Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Volle Kraft zurück

Detroit Volle Kraft zurück

Auf der gestern eröffneten Automesse von Detroit haben wieder die großen und PS-starken Mobile Vorfahrt. Davon profitieren auch deutsche Hersteller. Autos mit Elektro- und Hybridantrieb müssen vorerst warten.

Voriger Artikel
Billiges Öl: CEP denkt über geringere Förderung in MV nach
Nächster Artikel
Sellering stolz auf 25 Jahre MV

Detroit — Willkommen in den Achtzigern! Wer sich danach sehnt, die vergangenen Krisenjahre einfach mal beiseitezuschieben und den Klang von starken Motoren zu hören, sollte sich in den nächsten Tagen die Auto Show 2015 in Detroit nicht entgehen lassen. Die schweren Pickup-Trucks mögen den Europäern als Dinosaurier der Straße erscheinen, in Amerika sind sie wieder angesagt: Ford lässt seinen legendären „F-150“ überholen, Toyota bietet einen überarbeiteten „Tacoma“ an und General Motors setzt auf „Chevrolet Colorado“ und „GMC Canyon“.

00017njw.jpg

Starker Auftritt: Mercedes-Benz „GLE Coupé“

Zur Bildergalerie

„Motor City“, wie Autofreunde Detroit gern nennen, mag sich gerade erst aus seiner existenziellen Krise herausarbeiten. Doch auf dem Messegelände, wo etwa 20 Hersteller aus aller Welt seit gestern fast zwei Wochen lang ihre Neuheiten präsentieren, stehen die alten Rezepte wieder hoch im Kurs. Die Zeitung „Detroit Free Press“ bringt es auf den Punkt: „Big and fast is back“ — die großen und schnellen Wagen sind zurück.

Elektroautos schwer zu finden

Mit der Suche nach intelligenten Lösungen halten sich die Ingenieure offenbar nicht lange auf. Angesichts fallender Spritpreise und niedriger Zinsen gelten wieder die Maßstäbe der alten Benzinschlucker. Allem Anschein nach drehen zukunftsträchtige Modelle wie Hybrid- und Elektrofahrzeuge in diesem Jahr in Detroit eine stille Ehrenrunde: Die Messebesucher müssen schon hartnäckig Ausschau halten, um einige der wenigen Ausstellungsstücke am Rand der großen Hallen zu entdecken.

Immerhin will sich Mary Barra, die neue Chefin von General Motors, den umweltfreundlichen Technologien nicht völlig verschließen: Der „Chevrolet Bolt“, das neue Elektroauto des Konzerns, soll mit seinem Akku eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern ermöglichen. Mercedes bereitet den Start eines zweiten Plug-in-Hybriden vor. Nach der S-Klasse mit teilelektrischem Antrieb und Steckdosenanschluss rüstet der Stuttgarter Autobauer auch die C-Klasse entsprechend aus. Im März soll der „C 350 PHEV“ auf den Markt kommen. Rein elektrisch soll er bis zu 130 Stundenkilometer schnell fahren können.

So schnell kann es gehen: Erst vor sechs Jahren musste der Staat mit milliardenschweren Hilfen eingreifen, um die amerikanischen Traditionsmarken vor der Pleite zu retten. Die Firmen wurden in Führung und Verwaltung verschlankt. Neue Konzepte setzten sich aber offenbar nicht dauerhaft durch: Die Neuwagen 2015 sprechen mehr das Gefühl als den Verstand an. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten brummt, die Zinsen verharren auf niedrigem Niveau, da wollen auch die Autoverkäufer nicht zurückstehen. Ihr erklärtes Ziel: 2015 wollen sie 17 Millionen Neuwagen in ihrem Heimatmarkt absetzen — mehr als je zuvor. Und das sei auch überhaupt nicht unrealistisch, sagt der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Vom Aufschwung profitieren nicht zuletzt deutsche Hersteller. Vor allem Porsche und Audi fahren der Konkurrenz auf der Überholspur davon. Sportliche Geländewagen, wie „SUV Q7“ von Audi und „GLE Coupé“ von Mercedes, kommen gut an. Alleine Audi verkaufte im Dezember vergangenen Jahres 19200 Fahrzeuge auf dem US-Markt — ein neuer Monatsrekord. Insgesamt setzten die deutschen Hersteller BMW, Mercedes, Porsche und Audi im vergangenen Jahr rund 925000 Neuwagen in den Vereinigten Staaten ab.

