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07:54 22.09.2017
Benedikt von der Decken, geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform Mecklenburg-Vorpommern von der Decken KG. Quelle: Bernd Wüstneck
Rostock

Wie steht es derzeit um das Gründerklima in Deutschland?

Benedikt von der Decken: Das steht und fällt mit der Geschäftsidee: Will ich die 57. Hausmeisterfirma in meiner Stadt eröffnen und habe keinen besonderen, einmaligen Service, dann ist es natürlich schwerer, Geldgeber und Kunden zu überzeugen. Plane ich dagegen eine tolle, innovative App mit viel Mehrwert, sieht es deutlich besser aus. Generell ist derzeit unheimlich viel Geld für finanzielle Beteiligungen verfügbar.

Dennoch sinkt die Zahl der Gründungen. Warum ist das so?

Die Wirtschaft boomt, vielen ist ein sicheres Angestelltenverhältnis lieber als eine unsichere Selbstständigkeit. So entfallen viele Notgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Auffällig ist jedoch, dass die Zahl der High-Tech-Gründungen konstant bleibt. Im Schnitt sind 7,1 Prozent aller Gründungen High-Tech-Unternehmen, in Berlin sogar fast jede zehnte Neugründung. Ansonsten gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle – Bayern und Baden-Württemberg stehen deutlich besser da als MV.

In welchen Branchen lohnt es sich derzeit besonders, ein Unternehmen zu gründen?

Schwer zu sagen. Im Pharma-Bereich kann man zum Beispiel immer wieder mit guten Ideen punkten – oder in der Finanzbranche, bei Mobilitätslösungen.

Wovon würden Sie die Finger lassen?

Die Baubranche boomt zwar, aber es gibt auch hohe Insolvenzrisiken. Viel Bewegung ist auch bei Kurieren, Speditionen...

Welche Unternehmen gehen derzeit häufiger pleite?

Eindeutig kleinere, jüngere, kapitalschwache Firmen.

Sollte ich also meine Gründung aus der Garage lieber abblasen?

Nein, das kann schon klappen. Aber es gibt eben immer auch Ausnahmen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Pleiten?

Das ist unterschiedlich: Mal war die Marktanalyse nicht genau genug, mal gibt es plötzlich andere technische Normen und Standards oder andere gesetzliche Vorgaben. Meist ist jedoch schlicht und einfach die Eigenkapitaldecke zu dünn.

Wie erkenne ich denn als junger Unternehmer solvente, verlässliche Geschäftspartner?

Finanzstärke ist wichtig, aber nicht alles. Auch die Chemie muss stimmen, der Partner muss kompatibel zu meiner Gründungsidee sein und darf mir keine zusätzliche Konkurrenz machen. Toll ist natürlich, wenn er zum Beispiel einen Kanal in den Markt hat, mein Produkt also vielleicht bei großen Discountern unterbringen kann, sodass ich mit einem Schlag einen riesigen Vertriebspartner habe. So etwas ist wichtig.

Wie schlimm ist es, wenn die Firma dennoch scheitert?

Schlimm ist es, wenn ich als Unternehmer das Unternehmen „an die Wand fahre“ und die Gläubiger allein lasse. Dann entsteht ein Dominoeffekt und volkswirtschaftlicher Schaden.

Was muss sich ändern, damit mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Wichtig ist vor allem schnelles Internet – auch auf dem Land. Und dann braucht man eben innovative Kerne – Unis, Hochschulen und Betriebe in High-Tech-Branchen – die weitere Gründungen nach sich ziehen.

Thomas Luczak

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