Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° Sprühregen

Navigation:
Zwischen Neiddebatte und Zustimmung

Zwischen Neiddebatte und Zustimmung

Leser akzeptieren hohe Regierungs-Gehälter, wenn sich Minister für gerechte Bezahlung aller einsetzen

Schwerin. Millionen Euro kassiert das Regierungsteam von Ministerpräsident Erwin Sellering (67, SPD) pro Jahr. Allein Sellering bekommt gut 200 000 Euro brutto pro Jahr. Im Monat kommt er inklusive aller Zuschläge auf rund 17700 Euro. Das ist etwa der Monatsverdienst von 15 Friseurinnen, zehn Arzthelferinnen bzw. sieben Busfahrern. Oder von drei Lehrern, die bis zu 5183 Euro brutto monatlich verdienen können, heißt es im OZ-Bericht zu den Ministereinkommen.

Unser Leser Manuel Zahn meldet sich dazu auf der Facebook-Seite der OSTSEE-ZEITUNG: Laut OZ verdiene ein Lehrer in MV fast 6000 Euro? „Warum haben wir dann einen Mangel an Lehrern?“

Eine solche Summe ist bei weitem nicht der Regelfall. Das höchstmögliche Gehalt eines Lehrers beträgt zurzeit in Mecklenburg-Vorpommern laut Bildungsministerium und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für angestellte Lehrer an Gymnasien (Entgeltgruppe 14, letzte Erfahrungsstufe) monatlich brutto 5409 Euro als Grundgehalt. Verbeamtete Lehrkräfte an Gymnasien sowie an beruflichen Schulen können in der Besoldungsgruppe A 14 bis zu 5183 Euro brutto im Monat verdienen. Zum Vergleich: Lehrkräfte an Grundschulen – diese werden nur noch verbeamtet eingestellt – verdienen als Berufsanfänger (Besoldungsgruppe A 12) monatlich 3080 Euro brutto.

Die Gehälter von Ministerpräsident Erwin Sellering und seiner Minister stoßen auf großes Interesse bei den OZ-Lesern. Monika Hagenstein schreibt: „Notwendig, sagt Holznagel und Lorenz Caffier hält die ,Chef-Gehälter’ für angemessen. Dabei bezieht sich Letzterer auf den Landtag, der diese Regelung beschlossen hat. Wer aber ist der Landtag? Klar, keiner dieser Volksvertreter würde zugeben, dass es nicht ausschließlich die Verantwortung, sondern vielfach die ,Geld macht Geil’-Mentalität ist, die zu unverschämten Gehältern führt. ,Leistung und Verantwortung’ ist ein stetiges Argument und soll auch bezahlt werden.“ Mathias Witte meint: „Das Gehalt unseres Ministerpräsidenten und seiner Ministerriege, bei allem Respekt vor Friseurinnen und Busfahrern, mit diesen Berufsgruppen zu vergleichen, bringt sicherlich viele Punkte am Stammtisch. Es bedient simple Neidreflexe und ist gerade deshalb völlig fehl am Platze. Eine Debatte über eine Reform der Altersversorgung von Parlamentariern wäre wohl eher berechtigt.“

Für Ronny Herbst ist klar, dass man dagegen nichts machen kann. Ihn ärgert vor allem zweierlei: „Wenn ich auf meine Lohnabrechnung schaue und die massiven Abzüge sehe. Und die Altersarmut, die mich erwartet trotz harter Arbeit.“ Davor seien Politiker geschützt, ganz gleich welche Ergebnisse sie in ihrer Amtszeit liefern. Und das sei ungerecht. Susanne Deiber ist erstaunt darüber, wie viele Leser die hohen Gehälter der Regierung verteidigen und Kritik daran als Neid abtun. Erarbeiten müssten es die Steuerzahler. „Von mir aus soll die Regierung so viel verdienen wie sie will – wenn sie denn dafür Sorge trägt, dass jede Arbeit angemessen bezahlt wird. Das ist nicht der Fall. Was wäre wohl, wenn Arbeitnehmer, zum Beispiel Altenpfleger, wie Politiker ihr Gehalt selbst festlegen?“ Anne Schärfchen sieht das ähnlich: „Ich bin angehende Kranken- und Altenpflegehelferin, darf meine Ausbildung von meinem wenigen Bafög bezahlen und ein Kind ernähren (alleine). Wie in vielen anderen Jobs haben wir auch eine hohe Verantwortung. Warum wird dies nicht angemessen bezahlt?“ Kl Rothemann

betont: Ganz krass werde es, „wenn man später die Rente der Friseurin mit der Sellering-Pension vergleicht“.

Dagegen meint Peter Rüdiger Krause : „Jetzt geht diese Neiddebatte wieder los! Ich empfinde die Vergütung als angemessen.“ Das sei bei diesem verantwortungsvollen Job weniger als mancher Anwalt verdient. Jürgen Seemann findet das Einkommen des Ministerpräsidenten „voll in Ordnung“. Nicht in Ordnung sei im Verhältnis dazu die Besoldung eines ungelernten Newcomer-Staatssekretärs.

Bernhard Schmidtbauer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Schwierige Zeiten am Theater Vorpommern: Nächste Schritte der Reform in der Schwebe

Unsicherheit unter den Mitarbeitern wächst / Reformprozess geht nur schleppend voran

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.