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Panorama Dänischer Jubel, deutscher Frust
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00:00 21.05.2013
Von Imre Grimm
Favoritensieg in Malmö: Die Dänin Emmelie de Forest mit ihrem Titel „Only Teardrops“ war schon im Vorfeld des ESC am höchsten gewettet worden. Quelle: Jens Astrup
Malmö

So nah sind sich Glanz und Elend selten, nur 80 Meter liegen dazwischen. „Ich bin das glücklichste Mädchen der Welt“, jubelt Emmelie de Forest, 19 Jahre alt, nachts um eins im Pressezentrum von Malmö. Gerade hat sie für Dänemark den Eurovision Song Contest gewonnen — barfuß, mit zerzausten Haaren, viel Ronja-Räubertochter-Charme und ihrer folkigen Partynummer „Only Teardrops“, ein Start-Ziel-Sieg der großen Favoritin (281 Punkte). Platz zwei ging an Aserbaidschan, Platz drei an die Ukraine.

Nicht weit vom dänischen Jubelknäuel entfernt steht Natalie Horler, 31 Jahre alt, tapfer lächelnd, aber schockiert. Deutschland hat ein Debakel erlebt: Platz 21 für Cascadas Disconummer „Glorious“.

Nur 18 Punkte. „Wir sind alle enttäuscht und auch überrascht“, sagt Horler. „Mich selbst ärgert es am meisten. Ich wollte diesen Kampf für Deutschland kämpfen, nun ist er so halb verloren.“

Und plötzlich, drei Jahre nach Lenas Triumph, findet sich das Land wieder in der alten Rolle als ungeliebter Geldgeber, der den anderen die Party finanziert. Erklärungsversuche von ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber: Die Politik habe eine Rolle gespielt, glaubt er. „Ich will jetzt nicht sagen: 18 Punkte für Angela Merkel. Aber da stand nicht nur Cascada auf der Bühne, da stand auch Deutschland auf der Bühne.“

Verloren, weil keiner uns lieb hat? Ernsthaft? Es ist ein unzureichender Versuch, das schlechte Abschneiden mit der europäischen Schuldenkrise zu erklären, in der Merkel als Inkarnation von Großmannssucht und Spardiktat gilt. Denn auch ESC-Zuschauer wissen, dass Deutschland nicht Merkel ist und umgekehrt. Die Analyse bringt dagegen hausgemachte Fehler ans Licht:

1. Disco ist nicht Song-Contest-tauglich: Mag die schwule ESC-Kernzielgruppe sich an Clubsounds erfreuen — der europäische Mainstream kann mit altmodischen Discoheulern beim ESC nicht mehr viel anfangen. Auch DJ Bobo oder Kate Ryan gingen mit Autoscooterstampf baden. 2014 will sich Schreiber wieder „mehr auf die Songauswahl konzentrieren“. Tatsächlich war die kompositorische Qualität im Vorentscheid erschreckend schwach. „In den Stefan-Raab-Jahren wurden die besten Songs der Welt gesucht“, sagte ARD-Kommentator Peter Urban. „Das muss wieder der Anspruch sein.“

2. Die nationale Rückendeckung fehlte: Dem NDR gelang es nicht, ein mediales Feuer zu entfachen, das das Interesse am ESC am Dampfen hielt. Innerorts war Cascada ähnlich ungeliebt wie außerorts Angela Merkel. Immerhin stimmte die ARD-Quote: 8,21 Millionen Menschen sahen zu — mehr als bei Roger Cicero und den No Angels, weniger als bei Texas Lightning und bei Lena 2010 und 2011.

3. Keine Lust auf Wiederholungen: Der Kontinent war offenbar nicht bereit, ein Lied zu küren, das musikalisch in ähnlichen Gewässern fischt wie Vorjahressiegerin Loreen aus Schweden. Stilkopie?

Nein danke. „Cascadas Performance war tadellos, aber die Ähnlichkeit doch zu offensichtlich“, sagt ESC-Experte Irving Wolther.

4. Der Siegeswille fehlte: Professionell, abgeklärt, selbstbewusst trat Horler in Malmö auf. Potenzielle Sieger aber dürfen niemals zeigen, dass sie einen Sieg nicht nötig haben. Europa liebt die unbedarften Neulinge mit funkelnden Augen — wie Emmelie de Forest, Alexander Rybak, Lena.

So findet der 59. Song Contest 2014 in Kopenhagen statt — nur wenige Kilometer von Malmö entfernt, auf der anderen Seite der Öresundbrücke. Will de Forest in der Heimat erneut antreten, wie Lena 2011? „Nein“, sagt sie. „So etwas erlebt man nur einmal im Leben.“ Mit 14 Jahren hat Emmelie Charlotte-Victoria de Forest, eine Urenkelin des britischen Königs Edwards VII. (nach dessen Affäre mit einer österreichischen Prinzessin), Johnny Cash und Nirvana gecovert. Nun sitzt sie auf Europas Pop-Thron. Platz zwei ging — trotz merkwürdig-überinszenierter Jekyll-and-Hide-Bühnenshow — an Farid Mammadovs Ohrwurm „Hold Me“ aus Aserbaidschan (234 Punkte), Platz drei an die ukrainische Bombasthymne „Gravity“ von Zlata Ognevich (214 Punkte).

Wenn der Abend eines zeigte, dann dass Europa eher in Balladenstimmung ist. Moldawiens Aliona Moon etwa weinte „Millionen Tränen“, und auch Bonnie Tyler, Legende der Achtziger („Total Eclipse Of The Heart“), lieferte für Großbritannien einen routinierten Schmachtfetzen ab — konnte Englands ESC-Elend aber nicht beenden. Immerhin landete sie mit 23 Punkten (Platz 19) vor Cascada.

Kleiner, kompakter, günstiger — das war das Motto beim ESC in Malmö. Nach Jahren immer neuer Rekorde mit 43 Teilnehmerländern (2008 und 2009), 36 000 Hallenzuschauern (2011 in Düsseldorf) und 50 Millionen Euro Kosten (2012 in Baku) hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) dem Popfestival eine Schrumpfkur verordnet. Sie will so sicherstellen, dass sich auch kleinere Siegerländer den Contest leisten könnten. Für den diesjährigen Sieger Dänemark dürfte das kein Problem werden. Geht das Finale wie im Jahr 2001 im — inzwischen überdachten — Kopenhagener Parkenstadion vor knapp 40 000 Zuschauern über die Bühne? Trotz des Schrumpfkurses beim ESC? Das verriet der dänische Delegationschef noch nicht.

Der Patzer von Lena
Auf der Reeperbahn nachts um fast halb eins unterlief Lena Meyer-Landrut eine peinliche Panne: Als Chefin der deutschen Jury für den Eurovision Song Contest vergab sie Dänemarks Punkte zunächst an Norwegen. „Zehn Punkte gehen nach Norwegen“, sagte sie zunächst noch fröhlich auf Englisch, musste sich dann aber korrigieren: „Zehn Punkte gehen nach Dänemark“ und hielt sich den Regenschirm vors Gesicht. „Es tut mir so leid. Oh, mein Gott“, sagte sie zweimal. Doch da war der Schaden schon geschehen.

Imre Grimm

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