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Zerstörte Greifvogel-Nester: Noch immer kein Täter gefasst

Greifswald Zerstörte Greifvogel-Nester: Noch immer kein Täter gefasst

Landes-Jagdverband fordert schärfere Strafverfolgung / 35 Horste vernichtet

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Ein Rotmilan kreist auf Nahrungssuche über den Feldern der Mecklenburgischen Seenplatte in der Nähe von Bad Stuer.

Quelle: Foto: Angela Mahler

Greifswald. Jäger fordern eine härtere Verfolgung von Tätern, die Greifvogelnester zerstören. „Es ist mir schleierhaft, dass nicht mehr unternommen wird“, sagt Ulf-Peter Schwarz, Sprecher des Jagdverbands MV. Auch der Bundes-Jagdverband setzt sich für eine schärfere Strafverfolgung ein. „Es kann nicht sein, dass die Energiewende auf dem Rücken der heimischen Artenvielfalt ausgetragen wird“, kritisiert Verbands-Präsident Hartwig Fischer.

 

OZ-Bild

„Wir haben an Stämmen Spuren von Steigeisen gefunden.“Achim Froitzheim, Kreissprecher

In den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte waren 35 Horste von Rotmilanen, Bussarden, Schrei- und Seeadlern zerstört worden. Weil die Nester alle in Eignungsgebieten für Windkraftparks liegen vermuten viele einen Zusammenhang. Schwarz: „Man kann davon ausgehen, dass es einen Grund für diese Vorfälle gibt.“ Manche Landwirte, denen die betroffenen Flächen gehören, hätten auffällig wenig Interesse an Aufklärung. „Das darf doch nicht sein“, schimpft Schwarz. Die Grundbesitzer verdienten oft gut daran, wenn sie ihr Land an einen Windpark-Betreiber verpachten.

In Vorpommern-Greifswald zerstörten die Täter seit Ende vergangenen Jahres 28 Horste. „Es ist nicht nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang mit geplanten Windparks gibt“, sagt Kreissprecher Achim Froitzheim. Aber es falle auf, dass nur vorgesehene Eignungsgebiete für Windräder betroffen seien. Brüten geschützte Vögel in einem Gebiet, kann das die Errichtung der Anlagen verhindern.

Es gebe unterschiedliche Vorgehensweisen, so Froitzheim. Mal würden komplette Bäume, auf denen Greifvögel brüten, mit der Motorsäge gefällt. Oder es fehlten nur die einen Meter großen Nester. „Wir haben an Stämmen Spuren von Steigeisen gefunden,“ berichtet Froitzheim. Wahrscheinlich wurden bei dieser Methode die Horste auf den Boden geworfen und danach mit dem Auto abtransportiert. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises erstatte in jedem Fall, der bekannt werde, „automatisch“ Strafanzeige gegen unbekannt. Bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg, die für den größten Teil des Landkreises zuständig ist, waren gestern nur zwei Ermittlungsverfahren in Vorpommern-Greifswald bekannt. Eines davon wurde bereits eingestellt, das andere läuft noch. Sprecherin Beatrix Komning schließt aber nicht aus, dass ihre Behörde noch weitere Verfahren bearbeitet.

In Ivenack (Mecklenburgische Seenplatte) hat ein Hobby-Ornithologen-Paar seit 2015 sieben zerstörte Greifvogelnester gemeldet. Kein Fall wurde aufgeklärt. „Täter wurden in allen Fällen nicht ermittelt und die Verfahren wurden eingestellt“, teilen Bettina und Norbert Kern auf ihrer Internetseite mit.

„Ich kann nur an jeden Einzelnen appellieren, von solchen Straftaten abzusehen“, warnt Umweltminister Till Backhaus (SPD). Das Abholzen bringe erst einmal wenig: Für Brutstätten ohne Horst gilt ein befristeter Bestandschutz.

Gerald Kleine Wördemann

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