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Cindy aus Marzahn ist zu politisch für ihre Rolle geworden

Berlin Cindy aus Marzahn ist zu politisch für ihre Rolle geworden

Statements für Flüchtlinge und für arme Kinder haben nicht zur Rolle der pinken Prinzessin gepasst: Ilka Bessin nimmt ihre Figur Cindy aus Marzahn von der Bühne. Auch weil sich die Grenzen zwischen den Beiden immer mehr verwischten.

Berlin. Komikerin Ilka Bessin hat ihre Kunstfigur, die moppelige, pink gekleidete Cindy aus Marzahn, zu politisch für ihre Rolle werden lassen - und ihr auch deshalb Lebewohl gesagt. „Wenn Cindy sich politisch geäußert hat, kam das nicht immer gut an“, sagte Bessin (44) dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Cindy sei einfach gestrickt und wolle gern eine Prinzessin sein. „So ist sie. Und so soll sie bleiben.“ Ihren letzten Auftritt als schwergewichtige Langzeitarbeitslose hat Bessin schon Anfang Juni gehabt. Ihr Management bestätigte die Entscheidung.

Die Besucher der Shows wollten Comedy sehen und kein Kabarett, sagte Bessin. Als Beispiel nannte die 44-Jährige: „Als ich bei einem Auftritt in Potsdam sagte, dass gerade wir Ossis mit unserer Geschichte besonders freundlich sein sollten zu Flüchtlingen, hat ein Einziger im Saal geklatscht.“ In der letzten Zeit habe sie die Grenzen zwischen sich selbst und ihrer Figur immer mehr verschwimmen lassen, begründete Bessin das Ende. „Ich habe als Cindy zuletzt oft Dinge gesagt, die ich als Ilka gedacht habe. Cindy ist immer näher an Ilka herangerückt.“ In einer Talkshow habe sie sich zum Beispiel für Schulessen und Zähne für Kinder stark gemacht - im pinkfarbenen Jogginganzug.

„Man darf so eine Figur nicht totspielen“, meinte Bessin. „Wenn man sich elf Jahre lang Abend für Abend eine Perücke aufsetzt und einen pinkfarbenen Jogginganzug anzieht, muss man aufpassen, dass die Leute nicht irgendwann sagen: Boah, ich kann den Scheiß nicht mehr sehen. So weit soll es nicht kommen.“

In den vergangenen elf Jahren habe sie viel erreicht, aber auch Prügel einstecken müssen, von Kritikern wie von Kollegen, sagte Bessin dem „Spiegel“. Im Internet sei sie derb beschimpft worden - da „sitzt du auch mal nur zu Hause und flennst“. Dennoch habe sie Cindy aus Marzahn nicht als Last empfunden, sondern als „beste Freundin“.

Auch Cindy aus Marzahn selbst äußerte sich zum Abschied noch mal - ganz unpolitisch. „Ja, ich werde meine Krone und den Jogginganzug an den Haken hängen und gehen“, schrieb sie am Freitag im Berliner Duktus auf Facebook. „Ick bin jetzt seit 10 Jahren unterwegs und ick merke, dass ick in der Zeit ein paar Sachen vernachlässigt habe, um die ick mich mal kümmern muss ... Wäsche waschen, der Garten, Enrico, meine Wohnung muss och jemalert werden, etc.“

Bessin wolle künftig gemeinsam mit einer Schneiderin Kleidung für Übergewichtige entwerfen, so „Der Spiegel“. Geplant sei auch ein Film über ihr Leben vor Cindy aus Marzahn - den hatte Regisseur und Schauspieler Matthias Schweighöfer (35) im vergangenen Jahr angekündigt. „Beginnen wird er mit der neunjährigen Ilka, einem dicken Kind mit Brille und einem Augenpflaster, manchmal großschnäuzig, manchmal einsam.“ Im Herbst sollen die Dreharbeiten beginnen. Ob sie nach dem Abschied irgendwann unter ihrem eigenen Namen auf die Bühne zurückkehren werde, weiß Bessin noch nicht.

Und was meint die Dame im pinkfarbenen Jogginganzug dazu? Es falle ihr nicht leicht zu gehen - aber sie wisse, „dass wir uns irgendwann mal wiedersehen“. Cindy schließt mit den Worten: „Das Leben ist schön - von einfach war nie die Rede. Allet Liebe, Eure Prinzessin.“

dpa

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