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MV aktuell Immer mehr Tiere: Wölfe erobern Mecklenburg-Vorpommern
Nachrichten MV aktuell Immer mehr Tiere: Wölfe erobern Mecklenburg-Vorpommern
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13:02 10.10.2018
Ein Wolf, aufgenommen in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz (Nordrhein-Westfalen). Quelle: Bernd Thissen/dpa
Schwerin.

Erneut hat Isegrim in Mecklenburg-Vorpommern zugeschlagen: Am Sonntag sind nahe des Drewitzer Sees (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) 11 tote Schafe gefunden worden. „Nach der Rissbegutachtung ist ein Wolf als Verursacher des Nutztierrisses wahrscheinlich“, erklärt Martina Plothe, Sprecherin des Agrarministeriums von MV. Um den Befund zu erhärten, seien Genetikproben entnommen worden. Der Grundschutz der Herde sei in diesem Fall nicht gewährleistet gewesen.

Anders war es in dem erst jetzt bekannt gewordenen Fall der auf einer Weide bei Blankenhagen (Landkreis rostock) gerissenen 15 Schafe. Bei dem Angriff am 3. August auf eine Schafherde waren zehn weitere Tiere verletzt worden, einige so stark, dass sie verendeten bzw. getötet werden mussten. Eine DNA-Untersuchung hatte einen Wolf als Verursacher bestätigt. In diesem Fall war der Grundschutz für die Herde gewährleitet; es besteht die Möglichkeit einer Ausgleichszahlung an den Nutztierhalter.

Bauern fordern mehr Unterstützung vom Land

Seit Jahresbeginn 2018 sind in MV insgesamt 12 Übergriffe auf Nutztiere, die durch einen Wolf verursacht wurden bzw. bei denen ein Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnte, gemeldet worden. Dabei wurden 56 Kälber, Schafe oder Damhirsche getötet und 23 Tiere verletzt. In den Jahren 2017 und 2016 waren 88 beziehungsweise 72 getötete und verletzte Nutztieren gezählt worden.

Die Animation zeigt Ihnen, wie die Entwicklung auf der Karte aussieht:

Quelle: https://dbb-wolf.de/  Grafik: Cassandra Voigt 

Der Bauernverband MV kritisiert, dass die Interessen der Landwirte und Weidetierhalter hinsichtlich der Wolfsangriffe nicht genügend berücksichtigt werden, erklärt Sprecherin Ann-Kristin Hanell. Der Verband setzte sich für ein aktives Wolfsmanagement ein. Das bedeutet, dass der Wolf in den Katalog der bejagbaren Arten aufzunehmen ist. Der Bauernverband fordert deshalb, dass zeitnah verlässliche Regelungen zum Abschuss von Wölfen umgesetzt werden. „Wir brauchen schnell Lösungen, denn immer mehr Weidetierhalter geben auf“, sagt Ann-Kristin Hanell. Die ab 2019 geltende neue Förderrichtlinie werde begrüßt. Eine Forderung der Tierhalter sei, dass das Land sich stärker an den Anschaffungskosten für Zäune und Hunde beteiligt. Momentan werden 75 Prozent der Kosten übernommen. Das Ministerium habe höhere Förderbeiträge signalisiert und will die Förderung der präventiven Maßnahmen verbessern.

Backhaus hat Verständnis für Tierhalter

Aber nicht nur die Wolfsangriffe sorgen für Aufsehen in MV, in den letzten Tagen wurden auch mehrere Exemplare der Raubtiere getötet. Am Sonnabendvormittag war zwischen Pinnow bei Anklam und der Zecheriner Brücke an der B110 ein weiblicher Wolf bei einem Verkehrsunfall getötet worden. Ebenfalls einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen ist am 3. Oktober der mit einem Sender versehene Wolf Anton aus MV. Das Tier aus dem Kalißer Rudel im Landkreis Ludwigslust-Parchim war in Niedersachsen überfahren worden.

Kommentar zum Thema: Die Angst vor dem grauen Raubtier nimmt zu

„Ich habe volles Verständnis dafür, dass Nutztierrisse durch Wölfe für Ärger bei Tierhaltern und für Diskussionen bei Anwohnern sorgen“, erklärt Agrarminister Till Backhaus (SPD). Es werde intensiv an dem Thema gearbeitet. Deshalb sei es wichtig, jede Sichtung eines Wolfes dem Wolfsmanagement des Landes mitzuteilen und Fotos oder Videoaufnahmen zur Auswertung zur Verfügung zu stellen.

Zwei Rudel leben ständig in MV

Aktuell haben sich laut Agrarministerium in MV zwei Wolfsrudel dauerhaft angesiedelt, deren Kernlebensraum vollständig im Land liegt: in der Ueckermünder Heide (Vorpommern-Greifswald) und in der Kalißer Heide (Ludwigslust-Parchim). Ein drittes Rudel hat sich in der Retzow-Jännerstorfer Heide im Grenzbereich zwischen MV und Brandenburg etabliert. Das dem Land Brandenburg zuzuordnende Rudel der Kyritz-Ruppiner Heide erstreckt seinen Aktionsbereich teilweise auf MV. Das Löcknitzer Rudel lebt offenbar grenzübergreifend zwischen MV und Polen. Außerdem sind für MV je ein Wolfspaar in Jasnitz und in der Nossentiner Heide sowie ein residenter Einzelwolf im Müritz-Nationalpark nachgewiesen.

Bernhard Schmidtbauer