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Der Syrer Akram A. wird beschuldigt, als IS-Kämpfer eine Frau vergewaltigt zu haben / Am Dienstag wurde er in Greifswald verhaftet

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In diesem Wohnblock im Greifswalder Ernst-Thälmann-Ring lebte der Syrer Akram A. bislang in einer Wohngemeinschaft.

Greifswald. Es ist kalt an diesem Dienstagmorgen, als in der Heinrich-Hertz-Straße im Greifswalder Stadtteil Schönwalde I eine Flotte von Fahrzeugen auffährt und stehen bleibt. Große, dunkle BMW, Audi, T 5-Busse – alle mit Schweriner Kennzeichen. „Sie parkten nicht, wie üblich, parallel zum Fußweg, sondern standen immer schräg“, schildert ein Augenzeuge (Name der OZ bekannt), der kurz darauf in die Hertz-Straße einbiegt. Er habe noch gedacht, dass so ja niemand wegfahren könne. Und dann sah er sie auf Höhe einer alten Kaufhalle: Beamte eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK).

OZ-Bild

Der Syrer Akram A. wird beschuldigt, als IS-Kämpfer eine Frau vergewaltigt zu haben / Am Dienstag wurde er in Greifswald verhaftet

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„Sie trugen schusssichere Westen und hatten alle diese schweren Helme auf“, sagt der Augenzeuge. Fünf bis sieben Beamte habe er wahrgenommen. „Weil ich nicht sonderlich schnell unterwegs war, sah ich, dass sie gerade einen südländisch aussehenden jungen Mann mit schwarzen Haaren, Bart und dunkler Kleidung abführten“, berichtet der Mittvierziger weiter.

Dass es sich offenbar um den mutmaßlichen IS-Kämpfer Akram A. handelte, erfuhr er erst später. Seit Mitte Januar lag ein Haftbefehl gegen den 31-jährigen Syrer vor, den ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe gestern in Kraft setzte. Die Bundesanwaltschaft wirft A. vor, in seiner Heimat einen Kontrollposten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) befehligt und dort eine Frau vergewaltigt zu haben. Er habe damit ein Kriegsverbrechen begangen. Das Opfer, eine Syrerin, wollte den Angaben zufolge Anfang 2016 mit ihren Kindern aus dem IS-Gebiet fliehen. Akram A. – dem auch Mitgliedschaft in der Terrororganisation vorgeworfen wird – habe sie an dem IS-Posten aufgehalten, in ein Haus gelockt und missbraucht.

An welchem Ort der Syrer jetzt in Untersuchungshaft sitzt, wollte gestern niemand mitteilen. Die Anfrage auf Hilfe im Fall Akram A. kam laut Innenminister Lorenz Caffier (CDU) aus Rheinland-Pfalz. In Greifswald lebte A. offenbar seit mehr als einem halben Jahr. Das jedenfalls sagt sein Mitbewohner, der nicht namentlich genannt werden möchte und der bislang mit A. zusammen in einer WG lebte. Weitere Angaben zu A. wolle er eigentlich nicht machen. Er sei schließlich sein Freund. Wie er jedoch schilderte, habe die Polizei am Dienstag die Wohnung betreten und ihn zu A.

befragt. Laut Zeugenaussagen geschah dies gegen 10 Uhr – gut zwei Stunden nach der Festnahme. Sechs Polizisten hätten das Haus betreten, erzählt der Hausmeister. Er habe den Beamten die Tür aufgemacht.

Akram A. war da längst auf dem Weg nach Karlsruhe. Nach der Festnahme wurde er laut OZ-Informationen von Polizeibeamten zum Flughafen Heringsdorf auf der Insel Usedom gebracht und von dort nach Baden geflogen.

Akram A., so schildert es sein Mitbewohner, habe öfters die Moschee in der Greifswalder Makarenkostraße besucht. Der Imam habe A. aber nicht gut gekannt. Gegen 12.30 Uhr wurde gestern in dieser Moschee gebetet. Im kleinen Gebetsraum waren nur vier Menschen. Ein junger Mann vertrat den Imam, der nicht da war. Akram A. kenne er nicht, sagte der Stellvertreter. Aber die Moschee sei ein Ort, an den jeder Muslim kommen könne, egal, ob Sunnit, Schiit oder Vertreter einer anderen Richtung. „Wir beten hier alle gemeinsam zu Allah“ – in Arabisch und Deutsch.

Ein Syrer – auch er mochte seinen Namen nicht nennen – hat eine andere Wahrnehmung. Als er nach Greifswald gekommen sei, habe er sich gefreut, dass es hier eine Moschee und eine muslimische Gemeinde gibt. Nachdem er die Moschee zum Freitagsgebet aufgesucht hätte, habe er jedoch festgestellt, dass viele Menschen dort ihm ihre Vorstellungen vom Glauben aufzwingen wollen. Nach einigen Wochen habe er sich nicht mehr wohlgefühlt und sei nicht mehr hingegangen. „Hier habe ich einen Glauben vorgefunden, vor dem ich aus Syrien geflüchtet bin.“

Weitere Festnahme bei Köln

Die Bundesanwaltschaft hat auch im Großraum Köln einen 19 Jahre alten Syrien-Rückkehrer festnehmen lassen. Der Mann, der russischer Staatsangehöriger ist, soll sich zwischen Spätsommer und Ende November 2014 in dem Bürgerkriegsland der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen haben.

Dort habe er sich militärisch ausbilden lassen, teilte die Karlsruher Behörde gestern mit. Der Mann wurde den Angaben zufolge bereits am Dienstag festgenommen und inzwischen dem Haftrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Er befindet sich jetzt – ebenso wie Akram A. aus der Hansestadt Greifswald – in Untersuchungshaft.

Cornelia Meerkatz und Alexander Salenko

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