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Der Mythos Diana

London Der Mythos Diana

Bisher hat sich noch niemand an eine Verfilmung des Unfalltodes der Prinzessin vor 16 Jahren gewagt. Mit Oliver Hirschbiegel traut sich nun ein Deutscher. Nächste Woche feiert der Film in London Weltpremiere.

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Verletzlichkeit und Stärke — das ist es, was Fans in Prinzessin Diana (†1997) sehen und was sie so faszinierend machte, sagen Experten.

Quelle: Fotos: Corbis, dpa, AFP

London. Auf sieben Seiten sollen es die einstigen Schwiegereltern eines Soldaten handschriftlich mitgeteilt haben: Ihr Ex-Schwiegersohn, der die Tochter sehr schlecht behandelt habe, sei an einem Mordkomplott des Militärs gegen Prinzessin Diana beteiligt gewesen. Damit habe er vor Jahren einmal geprahlt, hieß es in dem kürzlich bei der britischen Polizei eingegangenen Schriftstück angeblich. Den Beamten blieb nichts übrig, als zu sagen, man schaue sich das Ganze an. Boulevardzeitungen sprangen sofort auf: „Polizei untersucht neue Diana-Mordvorwürfe“, titelten mehrere Blätter und ergriffen freudig den Anlass, Fotos der am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris gestorbenen Prinzessin abdrucken zu können.

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Verletzlichkeit und Stärke — das ist es, was Fans in Prinzessin Diana (†1997) sehen und was sie so faszinierend machte, sagen Experten.

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Neue Gerüchte

Diana-News sind auch 16 Jahre nach ihrem Tod noch Welt- Nachrichten — egal, wie fragwürdig sie auch sein mögen. Zwar ist das Interesse an der „Königin der Herzen“ in den vergangenen Jahren merklich abgeflacht — vor allem, seit die einstige „böse“ Schwiegermutter Queen Elizabeth II. so beliebt wie nie zuvor ist, und Dianas Ältester, Prinz William, seine Frau Kate und Baby George das perfekte Familienbild abgeben. Das Tempo, mit dem sich die neuen Gerüchte über eine Mord-Verschwörung verbreiteten, zeigte aber: Der Mythos Diana lebt weiter.

Und immer noch ist er so stark, dass sich bis heute kein Filmemacher an eine große Leinwandversion des Lebens und Sterbens der Prinzessin getraut hat. Mit Oliver Hirschbiegel, der sich mit „Der Untergang“ über die letzten Tage Adolf Hitlers weltweit einen Namen gemacht hat, hat sich nun ein Deutscher an den Stoff gewagt. Am 5. September feiert „Diana“ Weltpremiere in London. In Deutschland soll der Film im Januar in die Kinos kommen.

Vielleicht konnte mit Blick auf die Geschichte tatsächlich nur ein Nicht-Brite die Verfilmung übernehmen. Hirschbiegel jedenfalls hat sich in gefährliches Fahrwasser begeben. Während die einen ihm schon vor dem Kinostart eine Schmalzversion mit einer viel zu positiv dargestellten Diana vorwerfen, streiten die Fans derweil darum, dass Hauptdarstellerin Naomi Watts zu wenig aussieht wie ihr großes Vorbild.

Neue Untersuchungen

„Diana lebt“, schrieb Autorin Cristina Odone, Kommentatorin beim „Daily Telegraph“ nach dem Hype um neue Mordgerüchte. „16 Jahre sind vergangen, seit ein Autounfall ihr das Leben nahm, doch bis heute halten die Verschwörungstheorien sie für ihre Fans am Leben.“

Trotz einer umgerechnet mehr als eine Million Euro teuren öffentlichen Untersuchung, die zu dem Schluss kam, Diana starb mit 36 Jahren in einem Tunnel in Paris, weil ihr Fahrer betrunken und sie nicht angeschnallt war, und Fotografen ihr hinterherjagten, glauben bis heute Unverbesserliche an Mord. Entweder soll es die Königsfamilie gewesen sein, oder der britische Geheimdienst, weil sie eine Beziehung zum muslimischen Millionenerben Dodi Al-Fayed hatte.

Prinzessin Diana wird wohl nicht so schnell zu Ruhe kommen, auch wenn das rosarote Idealbild, das nach ihrem Tod von ihr entstand, heute deutlich mehr dunkle Flecken hat. Manipulativ soll sie gewesen sein und aufmerksamkeitssüchtig. Keinen Zweifel gibt es lediglich an ihren Fähigkeiten als Mutter: Prinz William (31) und Prinz Harry (28) gelten trotz gelegentlicher Eskapaden des Letzteren als wohlgeraten.

Doch warum kann die Welt Diana nicht vergessen? Odone glaubt, dass es an ihrer unnachahmlichen Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit liegt. Mit ihren Eheproblemen oder der Feindschaft zu ihrem Körper habe man sich identifizieren können — aber auch mit ihren Triumphen, schreibt sie: „Wenn sie ihre Schüchternheit, ihre Bulimie und ihre Bitterkeit überwand und glänzte, dann glaubten wir, dass wir das auch schaffen können.“

Neuer Film

„Guardian“-Filmkritiker Peter Bradshaw meint, dass der Tod Dianas auch deshalb weiter so präsent ist, weil es der „Urknall für die heutige Promi-Industrie“ gewesen sei.

Hirschbiegels Film beschäftigt sich mit den letzten beiden Jahren im Leben Dianas. Im Mittelpunkt stehen ihre Beziehung zu dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan und ihr soziales Engagement etwa für Landminen-Opfer. Diese Jahre wurden gewählt, weil sie für das heutige Bild von Diana zentral seien, heißt es.

Stationen ihres Lebens
1. Juli 1961: Diana Frances Spencer wird auf dem königlichen Gut Sandringham geboren. Ihre Kindheit bezeichnet sie als „unglücklich“.

1979 bis 1981: Sie arbeitet als Kindergärtnerin in London.

29. Juli 1981: Hochzeit mit Prinz Charles in London.

21. Juni 1982: Der erste Sohn William wird geboren.

15. September 1984: Sohn Harry kommt zur Welt.

Juni 1992: Andrew Morton veröffentlicht das Buch „Diana — ihre wahre Geschichte“. Die Eheprobleme von Charles und Diana werden bekannt.

9. Dezember 1992: Der damalige Premierminister John Major verkündet die Trennung von Charles und Diana.

29. Juni 1994: Prinz Charles gesteht in einem TV-Interview eheliche Untreue, ohne Namen zu nennen.

20. November 1995: Diana gesteht in einem BBC-Gespräch ihre Affäre mit dem früheren Leibwächter und Reitlehrer James Hewitt.

28. August 1996: Die Ehe mit Prinz Charles wird offiziell geschieden.

8. August 1997: Diana besucht Minenopfer in Bosnien und fordert wie schon in Angola ein weltweites Verbot von Anti-Personen-Minen.

31. August 1997: Diana kommt mit 36 Jahren in Paris mit ihrem Liebhaber Dodi Al Fayed bei einem Autounfall ums Leben.

 

Britta Gürke

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