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Zu laut: Boltenhagen bläst fast alle Veranstaltungen ab

Boltenhagen Zu laut: Boltenhagen bläst fast alle Veranstaltungen ab

Grund ist ein Gerichtsverfahren wegen des Lärmpegels / Ein Bürger hat geklagt / Kurpark ist nicht als Sonderzone ausgewiesen

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Das weiße Picknick im Kurpark Boltenhagen ist sehr beliebt.

Quelle: OZ

Boltenhagen. Im Kurpark des Ostseebades Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) dürfen vorerst keine Großveranstaltungen stattfinden. Hintergrund ist ein Verfahren, das derzeit beim Verwaltungsgericht Schwerin anhängig ist. Dort geht es um die Lautstärke der Veranstaltungen im Kurpark – und die ist offenbar zu hoch. Wie ein Sprecher des Verwaltungsgerichtes gestern auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG mitteilte, habe ein Kläger aus dem Ort Lärm-Messungen durchführen lassen, die inzwischen in ein Gutachten geflossen seien. Derzeit hätten die Beteiligten Gelegenheit, Stellung zu den Messergebnissen zu nehmen. Eine rechtliche Anordnung gibt es bislang noch nicht. Allerdings sind die Messergebnisse so hoch, dass ein Verbot von Veranstaltungen aller Voraussicht nach die Folge wäre. Denn: Im Bebauungsplan fehlt die Ausweisung als Sondernutzungszone. Die ist jedoch Voraussetzung dafür, dass Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden und die gesetzlichen Lärmpegel überschritten werden dürfen.

Der Kläger selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für die Kurverwaltung ist das Verfahren eine Katastrophe. Normalerweise werden im Herbst die Verträge mit den Künstlern für die kommende Saison unter Dach und Fach gebracht. „Wir können nichts buchen, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt Kurdirektorin Claudia Hörl. Nach dem aktuellen Stand der Dinge findet zwar der Weihnachts- beziehungsweise Wintermarkt im Dezember im Kurpark statt. Konzerte oder gar Musik wird es jedoch nicht geben. Und wie lange dieser Zustand anhält, weiß auch niemand. Derzeit suchen Kurverwaltung, Gemeinde und das Amt Klützer Winkel nach einer Lösung. Rechtlich gesehen gibt es nur einen Weg, um 2017 zumindest einige Veranstaltungen umzusetzen. Denn bis zu zehn Großveranstaltungen können laut Gesetz mittels einer Ausnahmegenehmigung in Mischgebieten wie dem Kurpark durchgeführt werden. Für die Hauptsaison, in der die Bühne jeden Tag bespielt wird, wäre das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn ansonsten gilt eine Pegelgrenze von 60 Dezibel, die nicht überschritten werden darf, sonntags sind es 55 Dezibel.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) ist fassungslos über die aktuelle Entwicklung: „Wir warten jetzt auf die Entscheidung des Gerichts und ich hoffe nicht, dass sie unsere Veranstaltungen verbieten. Wir wollen ein Planungsbüro beauftragen, um zu prüfen, unter welchen Bedingungen die Werte eingehalten werden könnten.“ Unklar ist derzeit, warum der Kurpark nicht als Sonderzone ausgewiesen ist.

Probleme, den Geräuschpegel einzuhalten, gibt es auch immer wieder beim Piraten Open Air in Grevesmühlen. Mehrfach hatten Anwohner geklagt. Jetzt hat das Theater auf das Feuerwerk verzichtet und die Lautstärke heruntergeschraubt. M. Behnk/M. Prochnow

OZ

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