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Zu wenig Physiotherapeuten in MV

Rostock Zu wenig Physiotherapeuten in MV

Es fehlen 250 Fachkräfte / Patienten müssen bis zu acht Wochen auf Termin warten

Rostock. . Die Physiotherapeuten in Mecklenburg-Vorpommern schlagen angesichts der Beschäftigungssituation in ihrer Branche Alarm. Aktuell würden im Nordosten rund 250 Fachkräfte gesucht. „Aber der Markt ist leer“, sagt René Portwich vom Vorstand des VDB-Physiotherapieverbands. Hauptgrund für die Personalprobleme sei die vergleichsweise schlechte Bezahlung. Die Vergütung pro Therapiestunde durch die Krankenkassen liege zwischen 30 und 40 Euro: „Eine Entlohnung von 80 Euro pro Therapiestunde wäre ideal.“

 

OZ-Bild

Tut auch dem Rückgrat gut. Silke Tiede in ihrer Physiotherapie-Praxis in Rostock.

Quelle: Frank Söllner

In MV arbeiten zwischen 3500 und 4000 Physiotherapeuten, es sind etwa 870 Praxen registriert. Dies sei schon heute zu wenig. „Die Wartezeit beträgt für Patienten meist zwischen vier und acht Wochen“, erklärt Portwich.

Wegen der schlechten Bezahlung würden sich rund 70 Prozent der jungen Leute nach ihrer Ausbildung in den landesweit sieben Schulen nicht in einer Praxis in MV bewerben. Viele wanderten in den Westen ab, wo sie im Schnitt monatlich 500 Euro mehr verdienten. Ein höherer Verdienst sei auch wichtig für die Physiotherapeuten, die aktuell in den Praxen arbeiten. „

Dann bräuchten sie keine Angst davor haben, in die Altersarmut zu rutschen“, sagt Portwich. Der Personalmangel drohe sich wegen des demografischen Wandels noch weiter zu verschärfen. „Wir sind ein Zuzugsgebiet für ältere Leute aus anderen Bundesländern.“

Die Rostocker Physiotherapeutin Silke Tiede stößt zunehmend an ihre Grenzen. Die Zukunft der Branche sehe nicht rosig aus, sagt sie. Durchschnittlich erhalte ein Physiotherapeut 1800 bis 2000 Euro brutto monatlich. „Es muss sich schnell etwas ändern“, fordert die selbstständige Therapeutin. Sie beschäftigt fünf Mitarbeiter, vier von ihnen sind alleinerziehend: „Wir stehen am Ende der Gehaltskette. Der Lohn reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren.“

Der VDB macht sich für Gehaltserhöhungen in Verhandlungen mit Krankenkassen und Gesundheitsministerium stark. Bislang ohne Erfolg. Neben dem Streit um eine angemessene Bezahlung stehen die Therapeuten vor einem weiteren Dilemma: Wer sich im Anschluss an die Lehre um einen Job bewirbt, soll Zertifikate über beispielsweise Manuelle Therapie und Lymphdrainage vorlegen können. Die Kurse dafür müssen oft aus eigener Tasche bezahlt werden. Rund 3000 Euro koste ein Kurs in Manueller Therapie. „Man muss den Beruf schon sehr lieben. um diese Opfer zu bringen“, sagt Silke Tiede.

Juliane Lange

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