Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Wismarer Koggenwrack stammt aus dem Mittelalter

Fundplatz 31: Wismarer Koggenwrack stammt aus dem Mittelalter

Wissenschaftlich bestätigt: Funde stammen aus 13. Jahrhundert

Voriger Artikel
„Krasser geht es nicht“: Marteria wird Ostseestadion rocken
Nächster Artikel
Was heute in MV wichtig wird

Ein Unterwasserarchäologe erforscht ein Koggenwrack im Wismarer Hafen. Die gefundene Kogge, deren Planken acht Zentimeter stark waren, ist komplett verbrannt.

Quelle: Foto: Martin Siegel

Fundplatz 31:. . Fast ein Jahr lang haben Unterwasserarchäologen und Forschungstaucher im Wismarer Hafen gearbeitet. Als Munitionsberger im April 2016 bei Baggerarbeiten ein großes altes Stück Holz aus dem Wasser zogen, vermuteten Experten, dass dort ein Wrack und ein großes Trümmerfeld liegen müssen. „Wir haben uns kräftig geirrt“, sagt Grabungsleiter Roman Scholz vom Unternehmen UWA-Logistik heute. Der Fachmann präsentierte jetzt in Wismar im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Museumswinter“ die vorläufigen Forschungsergebnisse.

OZ-Bild

Wissenschaftlich bestätigt: Funde stammen aus 13. Jahrhundert

Zur Bildergalerie

In den 24 mal 12 und 18 mal 12 Meter großen Untersuchungsgebieten wurden drei Schiffswracks gefunden. Die wissenschaftliche Auswertung der Wracks und der Tausenden Einzelfunde zwischen Schiffsseilrest, Pilgerabzeichen und großem Kochkessel werde allerdings noch Jahre dauern. Fest steht: Das, was gefunden wurde, ist spektakulär – von der zeitlichen Datierung, der Größe der Wracks und ihrem Erhaltungszustand her.

„Das ist ein sogenannter ,Missing Link’“, erklärte der Fachmann. Die Wismarer Funde könnten erklären, wie die Entwicklung des nordeuropäischen Schiffsbaus von wikingisch-slawischen Booten zu den Bootstypen der Hansezeit und damit der Koggen vonstattenging. Es gebe beispielsweise im dänischen Roskilde Funde von Schiffen aus dem 10. und 11. Jahrhundert nach skandinavischer Wikingerbauart, dazu zahlreiche Schiffswracks aus der späteren Hansezeit. Die Holzproben aus den drei Wismarer Wracks wurden zwischen 1200 und 1247 datiert (siehe Infokasten). Das Schiff am Fundplatz 32 ist ein Schiff der nordischen Bauart, ein Nachfolger der Wikingerhandelsschiffe – nur größer und stabiler als die, die aus dem 9. und 10. Jahrhundert.

Das Wrack am Fundplatz 31 im Süden der Ausgrabungsstelle sei, so der Fachmann, zwar im schlechten Erhaltungszustand, aber der spannendste Fund. Nur Holz vom Schiffsboden ist noch vorhanden. „Das Schiff ist komplett verkohlt und verbrannt“, erklärte Roman Scholz. Die Planken waren acht Zentimeter stark. „Wie ein Panzer für extreme Lasten“, so der Fachmann. Und: Es ist eine Kogge! „Jetzt haben wir nicht nur die fahrende Kogge, sondern auch einen archäologischen Paten“, spielte Roman Scholz auf den „mittelalterlichen Koggenfund“ vor Poel an. Der Fund aus dem Jahr 1997 wurde erst auf das Jahr 1354 datiert, was eine kleine Sensation war. 2011 wurde die Expertise dann korrigiert, auf die Zeit um 1773.

Die nun gefundenen Wrackteile wurden geborgen, gereinigt, wissenschaftlich untersucht und werden nun im Unterwasserdepot vor der Insel Rügen wieder versenkt, um sie erhalten zu können. Nur der Überraschungsfund, das Wrack nach skandinavischer Bauart am Fundplatz 32, konnte (noch) nicht vollständig geborgen werden. „Es wäre schade, den Menschen diese Funde vorzuenthalten“, machte Roman Scholz auf den Seltenheitswert der Wrackfunde aufmerksam. Wismar könnte so wie das dänische Roskilde stolz das Gefundene museal präsentieren.

Genauso spannend wie die Funde ist das, was Roman Scholz schlussfolgert„Drei Wracks an einer Stelle können kein Zufall sein. Damals war die Region Flachwasser. Die Schiffe lagen auf die Seite gekippt“, erzählte er. Ballaststeine oder Ladung wurden nicht gefunden. „Es befand sich hier wohl eine Reparaturwerft“, erklärte Roman Scholz. Für die Frage, warum drei Schiffe auf der Werft beim Reparieren im Flachwasser auf der Seite liegend aufgegeben wurden, hat er eine einfache Erklärung: eine starke Sturmflut, die an den beiden nördlichen Wracks entsprechende Schäden anrichtete.

Sedimentfunde in den Wracks unterstützen die Theorie, während das südliche Wrack verbrannt ist.

Die Daten der gefundenen Wracks

Das Schiff soll mindestens 21 Meter lang und mindestens sieben Meter breit sein, nur der Schiffsboden ist erhalten. Zwei verschiedene Eichenhölzer wurden datiert auf die Zeit um/nach 1223 und auf um/nach 1212.

Fundplatz 32: Das Schiff muss circa 20 Meter lang und acht bis neun Meter breit gewesen sein. Der Schiffsboden bis zum Umbruch in die Bordwand ist erhalten. Das dendrochronologisch untersuchte Holz wurde auf die Zeit um/nach 1228 datiert.

Nicole Hollatz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rostock
Kritzmow bei Rostock: Gudrun Greipel hat nie ihren Lebensmut verloren.

Die Mutter des Rennrad-Profis Andre Greipel aus Rostock-Kritzmow ist an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS gestorben. In einem Gespräch mit der OZ hat sie von ihrem schweren Kampf berichtet.

mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.