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Wirtschaft Rostocker Start-up gibt „Futter bei die Fische“
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18:04 05.02.2019
Sebastian Magolz (v. l.), David Otto und Daniel Schmidt verkaufen Koi-Futter. Quelle: Ove Arscholl
Südstadt

Im Teich von David Otto (27) schwimmt ein Schatz: Japanische Zierkarpfen, so bunt wie Juwelen und ähnlich kostbar, ruhen unter der Wasseroberfläche. Beim Anblick schillernder Schuppen kommt David Otto ins Schwärmen. „Wenn ich Kois beobachte, kann ich perfekt entspannen. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus.“ Den Blick wirft der Rostocker auch aus beruflichem Interesse ins Nass. Denn die Kussmäuler sind seine Testesser. Ihnen hat er Häppchen kredenzt, mit denen er nun solvente Karpfen-Züchter ködern will: Premium-Koi-Futter. Die Pellets sind das Kerngeschäft der Nutramare GmbH. Das Start-up hat Otto zusammen mit Sebastian Magolz (27) und Daniel Schmidt (32) im vergangenen Jahr gegründet, um eine Marktnische zu füllen.

Die Liebe zu Koikarpfen packt David Otto bereits als Kind. Kaum haben seine Eltern den Gartenteich mit Edelfisch besetzt, ist es um ihn geschehen. „Die Faszination ist auf mich übergeschwappt“, sagt er und lacht. Mit elf schafft sich Otto seinen ersten eigenen Koi an. Inzwischen schwimmen gut zwei Dutzend Zierkarpfen in seinem Teich. Damit die noch viele Jahre ihre Bahnen ziehen, legt David Otto Wert auf bestes Futter. Was er im Handel findet, überzeugt ihn nicht. Mit mieser Koi-Kost aber will sich der passionierte Raubfischangler nicht abspeisen lassen. Also fängt Otto an, mit Nährstoffen zu experimentieren. Die Suche nach der perfekten Mischung macht der Nutztierwissenschaftler sogar zum Thema seiner Bachelor- und Masterarbeit. Zusammen mit Sebastian Magolz, mit dem er schon seit der siebten Klasse befreundet ist, will er daraus ein Geschäft machen. Als dritten Mann holen sie sich den Elektrotechniker Daniel Schmidt ins Boot und gründen schließlich Nutramare.

Ihr Koi-Futter hat das Team von Nutramare an vielen Zierkarpfen ausprobiert. Dieser Fotovergleich soll zeigen, wie sich die Pellets auf das Wachstum und die Farbe auswirken. Links im Bild: ein Ki Matsuba, rechts im Bild, nach Nutramare-Angaben das selbe Tier fünf Monate später Quelle: privat

Das Trio entwickelt verschiedene Rezepte und testet sie mit Fütterungsversuchen am lebenden Objekt. Dabei heraus kommt „Koi360“. Die Tiernahrung haben Zierkarpfen zum Fressen gern. Gleichzeitig halte es sie fit und gesund, sagt David Otto. Die Zutatenliste liest sich wie die Inhaltsangabe auf einem Reformhaus-Produkt: Antioxidantien, Kräuteröle, Kurkuma, Algen und Blütenpollen stecken im Fischfutter drin. Hauptkomponente ist Heringsmehl. Darin unterscheide sich das Nutramare-Futter von dem, was der Markt Züchtern sonst so anbietet, sagt Otto. „Die meisten Produkte sind mit Getreide gestreckt. Das ist viel günstiger, aber Kohlenhydrate brauchen Kois nicht. Es ist, als würde man sich einen Porsche kaufen und dann E10 tanken.“

Für besonders schöne Kois lassen die Enthusiasten der Szene mehrere zehntausend Euro springen. Beim Füttern entpuppe sich mancher Züchter allerdings als Geizhals, sagt David Otto. Nährstoffarme Billigware sei für die Fische aber wie Junkfood für den Menschen, ergänzt Daniel Schmidt. „Kois fressen es, aber es macht sie nur fett.“ Dann dümpelt der einst so stromlinienförmige Schwimmer plötzlich als blasser Rollmops am Grund. Denn schlägt dem sensiblen Fisch falsches Futter auf den Magen, könne sich das auch negativ auf die Farbbrillanz auswirken, sagt Schmidt. „Aus Knallrot wird Hellorange.“ Hochwertige Inhaltsstoffe dagegen könnten die Intensität der Muster noch verstärken.

Die Jungunternehmer lassen „Koi360“ von einem deutschen Futtermittel-Mischwerk nach Geheimrezept produzieren und vertreiben es über den eigenen Onlineshop und namhafte Internethändler. Weil das Koi-Geschäft im Winter ruht, wollen sie demnächst auch Aquaristikfutter für Guppys und Co. auf den Markt bringen. Bei Tiernahrung soll es nicht bleiben. Wirtschaftsinformatiker Sebastian Magolz entwickelt für die Firmenhomepage einen Rechner, der Koi-Züchtern mit ein paar Klicks verraten soll, wie viel Nahrung gut für deren Lieblinge ist. Damit selbst Einsteiger nichts mehr falsch machen können, wollen Otto, Schmidt und Magolz die passende Hardware liefern. Sie arbeiten an einem smarten Futterspender, der so programmiert werden kann, dass er automatisch die optimale Menge Pellets in den Koi-Teich streut.

Noch ist Nutramare ein eher kleiner Fisch im Haifischbecken Futtermittelindustrie. Das Feedback der bisherigen Kunden sei aber durchweg positiv, sagt David Otto. Das gibt dem Koi-Fan und seinen beiden Kompagnons Auftrieb. Daniel Schmidt bringt es auf den Punkt: „Das ist nicht nur ein Job. Es ist unser Herzensprojekt.“

Antje Bernstein

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