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„Zu Hause bin ich total harmoniesüchtig“

Rostock „Zu Hause bin ich total harmoniesüchtig“

Bundesministerin Manuela Schwesig (SPD) plauderte gestern im ersten Politischen Salon der OZ über ihre Familie, die Renten und die Reichensteuer.

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Erster Gast im Politischen Salon im OZ-Medienhaus in Rostock war gestern Abend Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Quelle: Fotos: Frank Söllner

Rostock. Heimspiel für die Bundesfamilienministerin: Mit Manuela Schwesig (SPD) als Gast startete gestern Abend im Rostocker Medienhaus der Politische Salon, eine neue Veranstaltungsreihe der OSTSEE-ZEITUNG. Eine Alternative zum „Kurz- und Kleingehackten“ der Talkshows soll die Gesprächsrunde sein, erklärte OZ-Chefredakteur Andreas Ebel. 120 Zuhörer waren dabei.

OZ-Bild

Bundesministerin Manuela Schwesig (SPD) plauderte gestern im ersten Politischen Salon der OZ über ihre Familie, die Renten und die Reichensteuer.

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Ein Heimspiel war es für Manuela Schwesig als Mecklenburger Landeskind. Die gebürtige Brandenburgerin aus Seelow bei Frankfurt/Oder begann ihre politische Karriere als Stadtvertreterin in Schwerin. Hier lebt die 42-Jährige bis heute mit ihrem Mann und zwei Kindern. Ihre Familie erlebe eine andere Manuela Schwesig als die Politikerin, die von Termin und zu Termin hetzt und sich im harten Politik-Alltag aufreibt, erzählte sie. „Zu Hause lege ich den Schalter um und bin total harmoniesüchtig“, sagte sie. „Bloß keine Diskussionen, sondern Friede, Freude, Eierkuchen.“ Diese zwei Gesichter seien wohl eine Folge ihres Sternzeichens Zwilling.

In Seelow trifft sich die frühere Steuerfahnderin regelmäßig mit ihrer sehr großen Familie. Ihre Urgroßmutter, die dieses Jahr 99 Jahre alt wird, hat 26 Urenkel. Die Familie als Anker sei wichtig, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Zum Beispiel wenn Verwandte von den Höhen und Tiefen des Lebens berichten – vom Überleben mit schlecht bezahlten Jobs oder schweren Krankheiten.

Warum haben wir nicht längst die soziale Gerechtigkeit, die die SPD fordert, wollte OZ-Chefredakteur Ebel wissen. Die SPD regiere schließlich schon lange mit. „Wir haben viele Dinge gemacht“, sagt Schwesig. Sie zählt den Mindestlohn auf, die höhere Erwerbsminderungsrente. Wie ungerecht die vorher war, habe die Politikerin am eigenen Leib erfahren, als ihr Vater nach Jahrzehnten auf dem Bau krank geworden sei. Von der kleinen Erwerbsminderungsrente hätte er allein nie leben können.

Andere Probleme habe die SPD noch nicht lösen können, wie eine bessere Bezahlung in der Altenpflege. „Die CDU boykottiert das massiv im Bundestag“, sagte Schwesig. Weil sich in der Union die Pflegeheimbetreiber durchgesetzt hätten, die das nicht wollten. „Die CDU ist ein Klotz am Bein, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht“, meinte die Ministerin. „Warum gilt vieles, was besser ist – höhere Erwerbsminderungsrente, Mütterrente – immer erst in der nächsten Generation?“, fragte ein Besucher. „Das ist doch Kokolores“, sagte der Mann. „Ich weiß, dass es ungerecht ist“, antwortete Schwesig. Aber „Geld ist endlich“. Und es wäre nicht besser, den heutigen Müttern Leistungen zu kürzen, um die Mütterrente rückwirkend zu erhöhen.

„Wann kommt die Reichensteuer?“, wollte eine andere Zuhörerin wissen. Ihre Partei möchte die Kapitalertragssteuer abschaffen und Gewinne aus Vermögen genauso besteuern wie Einkommen aus Arbeit.

„Gerade die, die viel Geld haben, haben es leicht, sich an der Steuer vorbeizumogeln“, meinte Schwesig. Das habe sie bei ihrer früheren Arbeit für die Steuerbehörden oft genug erlebt. Eine Krankenschwester bekomme dagegen schon Probleme, wenn ihr Arbeitsweg in ihrer Steuererklärung zwei Kilometer abweicht. Außerdem müsse mehr für Kinder getan werden. Die Steuergesetze, die Ehepaare und nicht Kinder besser stellen, seien ungerecht.

Überall gibt es Frauenbeauftragte, beklagte sich ein Zuhörer. „Wann gibt es Männerbeauftragte?“, wollte er von der Politikerin wissen. Gar nicht, gab Schwesig zu verstehen. Neutrale Gleichstellungsbeauftragte seien längst die Regel. Und zum Thema Gleichberechtigung: Frauen übernehmen noch immer den allergrößten Teil der Kindererziehung.

„Was ist das Wichtigste, um das sich die Politik kümmern muss?“, hieß eine weitere Frage. „Die größte Aufgabe ist die Friedenssicherung“, meinte Schwesig. Was vor zehn Jahren bei der Geburt ihres ersten Sohnes noch selbstverständlich war, gelte mittlerweile nicht mehr. „Die Welt ist aus den Fugen“. Wird sie die nächste Ministerpräsidentin von MV, wie manche zu wissen glauben? Ihre Antwort:

„Wir haben einen sehr guten Ministerpräsidenten mit einem direkten Draht in die Bundespolitik.“

„Politischer Salon“

Sahra Wagenknecht Fragen stellen? Am 28. März um 18 Uhr ist das möglich. Dann nämlich ist die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag zu Gast im „Politischen Salon“ im OZ-Medienhaus Rostock (Richard-

Wagner-Straße 1a).

Spitzenpolitiker beantworten in der Veranstaltungsreihe zur Einstimmung auf die Bundestagswahl Fragen zu aktuellen politischen Themen. Interviewt werden sie von OZ-Chefredakteur Andreas Ebel.

Sie haben Fragen? Senden Sie diese gern vorab an uns: OSTSEE-ZEITUNG, Redaktion Reporter, Richard- Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Per Mail an leserreporter@ostsee-

zeitung.de

Weiterer Termin: 8. Juni um 19 Uhr mit Katrin Göring-Eckardt (Grüne).

Gerald Kleine Wördemann

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