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Zeitverzug im Goldenen Saal

Schwerin Zeitverzug im Goldenen Saal

Erst im Frühjahr 2017 kann der neu gewählte Landtag im Schweriner Schloss umziehen / Grund ist die Insolvenz einer Firma, die neue Planung erfordert

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Goldener Saal: Bauarbeiter Bruno Rasch (l.) erklärt Landtagsdirektor Armin Tebben den Fortschritt auf der Baustelle.

Quelle: Fotos: Cornelius Kettler (4)

Schwerin. Bauarbeiter Mario Steffen trägt im vierten Stock Toilettenbecken an der SPD-Fraktion vorbei. Der Zugang zur NPD ist durch eine Plane mit Reißverschluss versperrt. Im Schweriner Schloss, seit 1991 Sitz des Landtages, frisst sich die Baustelle Schritt für Schritt ins politische Geschäft. Die Linken-Fraktion ist seit langem ausgezogen. Seit Ende 2013 laufen die Arbeiten für einen neuen Plenarsaal, Lobby und Besucherbereich über mehrere Etagen. Ende Juli müssen die Abgeordneten für einige Monate weichen. Schon jetzt ist klar: Der neue Landtag wird vermutlich erst im Frühjahr 2017 im restaurierten Goldenen Saal tagen. Die Insolvenz einer Planungsfirma bringt Zeitverzug und höhere Kosten.

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Erst im Frühjahr 2017 kann der neu gewählte Landtag im Schweriner Schloss umziehen / Grund ist die Insolvenz einer Firma, die neue Planung erfordert

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„Der Termin Januar wird nicht zu halten sein“, sagt Armin Tebben. Der Landtagsdirektor, zuständig für die Verwaltung im Haus, hat sich mit dem Bauprojekt einen zusätzlichen Brocken auf den Tisch gezogen. Auf Wunsch des Landtags wurde der sonst für Landesbauten zuständige Betrieb abgelöst. Dass nun Pläne überarbeitet werden müssen, dürfte für Kommentare sorgen. Das weiß Tebben. Und doch hat er eine Erklärung: Noch liege das Projekt im Zeitplan. Da die Lüftungsanlage aber falsch geplant wurde, die zuständige Firma vergangenes Jahr in die Pleite ging, musste alles von vorn beginnen.

Gewissheit: Die gewaltige Klimatechnik, die im Dachgeschoss des Schlosses installiert werden sollte, passt nicht hinein. „Nun sollen es zwei kleinere Geräte werden“, sagt Projektleiterin Petra Günther. Ein Teil der Anlage solle sogar auf das Dach, abgestimmt mit dem Denkmalschutz.

Die Kosten dürften nicht überschritten werden, sagt Tebben. Das stimmt — und doch auch nicht. Denn die veranschlagten 26,5 Millionen Euro werden nicht für das reichen, was geplant war. Der jetzige Plenarsaal sollte — nach Umzug des Parlaments in den Goldenen Saal — zu einem modernen Tagungszentrum umgebaut werden (Kosten: 2,5 Millionen). Darauf könnte man verzichten; entscheiden müsse der Landtag.

Im Herzstück der Baustelle leuchten die Wände golden wie früher. „Der Grundton“, sagt die Planerin. Weitere Anstriche sollen etwas heller werden. Bauarbeiter werkeln überall. Der etwa 30 mal 20 Meter große Goldene Saal war einst Prunkstück des Schlosses. Hier seien Elemente vieler Bauphasen gefunden worden, sagt Petra Günther: von der Errichtung des Schlossflügels um 1837 unter Großherzog Paul Friedrich I., aus der Zeit nach dem großen Brand 1913 und aus der DDR-Zeit, in der Pragmatismus vor Schönheit ging. 250 Tonnen Beton schafften die Bauleute raus, robuste Spitzenqualität.

Nun ragen zwei gewaltige Holzkonstruktionen an den Querseiten in den Saal — künftig der Platz für fast 100 Besucher, die Abgeordnete von oben aus kurzer Distanz während der Sitzungen beobachten können. Auch Gäste des Schlossmuseums dürfen bald von einer Galerie aus einen Blick in den neuen Saal werfen. Der Clou: Das ganze Bestuhlungssystem im Saal sei variabel, so Tebben. So könne schnell und unkompliziert auf Veränderungen in Fraktionen reagiert werden.

Seine ersten Sitzungen muss der neue Landtag, der am 4. September gewählt wird, noch woanders abhalten. Nach dem Auftakt im Staatstheater soll der alte Plenarsaal als Zwischenlösung dienen. Doch genau da stellt die Demokratie die Bauplaner vor ein Problem: Kämen wieder fünf Fraktionen ins Parlament, wie eine aktuelle Umfrage vorhersagt, passen diese gerade so in den alten Saal. „Sechs oder sieben wären unmöglich“, so Tebben. Der Goldene Saal biete dagegen alle Möglichkeiten.

Schätze seien während der Bauarbeiten im Schloss nicht gefunden worden, so Günther. Eine alte Marmorsäule stellte sich als Füllmaterial heraus. Im Schlosshof legten Archäologen dagegen ein Tor zum slawischen Burgwall aus dem Jahr 942 frei. Ebenfalls entdeckt wurde ein 1000 Jahre alter Brandpfeil.

• Mehr Fotos: www.ostsee-zeitung.de

92 Besucherplätze

26,5 Millionen Euro soll der Umbau des Schweriner Schlosses kosten, inklusive Rückbau, Rekonstruktion des Schlossflügels, Neugestaltung von Plenarsaal, Lobby und Besucherbereichen. Ob das Geld reichen wird, soll die neue Ausschreibung für die Lüftung zeigen. 92 Plätze werden die Besuchertribünen im Goldenen Saal haben.

2,5 Millionen Euro soll der Umbau des jetzigen Plenarsaals zu einem Tagungszentrum kosten.

Von Frank Pubantz

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