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Wirtschaft Strafanzeige: Peta hält Ferkelkastration ohne Betäubung für verfassungswidrig
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17:12 05.02.2019
Ein Landwirt untersucht in seinem Stall ein Ferkel, das kastriert werden soll. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Berlin/Schwerin

Wegen betäubungsloser Kastration neugeborener Ferkel hat die Tierrechtsorganisation Peta Strafanzeige gegen drei Agrarbetriebe gestellt. Wie Rechtsanwalt Dr. Christian Arleth auf OZ-Nachfrage mitteilte, handelt es sich dabei um zwei Betriebe in Thüringen und einen Hof in Nordrhein-Westfalen. Peta hält das betäubungslose Kastrieren von Tieren sowie den Bundestagsbeschluss für eine Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration für rechtswidrig und strafrechtlich relevant. Den Familienbetrieb bei Dortmund hatte Peta in der Vergangenheit bereits wegen „unerträglicher hygienischer Missstände“ angezeigt.

Gegen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern sind laut Arleth ähnliche Anzeigen nicht beabsichtigt. Zwar würden auch in MV Ferkel ohne Betäubung kastriert. Wegen des „erheblichen Aufwands“, der mit solchen Anzeigen verbunden sei, solle es jedoch zunächst bei den drei Strafanzeigen bleiben.

Pro Jahr rund 20 Millionen Ferkel betroffen

Der Schweriner Agrarberater für Schweineproduktion, Dr. Jörg Brüggemann, ist überzeugt: „Wir haben eine rechtskonforme Regelung.“ Er verweist auf die Ende 2018 von Bundestag und Bundesrat getroffene Entscheidung, die Sauenhaltern das Kastrieren ohne Betäubung für weitere zwei Jahre erlaubt. Noch bis Ende 2020 dürfen männlichen Ferkeln in den ersten acht Lebenstagen die Hoden ohne Schmerzausschaltung entfernt werden. Ursprünglich sollte dies ab 2019 verboten sein. Laut Peta sind davon pro Jahr rund 20 Millionen Ferkel betroffen.

Peta will „Wandel zu veganer Lebensweise“

Peta hält die weitere Billigung der betäubungslosen Kastration für verfassungswidrig, sie verletze „das im Grundgesetz verankerte „Verfassungsgut Tierschutz“, meint Peta-Rechtsanwalt Arleth. Die Organisation, die sich nach eigenen Aussagen für „einen Wandel hin zu einer veganen Lebensweise“ einsetzt, verweist auf „praxistaugliche Alternativen“ zur Kastration ohne Betäubung, speziell die Ebermast und die so genannte Immunokastration. Bei der Immunokastration wird den Ferkeln ein Medikament gespritzt, das den Hormonhaushalt der Schweine beeinflusst und unangenehmen Ebergeruch verhindert.

Dürfen Bauern mit Sachkundeweis Ferkel bald selbst betäuben?

„Solche Tiere nimmt der Handel aber nicht ab“, weiß Agrarberater Brüggemann. Dafür dürften aber nicht die Tierhalter verantwortlich gemacht machen. Laut Brüggemann ist eine rechtliche Regelung in Vorbereitung, die Bauern das Kastrieren ihrer Ferkel erlaubt, wenn sie einen Sachkundenachweis für den Umgang mit dem Narkosegas Isofluran vorlegen. Bisher ist die Betäubung mit Isofluran nur Tierärzten erlaubt.

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