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Zehn Jahre Führerschein mit 17: Mehr Sicherheit, weniger Unfälle

Rostock Zehn Jahre Führerschein mit 17: Mehr Sicherheit, weniger Unfälle

Das anfangs umstrittene Fahren für Minderjährige ist in MV ein großer Erfolg

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Konzentriert am Steuer: In Elmenhorst bei Rostock macht Leon Borchardt mit 17 Jahren Fahrschule. FOTO: DIETMAR LILIENTHAL

Rostock. . Schulterblick. Blinker rechts. Nochmal Schulterblick, alles frei. Souverän zieht Leon Borchardt mit dem weißen Fahrschul-Audi von der Einfahrt auf die Straße.

Bescheinigung statt Fahrerlaubnis

BF 17 steht für begleitetes Fahren ab 17 Jahren. Nicht-Volljährige dürfen nach bestandener Führerscheinprüfung Auto fahren – in Begleitung eines mindestens 30 Jahre alten Führerscheininhabers, der maximal einen Flensburg-Punkt hat. Begleiter werden in die Prüfbescheinigung eingetragen, die es statt der Fahrerlaubnis gibt.

Wenn alles klappt, hat der 17-jährige Schüler aus Warnemünde in ein paar Wochen den Führerschein, obwohl er noch nicht volljährig ist. Fahren darf er vorerst nur mit Begleitung, den richtigen „Lappen“ gibt es zum 18. Geburtstag.

Vor zehn Jahren, Ende November 2006, wurden Führerschein mit 17 und begleitetes Fahren in Mecklenburg-Vorpommern eingeführt. BF 17, wie Fachleute sagen, wurde ein riesiger Erfolg: Sinkende Unfallzahlen, weniger verletzte und getötete Fahranfänger. „Ich war am Anfang skeptisch“, räumt Leons Fahrlehrer Henry Bahls (39) ein. Doch die Realität hat ihn überzeugt: „Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht.“

Die Zahlen sprechen für sich: Nach einer Auswertung des Polizeipräsidiums Neubrandenburg ging die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten 18- bis 25-Jährigen von 2009 bis 2015 um zwei Drittel zurück:

von 33 auf 11. Gleichzeitig verursachen junge Fahrer weniger Unfälle: 373 mal war das 2015 der Fall, gut 150 mal weniger als vier Jahre zuvor – dazu untersuchte die Polizei Daten von 16- bis 24-Jährigen, die ein motorisiertes Fahrzeug führten, also einschließlich Moped. Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen ergab 2011, dass BF 17-Teilnehmer zu 19 Prozent weniger an Unfällen beteiligt sind und zu 18 Prozent weniger durch Verkehrverstöße auffallen. Woran liegt das? Helmut Bode, Chef des Landesfahrlehrerverbandes, ist sich sicher: „Wenn die Eltern in den ersten Monaten daneben sitzen, ist das wie eine moralische Bremse.“ Fahren unter Aufsicht bringe die besseren, vernünftigeren Fahrer hervor. Die Teilnehmer seien als Fahrschüler motivierter, schnitten besser in den Prüfungen ab, weil sie sich mehr vorbereiten, hat der Rostocker Fahrlehrer Sven Patzer beobachtet. Man sollte ruhig über „BF 16“ nachdenken, meint er. Einige seien mit 17 noch ein bisschen zu jung fürs Autofahren, sagt Fahrlehrer Henry Bahls aus Elmenhorst. Aber das gelte auch für manche 18-Jährige.

Als erstes Bundesland führte Niedersachsen 2004 BF 17 ein, gegen den Widerstand des Bundes. In Mecklenburg-Vorpommern stieß die Idee zunächst auf Ablehnung. Sein Bild werde niemals neben dem Foto „eines toten Kindes“ in der Zeitung zu sehen sein, wetterte der damalige Verkehrsminister Otto Ebnet (SPD). Inzwischen gehört die frühere Fahrerlaubnis bundesweit längst zum Alltag.

Fast jeder zweite Fahranfänger – laut Dekra-Niederlassung Rostock-Stralsund rund 40 Prozent – macht mit beim Führerschein mit 17. „Es könnten ruhig noch mehr sein“, sagt Edgar Pinick, Dekra-Fachgebietsleiter für das Fahrerlaubniswesen. Das Autofahren unter Aufsicht bringe viel, auch wenn es nur drei, vier Monate sind, meint er. Pinick würde die Quote gern erhöhen. Das sei schwierig, weil die Begleitpersonen fehlten – etwa wenn der Vater mehr als einen Flensburg-Punkte hat, weil er als Kraftfahrer arbeitet.

Für mehr BF-Teilnehmer könne ein Wegfall der Probezeit sorgen, meint Pinick. Bei Leon Borchardt war das nicht nötig. Ihm machen weder rückwärts Einparken noch Spurwechsel im Stadtverkehr bange. „Ein Naturtalent“, lobt Fahrlehrer Bahls. Und das mit 17.

Gerald Kleine Wördemann

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