Volkswagen abgehängt

Das Nachsehen dagegen hat die VW-Kernmarke. Trotz eines Rekordergebnisses im vergangenen Jahr (siehe oben) können die Wolfsburger mit ihren Modellen Passat und Jetta, die eigens für den US-Markt in Chattanooga (Tennessee) gebaut werden, bei den Kunden nicht mehr punkten: „Es nützt ja nichts, wenn unsere Autos besser sind als die der Konkurrenz, aber der Kunde sie so gar nicht haben will“, sagt VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Eine Kurskorrektur lasse sich nun einmal nicht über Nacht erreichen. Optimistische Töne schlägt dagegen Konzernchef Martin Winterkorn an. Spätestens mit dem Geländewagen „CrossBlue“, der jetzt in Detroit als Studie vorgestellt wurde, erwarten sich die VW-Leute einen neuen Schwung für das Amerikageschäft. Da der „Tiguan“ den Amerikanern zu klein ist und der „Touareg“ zu teuer, weil man die Marke nicht mit Premium assoziiert, ruhen auf ihm die Hoffnungen im SUV-Bereich. Mit 4,85 Metern ist er länger als der „Touareg“, er soll sieben Sitzplätze haben und eventuell zusätzlich als Fünfsitzer auf den Markt kommen, so Winterkorn. Insgesamt sind im Konzern-Investitionsplan für die USA und Mexiko von 2014 bis 2018 sechs Milliarden Euro notiert.

Als Gründe für die starke Erholung des US-Automarkts sieht Experte Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen neben der guten Konjunkturlage mehrere Faktoren. Zum einen sei das Benzin dank des Fracking-Booms in den USA besonders günstig und mache den Amerikanern „Lust auf große Autos“. Umgerechnet koste ein Liter Benzin dort derzeit knapp 50 Cent. Ein weiterer Faktor seien Innovationen im Software- und IT-Sektor. Bei sogenannten „Connected Cars“ und dem automatisierten Fahren stünden US-Konzerne wie Google, Apple oder Microsoft kurz vor dem „Technologie-Durchbruch“ und schüfen einen neuen „Milliarden-Markt“.

Zudem bringe das vor allem durch Einwanderung geprägte nachhaltige Bevölkerungswachstum eine stetige Nachfrage nach Autos mit sich, so Dudenhöffer. Verglichen mit 1990 seien heute auf US-Straßen rund 40 Prozent mehr Autos unterwegs. Und spritsparende Fahrzeuge seien für die meisten Kunden in Amerika ohnehin langweilig: „Gekauft wird, was Spaß macht.“

Zehn Millionen Autos verkauft — VW mit neuem Rekord
Als erster Autobauer überhaupt hat der Volkswagen-Konzern im vergangenen Jahr weltweit mehr als zehn Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Zwischen Januar und Dezember seien 10,14 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert worden, konnte Konzernchef Martin Winterkorn (Foto) vermelden. Das seien 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. VW könnte damit der Autokonzern mit den besten Verkaufszahlen im Jahr 2014 werden.



Die schärfsten Konkurrenten Toyota und General Motors haben für die vergangenen zwölf Monate noch keine Zahlen zu ihrem Absatz veröffentlicht. Toyota hatte den Markt 2013 mit 9,98 Millionen verkauften Fahrzeugen angeführt. Im Neun-Monatsvergleich lag VW 2014 noch vorn: Das Wolfsburger Unternehmen lieferte zwischen Januar und September 7,65 Millionen Fahrzeuge aus, Toyota 7,61 Millionen. Für das Gesamtjahr rechnete Toyota aber mit 10,22 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen. Zum Volkswagen-Konzern gehören zahlreiche Marken, darunter Audi, Porsche, Skoda, Bugatti, Bentley, Lamborghini und die Lkw-Marken MAN und Scania.

In den vergangenen zehn Jahren habe Volkswagen die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge verdoppelt, erklärte Vertriebsvorstand Christian Klingler. „Trotz der teilweise sehr schwierigen Marktsituation“ hätten alle Marken zu diesem Ergebnis beigetragen. In Europa verkaufte VW über das gesamte Vorjahr 3,95 Millionen Fahrzeuge — gut fünf Prozent mehr als 2013. In Südamerika dagegen brachen die Verkaufszahlen um fast 20 Prozent ein.

 



Stefan Koch und Michael Rebmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.