Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Altenas Bürgermeister hat Mitleid mit dem Täter
Nachrichten Panorama Altenas Bürgermeister hat Mitleid mit dem Täter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:32 29.11.2017
Hollstein war am Montagabend in einem Imbiss in der sauerländischen Stadt mit einem Messer attackiert und am Hals verletzt worden. Quelle: Oliver Berg
Altena

Der mit einem Messer attackierte Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, hat nach eigenen Worten Mitleid mit dem Täter. „Er hat sein Leben verpfuscht“, sagte Hollstein der Onlineausgabe der „Passauer Neuen Presse“.

Die wirklichen Täter seien „die Brunnenvergifter, die man auch aus den sozialen Netzwerken kennt. Es gibt eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft.“ Dennoch betonte der CDU-Politiker: „Ich mache weiter.“

Hollstein war am Montagabend in einem Imbiss in der sauerländischen Stadt mit einem Messer attackiert und leicht am Hals verletzt worden. Der Angriff hat laut Staatsanwaltschaft ein fremdenfeindliches Motiv. Hollstein ist für sein Engagement für Flüchtlinge bekannt. Gegen einen 56 Jahre alten Mann wurde am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen.

Hollstein forderte ein rigoroseres Vorgehen gegen solche Täter. „Der Staat muss wehrhafter sein“, sagte er der Zeitung. „Wir sind nicht rechtzeitig eingeschritten und haben in dieser liberalen Gesellschaft nicht früher Grenzen gezogen. Wer hetzt, gafft, Rettungskräfte angreift, muss mit saftigen Strafen rechnen. Wenn man Politiker anpöbelt und bedroht, ist das kein Kavaliersdelikt.“

Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen von einer spontanen Tat des arbeitslosen Maurers aus. Er sei angetrunken gewesen und habe erst in dem Döner-Grill bemerkt, dass der andere Kunde der Bürgermeister war. Hinweise, dass der Angreifer Verbindungen in die organisierte rechte Szene gehabt habe, seien bislang nicht gefunden worden, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli am Dienstag in Hagen. Der 56-Jährige soll nun vernommen und psychiatrisch begutachtet werden.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Tötungsabsicht aus niedrigen Beweggründen aus. Hintergrund könne neben einer politischen Motivation auch der Umstand sein, dass man ihm das Wasser abgestellt habe, da das Haus, in dem er wohne, zwangsversteigert werden solle, sagte Pauli.

Politiker sind in den vergangenen Jahren in Deutschland wiederholt Opfer von Attentätern geworden. Die erneute Gewaltattacke löste Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich „entsetzt über den Messerangriff“. Mit einer Lichterkette bekundeten Bürger in Altena am Dienstagabend Solidarität mit dem Bürgermeister.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte die Einführung eines Straftatbestandes „Politiker-Stalking“. „Der geltende Stalking-Paragraf 238 Strafgesetzbuch sollte um einen neuen Straftatbestand des "Politiker-Stalkings" ergänzt werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwoch). Andernfalls würden Führungspositionen in Politik und Verwaltung immer unattraktiver. „Hasskriminalität bedroht die staatlichen Ämter“, so Landsberg.

dpa

Mehr zum Thema

Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena im Märkischen Kreis, Andreas Hollstein, ist mit einem Messer angegriffen worden.

28.11.2017

Er wollte nach einer Sitzung im Rathaus schnell noch Döner für sich und seine kranke Frau holen. Plötzlich wurde Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein mit einem Messer attackiert. Der Angriff war wohl spontan und nicht geplant.

28.11.2017

Der mit einem Messer angegriffene Bürgermeister der sauerländischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, ist vor der Attacke vom Täter beschimpft worden.

28.11.2017

Er wollte nach einer Sitzung im Rathaus schnell noch Döner für sich und seine kranke Frau holen. Plötzlich wurde Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein mit einem Messer attackiert. Der Angriff war wohl spontan und nicht geplant.

28.11.2017

Eine Messerattacke in der Kleinstadt Altena entsetzt das Land. Das Opfer: Der Bürgermeister, der für eine liberale Flüchtlingspolitik steht. Bleich, aber gefasst, mahnt er wenige Stunden nach dem Attentat: Gewalt ist ein Irrweg. Er will seinen Kurs fortsetzen.

28.11.2017

Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck soll für 14 Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Detmold sieht es laut einem Urteil von Dienstag als erwiesen an, dass die 89-Jährige sich der Volksverhetzung schuldig gemacht hat.

28.11.2017