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Panorama „Costa“-Prozess:Schettino nutzt seine Bühne für einen Deal
Nachrichten Panorama „Costa“-Prozess:Schettino nutzt seine Bühne für einen Deal
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00:00 18.07.2013
Schettinos Ex-Geliebte Domnica Cemortan (26) tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.
Grosseto

„Comandante, comandante“ — selbst in der Rolle des Angeklagten wird Francesco Schettino weiter respektvoll als Kapitän gegrüßt. Während sich der entlassene Unglückskapitän der havarierten „Costa Concordia“ in einer Prozesspause an der Bar ein Croissant mit Creme-Füllung gönnt, schüttelt er die Hände mehrerer Beobachter. Der 52-Jährige trat gestern zum endgültigen Start seines Verfahrens im toskanischen Grosseto gelassen und selbstbewusst auf — dabei ist die Liste der Vorwürfe gegen Schettino lang: Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes muss sich der Italiener nun vor Gericht verantworten. Ihm drohen mehrere Jahre Haft. Aus Sicht der Anklage steuerte er das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ im Januar 2012 aus Leichtsinn zu nahe an die Insel Giglio heran — 32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter zwölf Deutsche.

Beim Prozessbeginn vor einer Woche war Schettino noch mit einem verbeulten Alfa Romeo 156 bis zur Rückseite des Theaters, das nun als Gerichtssaal funktioniert, gefahren. Nun bahnte er sich zu Fuß den Weg an einem guten Dutzend TV-Kameras vorbei und nahm kommentarlos den Eingang für die Presse. Seinen blauen Blazer hatte er diesmal gegen einen dunklen Anzug getauscht, statt mit einem weit geöffneten Hemd präsentierte er sich seriös mit Krawatte.

Anwälte wollen handeln

Die Verantwortung des Kapitäns für die Katastrophe ist umstritten: Während ihn die Öffentlichkeit als „Kapitän Feigling“ darstellt und die Anklage in dem Süditaliener den Hauptschuldigen für das nächtliche Drama sieht, sehen seine Verteidiger und auch einige Opfer-Anwälte das durchaus anders. „In der Öffentlichkeit wird Schettino als der einzige Schuldige gesehen, es gibt allerdings viele Dinge, die ermittelt werden müssen“, sagte sein Anwalt Domenico Pepe.

Schettinos Verteidiger beantragten erneut eine ausgehandelte Strafe von drei Jahren und fünf Monaten für ihren Mandaten. Mit einem solchen Versuch waren sie in den Voranhörungen schon gescheitert.

Doch sein anderer Verteidiger Donato Laino betonte immer wieder, Schettinos einziger Fehler sei es wahrscheinlich gewesen, zu sehr der Crew vertraut zu haben. „Schettino ist sicher verantwortlich für seine Handlungen. Aber er kann nicht für die Fehler der anderen geradestehen.“

Prozess im Theater

Das Theater im Herzen der toskanischen Kleinstadt Grosseto ist für ein großes, voraussichtlich Monate dauerndes Gerichtsdrama vorbereitet. Zu Weihnachten führt das Moskauer Ballett hier ein Märchen auf, nun sitzen auf der Bühne drei Richter an einem langen, mit rotem Tuch bespannten Tisch. Auf einer Leinwand dahinter mahnt ein Banner: „La Legge è uguale per tutti“ („Das Gesetz ist für alle gleich“). Die Zuschauer sitzen in weichen roten Sesseln, an der Decke sind Scheinwerfer angebracht.

Vor der Bühne besprach sich Schettino gestern vor Prozessbeginn unter dem Klicken der Kameras mit seinen Anwälten, redete eindringlich in sein Mobiltelefon. Als später minutenlang Namen vorgelesen und ermüdende Verfahrensfragen geklärt wurden, tippte er gelangweilt auf einem Tablet-Computer herum. Die emotionale Tirade eines Rechtsvertreters der Geschädigten verfolgte Schettino stoisch auf seine Faust gestützt. Obwohl fast alle Augen auf ihn gerichtet waren, wirkte der Angeklagte unbeteiligt.

Ein weiteres beliebtes Motiv der Fotografen vor Beginn des Prozesses war die vermeintliche frühere Schettino-Geliebte Domnica Cemortan, die den Prozess im blauen Minirock und weißer Bluse aus der neunten Reihe verfolgte. Die 26 Jahre alte, platinblonde Moldauerin soll in der Unglücksnacht bei Schettino auf der Brücke gewesen sein — was die junge Frau jedoch bestreitet. Vor Gericht suchte Cemortan nicht den Blickkontakt des Kapitäns und blätterte lieber in ihren Akten. Im Prozess will sie aber selbst als Nebenklägerin auftreten.

Er kann nicht für die Fehler der anderen geradestehen.“ Schettinos Anwalt Donato Laino über

seinen Mandanten

Miriam Schmidt

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