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Panorama Die Deutschen und ihre Notvorräte
Nachrichten Panorama Die Deutschen und ihre Notvorräte
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04:24 12.07.2013
Ewiger Freund der Menthol-Zigarette: Altkanzler Helmut Schmidt.
Berlin

Der Mensch als Jäger und Sammler: Glühbirnen, Zigaretten, alte Münzen — die Deutschen horten vieles in ihren Schränken und Kellern. Doch auf echte Notfälle sind sie schlecht vorbereitet. Helmut Schmidt hortet Tausende Menthol-Zigaretten, in Peer Steinbrücks Keller stapeln sich Hunderte Glühbirnen. „Weil ich nicht weiß, ob ich die in fünf Jahren für meine französische Lampe noch bekomme“, sagt der Mann, der Bundeskanzler werden will. Auch der Altkanzler, Deutschlands berühmtester Raucher, fürchte ein Verbot. Sie sind in guter Gesellschaft.

Tausende Deutsche fuhren zu Hamsterkäufen in Baumärkte, als die EU die Glühbirnen ausknipste. Bargeld und Gold horten sie tonnenweise. Es gibt Menschen, die lagern Dutzende Flaschen ihres Lieblingsduschbads. Überlebensnotwendiges dagegen — Konserven, Campingkocher, Kerzen — halten nur wenige Bürger bereit. Doch die Vorsorge für schlechte Zeiten soll besser werden. Während Altkanzler Schmidt seine Lieblingskippen vor EU-Beamten in Sicherheit bringt, sollen die Bürger eher für wirkliche Krisen vorbeugen, raten die Behörden. Tipp des E rnährungsministeriums für eine vierköpfige Familie, um zwei Wochen über die Runden zu kommen: 4 Kilo Vollkornbrot, 2,8 Kilo Kirschen im Glas, 40 Eier, 112 Liter Mineralwasser und viele, viele Konserven. Insgesamt sind es etwa 50 Posten.

Schon bei einem längeren Stromausfall helfe ein privater Vorrat, auch wenn Schnee oder Hochwasser den Haushalt von der Außenwelt abschneiden, heißt es beim Ministerium. Der Bund selbst hortet viele tausend Tonnen Getreide, Reis, Hülsenfrüchte und Kondensmilch. Doch wer hat zu Hause schon 13 Kisten Wasser im Keller?

„Wenn nichts passiert, sorgt man auch nicht vor“, sagt Ute Menski. „Die meisten Leute haben ja auch keine Patientenverfügung und auch kein Testament.“ Die Ernährungswissenschaftlerin der Freien Universität Berlin hat Betroffene befragt, als 2005 im Münsterland die Leitungsmasten unter der Schneelast zusammensackten und der Strom mehrere Tage ausfiel. Viele hatten ein paar Konserven, aber für einen längerfristigen Ausfall hätte das nicht gereicht, meint Menski.

„Ganz schnell können auch Sie einem Brand, Hochwasser, Chemieunfall, Stromausfall oder anderen Gefahren ausgesetzt sein“, warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Nach einer Umfrage des Amts hat jeder fünfte Deutsche keine Lebensmittelvorräte. Jeder achte hat kein Trinkwasser auf Lager.

Anders die Generation, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt hat. Sie habe häufig noch Regale voller Einmachgläser. „Aber wir wissen nicht, was es heißt, Hunger zu haben. Man kann sich zur Not eine Tiefkühlpizza an der Tankstelle holen.“ Naturkatastrophen und Pandemien brächten zunehmend ein Umdenken der Behörden. Und dann gibt es noch die sogenannten Preppers — nach dem englischen „Prepardeness“ (Bereitschaft). Sie rüsten sich aus bis auf die Zähne, um Katastrophen zu überstehen — von der Petroleumlampe bis zur Wasseraufbereitungsanlage. In Internetforen tauschen sie sich aus über Solarkocher, Nachtsichtgeräte und Alkohol als Tauschware.

In der Finanzkrise haben viele Bürger ihre eigenen Lehren gezogen. 2009 holten viele ihr Geld in 500-Euro-Scheinen von der Bank, — nicht weil man damit so gut einkaufen könnte.

Die Bundesbank: „Bargeld wird als Wertaufbewahrungsmedium geschätzt.“

Wo Mark und Pfennige gehortet werden

8000 Tonnen Gold besitzen die Bundesbürger, wie eine Umfrage der Berliner Steinbeis-Hochschule ergab. Die Hälfte der Befragten bewahrt die Barren zu Hause auf.

171 Millionen D-Mark-

Scheine und 23,7 Millionen D-Mark-Münzen befinden sich laut Bundesbank „noch immer im Umlauf“ wie es im Behördendeutsch heißt. Aber offenbar nicht als Vorsorge — die meisten Pfennige, Groschen und Märker werden schlicht in Schränken, Koffern und Kisten vergessen oder als Erinnerungsstücke an vergangene Zeiten aufbewahrt.

OZ

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