung zu Bio-Standards, betriebswirtschaftlicher Strategie und Erwartungen des Handels lud die Bio-Initiative am Dienstag nach Mecklenburg-Vorpommern ein – ins beschauliche Fürstenhof (Landkreis Rostock. Dort hat der im April gegründete Öko-Verband aus Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen) die meisten Mitglieder. Der Eier-Vermarkter Fürstenhof, dessen Hühnerfarmen sowie ihr Mischfutterwerk traten dem Neuling bereits bei oder werden es bis Ende des Jahres tun, wie Fürstenhof-Chef Friedrich Behrens bestätigte.

Bundesweit 10 Bio-Verbände

Insgesamt gibt es in Deutschland zehn Bio-Verbände, die ihren Mitgliedern strengere Standards vorschreiben als die EU-Öko-Verordnung festlegt. Zu den etablierten Verbänden gehören Biopark, Demeter, Bioland und Naturland.

Bisher waren die Fürstenhof-Farmen Mitglied im Biopark-Verband mit Sitz in Güstrow (Landkreis Rostock). Der hatte den Fürstenhof-Eiervermarkter nach Querelen und angeblichen Verstößen gegen Biopark-Richtlinien im Frühjahr ausgeschlossen. Daraufhin kündigten die Geflügelfarmen des Erzeugerverbundes zum 31. Dezember bei Biopark.

20 Betriebe bereits zertifiziert

Bei der neuen Bio-Initiative sind derzeit „rund 20 Betriebe zertifiziert“, berichtete deren Geschäftsführer Caspar von der Crone. Insgesamt habe der Verein etwa 50 Mitglieder, die meisten in MV und Niedersachsen, außerdem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Verband wirbt mit seinen hohen Standards vor allem in der Bio-Hühnerhaltung. Offen sei er aber auch für Schweinemäster und Rinderbetriebe, betont von der Crone.

Unter den rund 35 Interessenten im Saal: Heinrich Tiemann, einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschen Unternehmer der Bio-Eier-Branche. Er wolle „nur zuhören“, meinte der 59-Jährige, er kenne Behrens und von der Crone schon seit 30 Jahren. Tiemann-Betriebe sind nicht Mitglied des neuen Verbandes. „Noch nicht“, so der gebürtige Niedersachse, der kürzlich nach MV zog.

Caspar von der Crone stellte sich launig vor: „Wir sind ein Start-up“, sagte der 67-Jährige. Vor genau einem Jahr hatte er die Idee zur Gründung der Bio-Initiative. Zuvor war der gebürtige Sauerländer in der Geflügelwirtschaft viele Jahre in Bonn für den Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (KAT) tätig, einer Kontrollinstanz für Herkunft und Rückverfolgung in der Eier-Produktion. „Die Eier-Kennzeichnung, die sich dann überall durchgesetzt hat, war meine Idee“, berichtete von der Crone. Auch als Ruheständler habe er Spaß daran, „etwas nach vorn zu bringen“, sagte der Branchen-Profi.

Schluss mit dem Töten männlicher Küken

Ziel der Bio-Initiative seien Standards, die die Wünsche der Verbraucher bei Tier- und Umweltschutz berücksichtigten und sich von Mitbewerbern abheben. So sollen auf Bio-Initiative-Höfen ab 2019 keine männlichen Küken mehr getötet werden, versichert von der Crone. Der Fürstenhof-Verbund zieht nach eigenen Angaben aktuell gut 50 Prozent der Legehennen-„Brüder“ auf. Derzeit würden außerdem alle Ställe umgebaut, in denen noch mehr als 12.000 Legehennen leben. Ab 2018 dürfen pro Stall nur noch 12.000 Legehennen gehalten werden, in Neubauten maximal 6000.

Bio-Bauer Karl Matthes aus Volkenshagen bei Rostock erwartet „einen Mehrwert“ von der Bio-Initiative. „Sonst trete ich wieder aus.“ Sein Kollege Gottfried Marth aus Walkendorf (Landkreis Rostock) befürchtet jedoch, dass die Bio-Initiative von etablierten Öko-Verbänden angegriffen wird. „Die werden uns wieder Massentierhaltung vorwerfen.“ Er erwarte, dass der neue Verband offensiv rüberbringe, „dass wir große Betriebe haben, aber sauber und ehrlich arbeiten.“ Geschäftsführer von der Crone sicherte dies zu. „In den USA gibt es Farmen mit über fünf Millionen Legehennen. Ein deutscher Bio-Betrieb mit 12.000 Legehennen pro Gebäude ist da wirklich kein Großbetrieb.“

Elke Ehlers

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