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Viele Erfindungen, aber kaum Patente in MV

Rostock Viele Erfindungen, aber kaum Patente in MV

Die Unternehmen im Land melden kaum Schutzmarken an.

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Axel Schätzke (54) arbeitet an der Entwicklung einer Fisch-Filetiermaschine.

Quelle: D. Lilienthal

Rostock. Vom Sturzfrühwarnsystem für Senioren bis zum Einrad mit Elektromotor — die Firmen und Forscher Mecklenburg-Vorpommerns beweisen Erfindergeist. Jedoch: Patente werden hierzulande kaum angemeldet. 180 Schutzmarken wurden 2012 laut Deutschem Patent- und Markenamt genehmigt. Das sind nur elf pro 100 000 Einwohner. „Damit halten wir im Vergleich aller Länder die rote Laterne“, sagt Christine Grünewald, Leiterin des Bereichs Innovation bei der Industrie- und Handelskammer zu Rostock. Zum Vergleich: Brandenburg meldete 269, Spitzenreiter Bayern gar 14 340 Patente an. Bundesweit wurden 2012 insgesamt 61 311 Entwicklungen geschützt.

„Wir haben noch Luft nach oben“, bestätigt Gunnar Bauer, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Die überschaubare Anzahl sei der geringen Industriedichte geschuldet. Nur 28 von 1000 Einwohnern arbeiten in diesem Sektor, in den neuen Ländern seien es um die 40. Weiterer Nachteil für MV: Unternehmen melden ihre Patente meist über ihre Hauptsitze an. Die liegen aber oft nicht an der Küste, erklärt Christine Grünewald. Beispiel Biotronik in Warnemünde: Das Unternehmen hätte seine Forschung zwar hier konzentriert, lasse seine Erfindungen aber oft über seinen Hauptsitz in der Schweiz und Süddeutschland patentieren.

Viele kleine Unternehmen schrecken vor den hohen Kosten für Patente zurück. Die deutschlandweite Anmeldung koste nur 360 Euro. „Doch für das Überwachungsmanagement kommen schnell fünfstellige Summen zusammen“, sagt Grünewald. Um ein Schutzrecht zu sichern, werden rund 2000 Euro pro Jahr fällig. Europaweit koste es 30 000 Euro, weltweit 100 000 Euro. Hilfe gibt es vom Land: Es fördert internationale Schutzrechtsanmeldungen mit bis zu 50 000 Euro. Zu den Unternehmen aus MV, die Erfindungen patentieren lassen, zählt der Rostocker Sonderanlagenbauer Rosoma. Der Betrieb hat unter anderem eine Fischfiletiermaschine und eine Entschuppungsanlage sichern lassen. Ein Patent poliere nicht nur das Firmenimage auf. „Es motiviert die Mitarbeiter zu kreativen Leistungen“, sagt Entwicklungsingenieur Siegbert Wruck. Die Firma werde auf dem Markt besser akzeptiert, auch bezüglich der Produktpreise. Wer die Patentanmeldung in Eigenregie bewerkstelligen wolle, benötige viel Fachwissen. Eine Auslandsanmeldung sieht er kritisch. „Sie ist ein kostspieliges Unterfangen und sollte nur für ausgewählte Länder erfolgen“, rät Wruck.

Auf ein Patent zu verzichten sei oft eine strategische Überlegung, erläutert IHK-Experte Kai Retzlaff. Denn: Wird ein Patent angemeldet, müsse der Erfinder seine Idee offenlegen. Gelte das Schutzrecht dann nur für Deutschland, hätten internationale Konkurrenten Zugriff auf Geistesblitze aus MV.

Die Patentanmeldung sei sehr langwierig, sagt Gesine Selig vom Verwertungsverbund (VVB) in Rostock. Der VVB unterstützt die Wissenschaftler des Landes von der Bewertung bis zur Patentierung. „Zwei bis drei Jahre kann das dauern.“ Wissenschaftler müssen ihre Neuheiten per Gesetz über ihren Arbeitgeber anmelden. Dennoch verdienen sie am Patent mit. Forscher würden mit 30 Prozent des Bruttoerlöses beteiligt, wenn ihre Erfindung verwertet werde, erklärt Selig. Geforscht wird bundesweit hauptsächlich im Automobilbau und der Chemiebranche. In MV sind vor allem die Medizin- und Energietechniker, Maschinenbauer und IT-Experten innovativ.

Aus den Geistesblitzen müssen auch marktfähige Produkte werden, die hierzulande produziert werden, fordert das Wirtschaftsministerium. „So bekommen wir zukunftsfähige Arbeitsplätze“, verdeutlicht Gunnar Bauer. Das Land stellte zwischen 2007 und 2013 insgesamt 155 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zur Verfügung. Davon wurden bis Ende 2013 bereits 152,2 Millionen Euro gebunden. Mit den Geldern konnten bisher 813 Projekte gefördert werden, davon 390 Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft, die sogenannte Verbundforschung.

Erfindungen aus MV
Patente sind Schutzrechte, die Ideen vor Nachahmung schützen. Patente werden für Erfindungen erteilt, wenn diese neu sind, auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen und gewerblich anwendbar sind. Maximale Laufzeit eines Patents: 20 Jahre ab Anmeldetag. 2013 in MV u. a. patentiert: eine Zugangsluke für Silos, ein Speichenschloss mit Seilschloss und ein Transport-Behälter für gekleisterte Tapete.
• Datenbank:
www.tbi-mv.de

 



Antje Bernstein

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