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Panorama „Wir Menschen machen uns immer breiter “
Nachrichten Panorama „Wir Menschen machen uns immer breiter “
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12:40 25.04.2018
Pestizide befördern das Bienensterben. Quelle: Schulz
Celle

Völker verschwinden, Nahrungsketten werden unterbrochen. Das Bienensterben in Europa alarmiert Experten und Politik. Um dem Trend entgegenzuwirken, will die EU-Kommission den Einsatz von Neonicotinoiden im Freiland verbieten. Am Freitag stimmt der zuständige EU-Ausschuss darüber ab. Werner von der Ohe vom Laves Institut für Bienenkunde in Celle hält ein Verbot für richtig. Im Interview erklärt der Bienenexperte, warum das dennoch nicht ausreicht.

Herr von der Ohe, in den letzten Monaten hört man häufig, das Bienensterben schreite rasant voran. Welche Rolle spielen dabei die Neonicotinoiden?

Ich frage mal provokant zurück: Welches Bienensterben meinen Sie? Wir müssen einen klaren Unterschied zwischen Honigbienen und Wildbienen machen. Die Honigbiene liegt in menschlicher Obhut. Da es in den vergangenen acht Jahren einen Anstieg von etwa fünf Prozent mehr Imkern pro Jahr gab, gibt es sogar mehr Honigbienenvölker als vorher. Wenn wir vom Bienensterben reden, meinen wir die Wildbiene. Von diesen sind etwa 60 Prozent gefährdet. Der Einsatz von Insektengiften, unter anderem von Neonicotinoiden, ist dabei ein Faktor.

Mehr nicht?

Es geht um mehr als den Einsatz von Insektengift. Klar hat dieser Auswirkungen. Wir Menschen machen uns immer breiter und nehmen dabei anderen Individuen den Raum weg. Das ist gar nicht böse gemeint. Doch die Versiegelung von Flächen, das Vernichten von Kräutern, die für uns im ersten Moment nicht wichtig erscheinen, führt dazu, dass frei fliegende Wildbienen nicht mehr nisten können und die Nahrungsgrundlage entzogen wird.

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Das Verbot von Neonicotinoiden würde also nichts bringen?

Doch, aber es wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es geht um ein Umdenken in der Landwirtschaft und auch im täglichen Leben. Wenn zwischen den Fugen von Pflastersteinen ein Löwenzahn wächst, muss der doch nicht gleich mit einem Pflanzenschutzmittel getötet werden. Das Zupflastern von Grünflächen auf dem Land, weil man vor einem Supermarkt einen großen Parkplatz erstellen muss, ist ein weiteres praktisches Beispiel.

Was ist schlimm daran, wenn es weniger Wildbienen und dafür mehr Honigbienen gibt?

Ohne Zweifel ist die Honigbiene wichtig. Sie bestäubt vor allem Kulturpflanzen, also vom Menschen zielgerichtet angebaute Pflanzen. Wir brauchen aber nicht nur die Bestäubung von Obstplantagen, andere Kulturen oder Wildpflanzen wie Löwenzahn. Für die Bestäubung zahlreicher Wildpflanzen sorgen die 500 verschiedenen Wildbienenarten. Einige von denen sind spezialisiert auf eine Pflanzenart wie zum Beispiel auf die Zaunrübe oder bestimmte Glockenblumen.

Wofür brauchen wir diese Pflanzen?

Die sind auch für uns wichtig, weil sie zu unserer Natur dazugehören. Wir sollten uns eine grundsätzliche Frage stellen, die weniger den Menschen als die Natur ins Zentrum stellt: Wollen wir eine Natur haben, in der alle Arten ihren Platz haben oder wollen wir eine Natur, in der der Mensch bestimmt, wer zu leben und wer nicht zu leben hat?

Sind Sie optimistisch?

Das bin ich, weil ich in den vergangenen Wochen gemerkt habe, dass verantwortliche Personen vom einseitigen Fokus auf eine Gefahrenquelle, den Pflanzen- und Insektenschutzmitteln, abkommen und den Fächer öffnen. Sie kommen zu der Erkenntnis, dass mehr getan werden muss. Wir müssen den Wildbienen wieder Lebensraum zurückgeben. Das bedeutet nicht zwingend, Naturschutzgebiete zu schaffen. Man kann ja in den Bereichen, in denen der Mensch aktiv ist, ohne weiteres so gestalten, dass Wildbienen trotzdem noch eine Chance haben. Und diese Maßnahmen helfen auch den Honigbienen. Dafür muss auch ein Bewusstsein in der Bevölkerung, vor allem bei den Kindern geschaffen werden. Ein Bewusstsein dafür, dass es sich lohnt, in einer vielschichtigen Natur zu leben.

Werner von der Ohe leitet das Laves Institut für Bienenkunde in Celle. Quelle: privat/HAZ

Von Jean-Marie Magro

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