Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Zwei Stunden bis zur Schule: Wege zu lang für Tausende Kinder

Schwerin Zwei Stunden bis zur Schule: Wege zu lang für Tausende Kinder

Studien: Große Unzufriedenheit im Land / Grüne fordern Korrektur der Politik

Schwerin. Wissenschaftler schlagen Alarm: Zu wenige Schulen, viel zu lange Wege — das ist die Botschaft von Dr. André Zornow und Dr. Torsten Wierschin von der Universität Greifswald. Tausende Kinder im Land müssten deutlich weitere Wege zur Schule zurücklegen als von der Politik vorgegeben. Dies führe zu Überlastung, Unzufriedenheit und auch schlechteren Leistungen.

 

OZ-Bild

Viele Schüler sind täglich mehr als zwei Stunden unterwegs. Die Belastung ist enorm. Politik muss handeln.“Ulrike Berger, Grüne

Quelle:

Im Auftrag der Grünen-Landtagsfraktionen haben Zornow und Wierschin zwei Studien erarbeitet. Die Ergebnisse seien erschreckend, sagt Abgeordnete Ulrike Berger.

119 Minuten müssten Grundschüler etwa von Borrin nach Sassnitz auf Rügen für den Weg zur zuständigen Schule zurücklegen. Einmal morgens, einmal abends. Ein Superlativ, der schocke.

Wierschin hat Schulwege von 645 Dörfern in Vorpommern-Rügen untersucht. Ergebnis: Jeder fünfte Schüler brauche länger mit dem öffentlichen Nahverkehr bis zur Grundschule als 40 Minuten, wie es landesweit als zumutbar gilt. „Das ist mit anderen Landkreisen vergleichbar“, so Wierschin. Er analysierte Bus-Fahrpläne, sprach mit Schulen, Ämtern, Firmen.

Weitere Beispiele belegen: Der Grundsatz „kurze Wege für kurze Beine“ werde vielerorts nicht eingehalten. Jungen oder Mädchen aus Kanneberg müssten einen Schulweg von 65 Minuten zurücklegen, obwohl die Schule in Bad Sülze nur zehn Kilometer entfernt ist. In Anklam stehe ein Schüler wegen des Busverkehrs bereits um 6.30 Uhr vor der Schule, die wiederum um 7.10 Uhr sehr früh beginnt.

Große Unzufriedenheit bei Schülern, Eltern und Lehrern fand Zornow an fünf untersuchten Gymnasien vor. Gründe: Jeder zweite Schüler müsse morgens vor 6 Uhr aufstehen, um rechtzeitig zur Schule zu kommen, ebenfalls jeder Zweite empfinde die Gesamtbelastung von Unterricht plus Wegstrecke als „hoch“ oder „sehr hoch“. 50- oder 60-Wochenstunden seien keine Seltenheit. 39 Prozent der Eltern seien mit der Schülerbeförderung unzufrieden. Zwei von drei Lehrern seien sicher: Lange Schulwege verschlechtern die Konzentrationsfähigkeit der Schüler. Insgesamt gebe es zu wenige Schulen. Das Nachbarland Schleswig-Holstein habe in der Fläche „doppelt so viele Gymnasial- und fast dreimal mehr Grundschulstandorte“.

„Politik muss dringend handeln“, fordert Ulrike Berger. Erste Schritte könnten sein: Jeder Schüler sollte nicht zur örtlich zuständigen, sondern zur nächstliegenden Schule dürfen. Für Grundschulen sollten in der Fläche wieder Zweigstellen, an mehr weiterführenden Schulen gymnasiale Oberstufen eröffnet werden. Denn es sei zu befürchten, dass Eltern ihre Kinder eben wegen langer Wege nicht aufs Gymnasium schicken, wie es sich auf Rügen bereits andeute.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sieht bei Mängeln im Schülertransport die Landkreise in der Pflicht. Den Vergleich mit Schleswig-Holstein weist er zurück: „Denn wir haben dramatisch weniger Einwohner und Kinder.“ Die Wahlfreiheit bei Grundschulen habe er selbst vorgeschlagen. „Aber auch Frau Berger hat sie abgelehnt“, so Brodkorb.

Von Frank Pubantz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.