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„Wissemara“ segelt zum Hansetag nach Holland

Rostock/Kampen „Wissemara“ segelt zum Hansetag nach Holland

Sechs Hansestädte aus Mecklenburg-Vorpommern präsentieren sich in Kampen / Rostock lädt 2018 ein

Rostock/Kampen. „Koggen sind das bekannteste Symbol der Hanse.“ Rita Berkholz vom Rostocker Hansesail-Büro schwärmt für die historischen Frachtsegler. Deshalb freut sie sich, dass gleich mehrere Koggen Kurs auf das niederländische Kampen nehmen, wo morgen der 37. Hansetag der Neuzeit eröffnet wird. Neben der „Wissemara“ aus Wismar haben sich die „Lisa zu Lübeck“ und die dort beheimatete Kamper Kogge angemeldet. Bis zum Sonntag erwartet die westlich von Amsterdam gelegene Stadt Gäste aus vielen anderen Hansestädten Europas.

 

OZ-Bild

Die „Wissemara“ ist der Nachbau einer Kogge von 1773.

Quelle: Foto: H.-J. Zeigert

Es hat bereits Tradition, dass Abgesandte aus den sechs Hansestädten in Mecklenburg-Vorpommern – neben Rostock, Stralsund, Wismar und Greifswald auch Anklam und Demmin – bei den Neuzeit-Hansetagen dabei sind. „Wir präsentieren uns dort immer gemeinsam“, unterstreicht Rainer Lange vom Amt für Wirtschaftsförderung in Stralsund.

In diesem Jahr hat der Besuch eine besondere Bedeutung: Denn Rostock ist Ausrichter des nächsten Hansetages – eingebettet in die Feier zum 800. Stadtjubiläum. In Kampen wollen die sechs Stadtoberhäupter und Mitglieder der Stadtvertretungen der Hansestädte aus MV jetzt offiziell nach Rostock einladen. Das Fest vom 21. bis 24. Juni steht unter dem Motto „Einfach handeln!“. Rund 130 Hansestädte in 16 Ländern haben bereits zugesagt, in Rostock Flagge zu zeigen.

„Mit vielen Partnern wollen wir in Kampen schon Absprachen treffen, mit den Trägervereinen der Koggen zum Beispiel“, sagt Projekt-Koordinatorin Berkholz. Den Koggen kommt beim Rostocker Hansetag besondere Bedeutung zu: Wie im Mittelalter sollen sie Waren aus befreundeten Hansestädten an die Warnow transportieren. Für den an den Stadtgeburtstag angelehnten, symbolischen Preis von 800 Euro.

Das Geld soll dem Erhalt der Koggen zugutekommen. „Eine tolle Idee“, findet der Rostocker Autor Udo Horn, der sich länger als ein Jahr intensiv mit verschiedenen Schiffstypen beschäftigt hat, die vom 12. bist 14. Jahrhundert den Handel im Nord- und Ostseeraum maßgeblich beförderten. Horn ist überzeugt: „Die Koggen sicherten den Erfolg des Kaufmannsbundes.“ Ohne die robusten, leistungsfähigen Einmaster wäre es im Mittelalter nicht möglich gewesen, so große Mengen Waren zu transportieren. Pünktlich zum Hansetag in Kampen erscheint seine „Koggenfibel“, die einen Überblick über die in Europa bestehenden Koggen-Nachbauten und deren Trägervereine gibt. Neun Nachbauten dieser historischen Frachtsegler gibt es laut Horn derzeit in Europa – sechs in Deutschland sowie je einen in Litauen, Schweden und den Niederlanden.

Für die Waren-Transporte nach Rostock wurden bereits die drei Koggen gewonnen, die jetzt in Kampen zu sehen sind. Aber auch die „Ubena von Bremen“ und die Pommernkogge „Ukra“ aus Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) könnten eingebunden werden, meint Koordinatorin Berkholz. Einige Städte hätten schon signalisiert, welche Güter sie verschiffen wollen. Holländischer Käse, Danziger Goldwasser – für die Region typische Dinge sollen es sein.

„Aus Stralsund kommen Störtebeker Bier und Marzipan aus der Sumara-Manufaktur“, weiß Wirtschaftsförderer Lange. Wismar habe – natürlich – Sekt aus der Hansesektkellerei angekündigt. Aus Greifswald komme möglicherweise Wurst von Greifenfleisch, aus Braunschweig die Mumme, ein altehrwürdiges Bier. Die Hansestadt Salzwedel will Baumkuchen schicken, Halle an der Saale (beide Sachsen-Anhalt) Salz und Hallorenkugeln. Allerdings: Die Waren aus Halle sollen nicht mit einer Kogge, sondern auf einem historischen Flussschiff – einem Kassenkahn – in Rostock eintreffen. Rita Berkholz: „Viele haben gute Ideen.“

Neue Hansetage seit 1980

Im Mittelalter trafen sich die Mitglieder des Hansebundes regelmäßig, um ihr Handeln abzustimmen. Dem Bündnis gehörten ab Mitte des 12. Jahrhunderts bis zu 200 Städte im Nord- und

Ostseeraum an. Die Hanse hat Wirtschaft, Handel und Politik mitgestaltet, bis sie im 17. Jahrhunderts an Bedeutung verlor. Rostock richtete zuletzt 1417 einen Hansetag aus.

Der Hansebund der Neuzeit hat 1980 mit dem Internationalen Hansetag diesen Brauch wiederbelebt. Jedes Jahr lädt eine andere Hansestadt ein. 2017 findet der Hansetag in Kampen (Niederlande) statt, 2018 ist Rostock Gastgeber, 2019 dann Pskov (Russland).

Elke Ehlers

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