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Wütende Bauern schütten Politikern Milch vor die Füße

Göhren-Lebbin Wütende Bauern schütten Politikern Milch vor die Füße

Agrarministerkonferenz in MV: Landwirte protestieren gegen Preisverfall / Erzeuger müssen um ihre Existenz kämpfen / Grund ist das Überangebot auf dem europäischen Markt

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Ein Bauer lässt in Göhren-Lebbin Milch auf einen Acker laufen.

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Göhren-Lebbin. Trecker-Demo, verschüttete Milch auf dem Acker, Protestplakate: Hunderte Bauern sind gestern wütend in Göhren-Lebbin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) auf die Straße gegangen. Dort wollen die Agrarminister von Bund und Ländern Beschlüsse zum krisengeschüttelten Milchmarkt fassen: Molkereien sollen gezwungen werden, Preis, Menge und Qualität vor der Lieferung mit den Bauern auszuhandeln. Das hat MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) angekündigt. Überschüsse, die auf den Preis drücken, sollen so verhindert werden.

Weniger Betriebe

813 Milchviehbetriebe gab es im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern. Das waren 60 weniger als 2014. Im Durchschnitt hatte ein Betrieb 227 Kühe. Die jährliche Milchleistung pro Tier lag bei 8899 Kilogramm. Die ökologische Milchviehhaltung erfolgte in 52 Bio-Betrieben und Höfen mit insgesamt 3343 Tieren.

„Die Bauern befinden sich in der schlimmsten Krise seit 25 Jahren“, sagt Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes MV. Die Zukunft vieler Höfe stünde auf dem Spiel, weil „die Kosten nicht mehr zu decken sind“. Soforthilfen, bessere Verträge mit den Molkereien und Bürokratie-Abbau seien dringend nötig.

Durch den Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch werden in diesem Jahr bundesweit Verluste von drei bis vier Milliarden Euro erwartet. Die schlechten Einnahmen machen sich auch in MV bemerkbar:

Im vergangenen Jahr ist der Bestand der Milchviehbetriebe um 60 auf 813 gesunken.

„Die Politik und die großen Handelsketten machen uns kaputt“, beklagt Wilfried Lenschow, Milchbauer im Kreis Vorpommern-Rügen. Exportbarrieren seien nicht abgebaut worden, viele Supermärkte bieten Milch so billig wie möglich an. Ursache für die Niedrigpreise ist das Überangebot. Es ist durch den Russland-Boykott, die schwächere Nachfrage in China und Nordafrika sowie den Verdrängungswettbewerb in Europa entstanden. Aus Irland und Belgien kommt Milch für 15 Cent pro Liter. „Wir brauchen etwa 40 Cent, um überhaupt was zu verdienen“, sagt Bauer Lenschow. Zurzeit liege der Preis bei 23 Cent, im Sommer sollen es 20 Cent sein. So müsse immer mehr gemolken werden, um die Liquidität zu erhalten. „Wir produzieren zu viel, wir müssen von der Menge runter“, sagt Agrarminister Backhaus. Von der Konferenz, die heute zu Ende geht, müsse das Signal ausgehen, die Milchmenge zu reduzieren. Wenn die europaweit verringert werde, könnte die Überproduktion gestoppt werden.

Neben den Bauern haben auch Tierschützer in Göhren-Lebbin protestiert. Sie fordern Bestandsobergrenzen statt Megaställe. „Je größer die Anlagen, desto gravierender sind die Umweltwirkungen“, sagt Corinna Cwielag vom Bund für Umwelt und Naturschutz MV. Laut Bundesimmissionsschutzgesetz würden Obergrenzen für Tierhaltungsanlagen bei maximal 1500 Schweinen je Betrieb liegen — nicht bei 28000, wie etwa in Medow bei Anklam geplant sei. Seite 2

Von Kerstin Schröder

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