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Zwei Jahre im Usedomer Wald gelebt

Zempin Zwei Jahre im Usedomer Wald gelebt

Der Campingplatz von Zempin (Usedom) ist nur einen Steinwurf entfernt, und doch haben sie ihr Zelt mitten im Wald aufgeschlagen.

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In diesem Zelt lebt das Aussteigerpaar im Wald.

Quelle: Henrik Nitzsche

Zempin. Der Campingplatz von Zempin (Usedom) ist nur einen Steinwurf entfernt, und doch haben sie ihr Zelt mitten im Wald aufgeschlagen. Ruth Diethard (50) aus Österreich und ihr deutscher Mann Wolfgang Fink (46) haben keine Lust auf Menschen — beide sind Aussteiger, ohne festen Wohnsitz. Seit gut zwei Jahren lebt das Paar mit seiner gesamten Habe im Zelt.

Derzeit haben sie es es in einer Senke im Wald zwischen Zempin und Zinnowitz aufgeschlagen. Revierförster Günter Thoms hatte im Frühjahr 2013 die erste Begegnung mit ihnen. „Damals habe ich einen Platzverweis ausgesprochen“, sagt Thoms. Das Landeswaldgesetz verbiete illegales Zelten im Wald. Im Dezember 2013 wurde das Paar von Spaziergängern erneut entdeckt. Die Forstverwaltung rückte mit Ordnungsamt und Polizei an und wollte sie erneut vertreiben.

Nun steht Thoms wieder vor dem Paar, dem der Abstand von der Zivilisation anzusehen ist: Er trägt eine viel zu kurze schwarze Jogginghose, ihre Hose ist kaputt, der Pullover schmutzig. Zum Schutz gegen die Kälte hat sie Folie über ihre Strümpfe gezogen. Zwei Winter im Zelt auf Usedom haben sie schon ausgehalten — ohne Toilette, ohne Dusche. „Wir nutzen die öffentlichen Anlagen im Ort“, sagt Ruth. „Wir machen das nicht freiwillig. Wir sind normal, nur viele unserer Mitmenschen nicht“, sagt sie und erzählt von einer fünfjährigen Odyssee durch Kanada und Österreich, der Rückkehr nach Deutschland und dem letzten Wohnsitz in Meißen.

Wolfgang ist von Beruf Programmierer. Seine eigene Firma sei pleite gegangen. Danach fand er keinen Job mehr. „Wir haben von unseren Ersparnissen gelebt. Die sind aufgebraucht. Jetzt holen wir uns Geld vom Amt in Koserow.“ „Wir sind sehr sparsam und leben gesund“, fügt Ruth hinzu.

Doch mit dem Leben in der Usedomer Wildnis könnte es bald vorbei sein: Forstamtsleiter Norbert Sündermann droht. „Wir werden eine empfindliche Ordnungsstrafe aussprechen und den Bescheid persönlich vorbeibringen.“ Denn die beiden besitzen keinen Briefkasten und auch kein Handy. Und Geld zum Begleichen der Strafe werden sie wohl auch nicht aufbringen können. Henrik Nitzsche

 



OZ

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