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Wissenschaftler: Bauern vernachlässigen Bodenschutz

Rostock Wissenschaftler: Bauern vernachlässigen Bodenschutz

Prof. Peter Leinweber bezeichnet die Ausdehnung des Maisanbaus als schädlich für den Acker.

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Prof. Peter Leinweber

Quelle: dpa

Rostock. Führende Bodenkundler kritisieren den Umgang der Bauern mit dem Acker. Streben nach Gewinnmaximierung führe auf den Feldern zu „Fehlnutzung und übermäßiger Bodenverdichtung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, Prof. Thomas Scholten von der Universität Tübingen (Baden-Württemberg), gestern auf einer Fachtagung in Rostock.

Auch Prof. Peter Leinweber von der Rostocker Universität warf der Landwirtschaft vor, den Bodenschutz zu vernachlässigen. Leinweber bezeichnete die Landnutzung „auf weiten Flächen als nicht nachhaltig“. Schuld daran seien ökonomische Interessen. Bei Wind komme es verstärkt zu Bodenerosion und Sandstürmen wie beispielsweise im April 2011, als auf der Autobahn 19 bei Kavelstorf (Landkreis Rostock) bei einem Sandsturm- Unfall acht Menschen starben.

Als „besonders bodenschädigend“ bezeichnete Leinweber die Ausdehnung des Maisanbaus. Nach der Aussaat brauchen die weit auseinander stehenden Maispflanzen länger als andere Kulturen, bis der Boden bedeckt ist. Dabei werde die fruchtbare Krume — der Humus — abgetragen, so dass der Acker an Fruchtbarkeit verliert. Folge sei ein hoher Düngereinsatz.

„Wir beklagen jedoch nicht nur Probleme, sondern bieten Lösungsmöglichkeiten an“, betonte Leinweber. Die Wissenschaftler forderten die Bauern auf, ihr Wissen über mehrgliedrige Fruchtfolgen besser zu nutzen. „Auf der Insel Poel mussten Pächter früher eine neungliedrige Fruchtfolge einhalten und den Boden zum Teil brachliegen lassen“, berichtete der Rostocker Professor. Dadurch habe sich über Jahrhunderte eine hohe Bodenfruchtbarkeit erhalten. „Poels Landwirte wissen, auf welchem Schatz sie wirtschaften und hüten ihn“, sagte Leinweber. Weit verbreitet sei allerdings die Fruchtfolge von nur drei Kulturen. Langfristig führe dies zu niedrigeren Erträgen.

Trotzdem gab Leinweber einen positiven Ausblick: Studien ergaben, dass Boden „innerhalb einer Generation wiedergenesen kann“. Das Einbringen von Mikroorganismen und organischem Dünger, u.a. durch Seetang, kann die Bodenqualität verbessern. Uni-Rektor Wolfgang Schareck bezeichnete den Boden als „Haut der Erde“, für die ebenso viel Verantwortung übernommen werden müsse wie für die Reinhaltung von Luft und Wasser.

Die Tagung der Bodenkundlichen Gesellschaft stößt mit mehr als 800 Teilnehmern auf großes wissenschaftles Interesse.

 

Elke Ehlers

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