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Tausende Hennen in einem Stall: Ist das noch Bio?

Schwerin/Berlin Tausende Hennen in einem Stall: Ist das noch Bio?

Idyllische Hühnerhöfe, wo Bio-Eier im Stroh liegen? Von wegen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus.

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Hühner betrachten ein Ei auf einem Bauernhof in Deutschland. Laut Foodwatch leben bundesweit im Durchschnitt 13 500 Hennen in einem Bio-Betrieb.

Quelle: Victoria Bonn-Meuser/dpa

Schwerin/Berlin. Ist das Bio, wenn ein Betrieb 6000, 15000 oder 30000 Legehennen hält? Die Branche sagt: Ja. Mit kleinen Hühnerhöfen wäre die Nachfrage nach Bio-Eiern schon lange nicht mehr zu befriedigen. Nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist derzeit etwa jedes zehnte Ei ein Bio-Ei. Und Bio biete den Tieren bessere Lebensbedingungen. Entscheidend sei nicht die Größe eines Betriebes, sondern dass Bio-Betriebe den Hennen 50 Prozent mehr Platz im Stall und im Auslauf bieten als die konventionelle Freilandhaltung, erläutert BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig. Selbstverständlich bekämen die Hühner nur Bio-Futter und der Medikamenteneinsatz sei begrenzt.

Die EU-Öko-Verordnung erlaubt maximal 3000 Legehennen pro Stall. Wenn ein Betrieb mehrere 3000er Ställe hat, ist das Röhrig zufolge in Ordnung, sofern der Auslauf stimmt und gewährleistet ist, dass die Hennen nicht nur im Eingangsbereich zum Stall scharren und picken, sondern die gesamte Fläche nutzen. Dazu brauchen sie Unterschlüpfe zum Schutz vor Greifvögeln.

Der Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, Michael Wimmer, hält das Vorgehen in Mecklenburg-Vorpommern für sinnvoll. Dort werden seit 2015 nur noch Betriebe mit höchstens zwei mal 3000 Hennen pro Stallgebäude gefördert. In solchen Ställen komme es beim Auslauf nicht zum „Reihenmittelhaus-Effekt“ mit nur einem schmalen, langen Streifen Auslauf vor dem Gebäude.

Besser als in der konventionellen Freilandhaltung als nächstbesserer Kategorie gehe es den Bio-Hennen allemal, ist sich Wimmer sicher. „Wem das Wohl der Legehennen besonders am Herzen liegt (...), ist im Bio-Laden oder Bio-Supermarkt an der richtigen Adresse.“ Dort würden ausschließlich Eier angeboten, die dem bäuerlichen oder dem Verbands-Ideal entsprächen. Ein Ei aus einem Demeter-Betrieb kostet um die 50 Cent – nicht machbar im konventionellen Einzelhandel.

Somit gibt es bei Bio längst mehrere Kategorien und außer dem europäischen Mindeststandard keine einheitlichen Regelungen. In dem Demeter-Betrieb Hufe 8 in Selow im Landkreis Rostock leben 6600 Hennen in vier Mobilställen, die laut Röhrig als innovativste und besonders artgerechte Haltungsform gelten. Auch die Hähnchen werden aufgezogen und nicht als Eintagsküken getötet, wie es in der konventionellen und ökologischen Produktion überwiegend geschieht.

Im selben Landkreis hat mit dem Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof einer der größten Erzeuger von Bio-Eiern in der Bundesrepublik seinen Sitz. 23 Betriebe gehören dazu, berichtet Geschäftsführerin Annalina Behrens. Zwölf von ihnen halten knapp 300000 Legehennen, zwei haben Bio-Elterntiere für den Nachwuchs und zwei Betriebe ziehen Junghennen und -hähne gemeinsam auf. Weitere Betriebe sind für Ackerbau und Futterproduktion zuständig.

Lidl startet eigene Kennzeichnung zur Tierhaltung

Inmitten der Debatte über ein staatliches Label für beesere Tierhaltung startet Discounter Lidl ein eigenes System. Ab April sollen alle Frischfleischprodukte der Eigenmarken – ob Schwein, Rind, Pute oder Hähnchen – mit einem leicht verständlichen „Haltungskompass“ gekennzeichnet werden, wie der Billiganbieter gestern ankündigte. Das Lidl-System soll sich an der Kennzeichnung für Eier orientieren und hat vier Stufen. Lidl erwartet, dass die Kunden mit der Kennzeichnung stärker Produkte aus besserer Haltung kaufen.

Birgit Sander

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