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Panorama Brasiliens Ex-Präsident Lula soll zwölf Jahre ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Brasiliens Ex-Präsident Lula soll zwölf Jahre ins Gefängnis
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15:24 23.02.2018
Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva grüßt seine Anhänger nach seiner Aussage im Korruptionsprozess, neben ihm Gleisi Hoffmann, Vorsitzende der linken Arbeiterpartei (PT).  Quelle: Denis Ferreira
Porto Alegre

Der langjährige Präsident Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva (72), soll wegen Korruption und Geldwäsche für zwölf Jahre und einen Monat ins Gefängnis.

Das entschied ein Berufungsgericht Porto Alegre und erhöhte damit sogar noch die Strafe der ersten Instanz. Damit könnte Lula wohl auch nicht wie geplant im Oktober erneut für das Präsidentenamt kandidieren.

Die Entscheidung fiel mit 3:0 Stimmen einstimmig. In erster Instanz war Lula im Juli zu neuneinhalb Jahren verurteilt worden. Er bleibt vorerst noch auf freien Fuß und könnte versuchen, am Obersten Gerichtshof eine Revision zu erwirken. Aber nach zwei klaren und harten Urteilen wird ein Vermeiden der Haftstrafe unwahrscheinlich.

Lula spricht von einem politischen Prozess. Er hatte das Land von 2003 bis 2010 regiert. In Umfragen für die kommende Wahl führt er. Ihm wird vor allem zu Last gelegt, dass ein Baukonzern, der von öffentlichen Auftragsvergaben profitierte, ein Penthouse am Atlantik für Lula teuer herrichten ließ. Er bestreitet, dass die Immobilie für ihn bestimmt gewesen sei. Er verhedderte sich aber immer wieder in Widersprüche oder versuchte, Verantwortung auf seine verstorbene Frau abzuschieben. Lula hat unabhängig von dem Urteil bisher für die nächsten Tage eine Äthiopien-Reise geplant.

Während seiner Zeit als Präsident des fünftgrößten Landes der Welt von 2003 bis 2010 wuchs die Wirtschaft kräftig - auch dank sprudelnder Öleinnahmen. Mehr als 30 Millionen Menschen seien aus der Armut geholt worden, betont er. „Nur eine Sache holt mich von den Straßen dieses Landes: Das kann nur der Tag sein, an dem ich sterbe“, hatte der 72-Jährige vor der Berufungsverhandlung, der er dann selbst aber nicht beiwohnte, zu tausenden Anhängern in Porto Alegre gesagt.

Das Gerichtsgebäude wurde heremetisch abgeriegelt, während drinnen die drei Richter stundenlang den Fall erörterten. „Eine Wahl ohne Lula ist ein Betrug“, skandierten die Anhänger. Die Chefin der linken Arbeiterpartei (PT), Gleisi Hoffmann, hatte sogar mit möglichen Todesopfern gedroht. „Wenn sie Lula festnehmen wollen (...), werden sie Leute töten müssen.“ In Rio de Janeiro demonstrierten dagegen die Gegner. An der Copacabana wurde skandiert: „Lula ins Gefängnis“.

Ex-Präsidentin Dilma Rousseff fürchtet einen „neuen Staatsstreich“. „Ich glaube, der Putsch, der in Brasilien 2016 geschehen ist, ist kein isolierter Akt. Das ist ein Prozess. Und das Impeachment (Amtsenthebungsverfahren) gegen mich war der Eröffnungsakt“, sagte sie der Zeitung „El País“. Rousseff, Nachfolgerin und Parteifreundin Lulas, war 2016 in einem umstrittenen Verfahren wegen angeblicher Haushaltstricksereien des Amtes enthoben worden - damit endete die mit Lula begonnene Regierungszeit der linken PT. Der konservative Michel Temer übernahm und leitete einen Politikwechsel ein.

Der Fall ist der vorläufige Höhepunkt in dem das Land seit fast vier Jahren erschütternden „Lava-Jato“-Korruptionsskandal um jahrelange Schmiergelder bei öffentlichen Auftragsvergaben. Dutzende Manager und Politiker sitzen bereits hinter Gittern. Der fast alle Parteien erfassende Korruptionsskandal hat das Vertrauen in die politische Elite stark sinken lassen. Daher könnte ein Außenseiter Präsident werden: Der rechtskonservative Jair Bolsonaro liegt auf Platz zwei.

Er verherrlicht die Militärdiktatur und inszeniert sich als Donald Trump Brasiliens, der den Korruptionssumpf austrocknen will. „Ich bin eine Person, die komplett außerhalb des Establishments steht“, betont Bolsonaro. Trotz der Krise gewinnen Investoren wieder Vertrauen, die Arbeitslosenzahl sinkt und der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt in Brasilien für 2018 auf 1,9 Prozent und für 2019 auf 2,1 Prozent hochgesetzt.

dpa

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