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Fernsehen „Die verschwundene Familie“: Das war Schauspieler Heino Ferch beim ZDF-Krimi wichtig
Nachrichten Medien Fernsehen „Die verschwundene Familie“: Das war Schauspieler Heino Ferch beim ZDF-Krimi wichtig
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18:45 08.01.2019
Christensen (Barbara Auer), Kessler (Heino Ferch) Kessler (Heino Ferch, r.) glaubt, dass Tom (Timo Hack, l.), der seine Familie verloren hat, mehr weiß, als er preisgibt. Doch er schließt den Jungen ins Herz. Quelle: ZDF und Gordon Timpen
Kellenhusen/Lütjenburg

Im Krimi „Die verschwundene Familie“ überzeugt Schauspieler Heino Ferch als kühler und analytischer Ermittler. Am Dienstag den 8. Januar zeigt das ZDF den zweiten Teil ab 20.15 Uhr. Im Interview sprach der Schauspieler vorab über sein Verhältnis zu Regisseur Thomas Berger, die Entwicklung seiner Figur und über Norddeutschland als Drehort für Krimis.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von "Tod eines Mädchens" im Jahr 2015?

Ich glaube, der Erfolg der Geschichte liegt in der sehr persönlichen Erzählweise. Der Zuschauer kann sich damit identifizieren. Wir erzählen in einem sehr kleinen Ort, einer Community, in der jeder jeden kennt. Die Biographien der Menschen sind zwangsläufig miteinander verwoben. Das erzeugt Druck, macht sie abhängig voneinander, angreifbar und bestechlich. Man begegnet einander mit zunehmender Skepsis, Verdächtigungen stehen im Raum, und das erzeugt große Spannung. Das Ganze ist sehr nah am realen Leben. Wir wissen ja letztlich alle nicht, ob um die nächste Ecke vielleicht jemand mit dem Messer in der Hand auf uns wartet. Das ist das Prinzip. Außerdem ist die Kulisse sehr schön. Das zusammen bietet einen Schauwert, denke ich.

Was war Ihnen besonders wichtig beim Zweiteiler "Die verschwundene Familie"?

Mir war wichtig, eine neue Ebene mit neuen Konflikten zwischen den Hauptfiguren Christensen und Kessler zu zeigen. Der Autor Thomas Berger hat das toll gelöst: Für Kommissarin Christensen sind die Umstände des Verbrechens existentiell, ihr Privatleben steht völlig blank vor Kollege Kessler. Das ist eine andere Ebene als im ersten Zweiteiler. Hella Christensen ist die professionelle Kommissarin im Dorf, aber als Ehefrau auf der privaten Ebene verletzbar wie jeder Mensch. Sie so "angeschossen" zu sehen, geht ins Mark.

Was macht es mit einem als Schauspieler, wenn die Grundlage für das Drehbuch eine wahre Begebenheit ist?

Das ist dann eine ganz andere Arbeit für mich, manchmal kann ich mich sogar mit den Beteiligten der realen Begebenheiten treffen. Simon Kessler ist jedoch eine fiktive Figur. Nur der Fall wurde von Thomas Berger aus der Vergangenheit ins Buch rübergeholt. Das sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe.

Bespricht Thomas Berger sich mit Ihnen?

Er hat mein vollstes Vertrauen, wir haben ja schon sehr viele Filme zusammen gemacht. Ich hatte das Treatment gelesen, und ich bin interessierter Zuhörer. Thomas fragt nicht "Was willst du haben?", sondern er erzählt zwischendurch, was er mit den realen Begebenheiten im Drehbuch macht.

Hat sich die Figur Kessler im neuen Zweiteiler weiterentwickelt?

Für Simon Kessler wird es persönlicher, er kennt die Menschen noch aus der extremen Situation, als er erstmals in das Dorf beordert wurde. Die Ausgangsbasis bei diesem Zweiteiler ist also anders, denn er ist vorbelastet. Es wird für ihn schwieriger, professionelle Distanz zu bewahren.

Sie leben in Süddeutschland, kommen aber aus dem Norden. Wie finden Sie Norddeutschland als Drehort für Krimis?

Jede Region hat ihre Eigenheiten. Ich glaube, dass wir bei diesem Format mit der Bildsprache an die Sprödigkeit der skandinavischen Krimis andocken. Wer das mag, ist bei uns richtig.

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RND/Claudia Maxelon