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MV aktuell Zu Hause in einem unbekannten Land
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00:00 25.09.2018
Rostock

Die Suche nach einem neuen Zuhause beginnt für die 19-jährige Alena Bersan im August 2015. Eines Abends sagt ihre Mutter: „Mach dich bereit. Wir fahren los.“

Alena Bersan kam als Flüchtling aus der Ukraine. Quelle: Foto: U. Bondarenko

Einige Tage zuvor hatten zwei Soldaten die russischstämmigen Frauen bedroht. Auch ihr Auto war als angeblich kriegswichtig beschlagnahmt worden. Die beiden Frauen leben in Horliwka, eine Stadt im vom ukrainischen Bürgerkrieg zerrissenen Donezk-Gebiet.

„Für meine Familie waren die Ukraine und Russland immer wie Schwestern“, sagt Alena. „In den Nachrichten wurde gesagt, dass die Soldaten Kinder essen. Die Omas, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen, haben das geglaubt. Und nicht nur die Omas", bedauert die junge Frau. Sie und ihre Mutter hören, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt. Sie entscheiden sich, dort Asyl zu beantragen.

Per Bus und per Anhalter kommt die Familie nach Deutschland. Eine Nacht verbringen sie auf dem Bahnhof in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen). Dort wird ihre Tasche mit allen Dokumenten gestohlen. Drei Tage verbringen sie in einer Sporthalle, zusammen mit 300 anderen Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern.

Danach kommen die beiden nach MV, zunächst ins Erstaufnahmelager Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim), dann über Demmin und Neubrandenburg nach Rostock, wo Alenas Mutter schnell eine Stelle als private Pflegerin findet. Alena beginnt eine Ausbildung als Fleischereifachverkäuferin. Anfangs gibt es Sprachprobleme: „Die Mitarbeiter fürchteten, dass ich die Kunden nicht verstehe. Ihnen gefiel auch meine Aussprache nicht“, erinnert sich Alena. Dennoch ist die Ausbildung für die Frau eine wichtige Erfahrung. „Ich habe mich von der Angst, mit den Menschen deutsch zu sprechen, befreit. Vorher war mir das Land fremd.“

Im Mai 2018 muss Alenas Mutter zurück in die Ukraine, um die kranke Oma zu pflegen. Vier Monate sind Mutter und Tochter getrennt und niemand weiß, wann sie sich wiedersehen. Vor einem Monat hat Alena ihre Ausbildung beendet. Jetzt möchte sie Englisch lernen. Ehrenamtlich hilft Alena zwei alten Damen, die zuvor Kundinnen ihrer Mutter waren. Drei Jahre nach ihrer Flucht aus der Ukraine ist sie angekommen in Deutschland. „Ich fühle mich schon als ein Mitglied der Gesellschaft. Viele Ausländer leben von der Sozialhilfe. Aber ich möchte arbeiten.“ Auf die Frage, ob sie nach Hause zurückkehren möchte, antwortet Alena zögerlich: „Ich habe in der Ukraine kein Zuhause mehr. Alles Gute, was es dort gab, ist zerstört. Meine Heimat ist da, wo meine Mutter ist. Ich möchte wieder mit ihr zusammen sein.“

In Rostock fühlt sich Alena schon fast wie zu Hause. „Mit gefällt hier alles – das Meer, die Architektur, sogar die Straßenbahn.“ Ihre Wochenenden verbringt sie gerne in Warnemünde oder fährt Rad. In der Hansestadt hat die Frau auch die Liebe gefunden: der 25-jährige Stanislaw aus der Republik Moldau. „Ich verstehe jetzt, wie die Menschen in Deutschland ticken. In der Ukraine dachte ich nie an die Rente, aber hier sorgen sich alle darum – und ich jetzt auch.“

Alena hat große Pläne. Sie möchte Sozialarbeiterin werden, Jugendlichen oder Flüchtlingen helfen. Aber für ein besseres Leben braucht Alena eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die es Bürgern aus Nicht-EU-Staaten ermöglicht, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Dann dürfte sie auch ins Ausland reisen. Als erstes Land würde sie gerne Italien besuchen. „Aber ohne meine Mutter kann ich mir das nicht vorstellen.“ Ihr erster Antrag wurde abgelehnt. Sie hat Einspruch eingelegt, auf eine Entscheidung wartet sie schon seit einen Jahr. Als Alena aus der Ukraine flüchtete, musste sie ihren geliebten Chihuahua „Knöpfchen“ zurücklassen. 2017 brachten Freunde den Hund mit.

„Ich fürchte mich nur davor, dass ich mitten in der Nacht in die Ukraine abgeschoben werde. Dann wird ,Knöpfchen’ ins Tierheim gebracht. Das würde ich nicht überleben.“

Uliana Bondarenko

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