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Wörter im Wahlkampf

Rostock Wörter im Wahlkampf

Die OZ hat die Wahlprogramme der großen Parteien in MV untersucht. Zentrale Frage: Wie häufig werden darin bestimmte Begriffe verwendet? Die Ergebnisse sind überraschend.

Rostock. Jede Partei hat es, kaum ein Bürger liest es: das Wahlprogramm. Was die AfD in den nächsten vier Jahren in Mecklenburg- Vorpommern ändern will, beschreibt sie auf knapp 20 Seiten. Das Wahlprogramm der Grünen ist drei Mal länger. Abseits politischer Versprechen wollte die OSTSEE- ZEITUNG herausfinden, welche Inhalte die Parteien vor der Wahl in MV selbst für wichtig erachten. Dazu untersuchten wir, wie häufig bestimmte Begriffe in den Wahlprogrammen von SPD, CDU, FDP, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der AfD genannt werden. Die Analyse brachte überraschende Ergebnisse zutage.

Oben können Sie sechs Wortwolken sehen. Jede enthält die 50 häufigsten Begriffe aus dem jeweiligen Wahlprogramm. Je größer das Wort, desto öfter kommt es im Text vor. Die Daten wurden im Vorfeld der Analyse bereinigt. Artikel, Präpositionen, aber auch Begriffe, die bei allen Parteien übermäßig häufig vorkamen, wie „Land“ oder „Mecklenburg-Vorpommern“, wurden nicht beachtet.

Es kann festgehalten werden, dass CDU, AfD, FDP und Die Linke in ihren Programmen am liebsten über die eigene Partei sprechen. In den Wortwolken erscheinen ihre Parteinamen gigantisch und blenden die übrigen Inhalte praktisch aus. Ganze 213 Mal schreibt Die Linke ihren Namen ins Wahlprogramm. Logisch, denkt sich da wohl jeder Politikinteressierte – in den Programmen gehe es ja schließlich um die Parteien selbst. SPD und Grüne zeigen aber, dass es auch anders geht: Lange muss man suchen, bis man den Parteinamen in ihren Wortwolken findet.

Fünf der sechs Parteien sind sich einig, dass Politik etwas mit Menschen zu tun hat – ob für Menschen gedacht oder von Menschen gemacht. Der Begriff kommt in den Programmen überdurchschnittlich häufig vor. Besonders bei den Linken – verglichen mit den „Menschen“ verblassen andere Stichwörter in ihrer Wortwolke deutlich. Nicht so bei der AfD: Die Alternative für Deutschland unterscheidet zwischen Menschen und Bürgern. Die „Bürger“ sind in ihrem Wahlprogramm weitaus stärker vertreten: Mit 17 Erwähnungen landet der Begriff auf Platz fünf, „Menschen“ hingegen sind nicht mal in den Top 50. Die Heimat ist einzig in der christdemokratischen Wortwolke zu finden. Getreu dem bundesweiten Trend in der CDU sowie der Überschrift ihres eigenen Wahlprogramms „Heimat im Mittelpunkt“ kommt der Begriff 24 Mal darin vor. „Kinder“ schreiben hingegen fast alle Parteien ganz groß. Nur in den Wahlprogrammen von CDU und FDP kommen sie seltener vor als die Unternehmen. Bei den Freien Demokraten schaffen es die „Kinder“ nicht mal in die Top 50. Grundsätzlich können sich alle Parteien auch auf „mehr“ einigen. Das Stichwort kommt in allen Programmen recht häufig vor. Von „weniger“ hingegen spricht nur die FDP. Wird der Begriff „mehr“ mit den häufigsten Nomen verbunden, so fordern SPD und Die Linke mehr Arbeit, die Grünen mehr Förderung und Schulen, die CDU mehr Zukunft, die FDP mehr Unternehmen und die AfD mehr Deutschland. Doch die AfD ist eigentlich keine Partei der Substantive. Ihr Wahlprogramm enthält überdurchschnittlich viele Verben. Die AfD unterstützt, erhält, lehnt ab und fordert ein. Auch Die Linke fordert in ihrem Programm ziemlich oft – 39 Mal fällt darin dieses Verb. Die regierende Koalition benutzt „fordern“ hingegen kaum in ihren Wahlprogrammen. Bei ihnen ist viel häufiger die Rede von „fördern“. Die Grünen nutzen beide Begriffe ähnlich oft und schaffen so den Spagat zwischen Regierungsbeteiligung und Opposition – zumindest was die Wortwahl betrifft.

Dem Bündnis 90 fällt es auch in anderen Bereichen schwer, sich genau festzulegen: In ihrer Wortwolke tauchen Begriffe wie „etc“ und „etwa“ auf. Dafür trumpfen die Grünen mit einer großen Anzahl statistischer Daten auf. Das dritthäufigste Stichwort in ihrem Wahlprogramm ist „Prozent“.

Alexander Salenko

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