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Ein Knall, ein Inferno — eine Stadt in Trümmern

Waco Ein Knall, ein Inferno — eine Stadt in Trümmern

Die gewaltige Explosion in einer Düngerfabrik hat in Texas eine ganze Stadt verwüstet. Auch am Tag danach herrscht noch Unklarheit über genaue Opferzahlen.

Waco. Dunkle Wolken schweben über den mit Trümmern übersäten Straßen, überall liegen Scherben, Krankenwagen mühen sich an den verkohlten Fassaden vorbei. Doch West ist kein Kriegsgebiet, liegt nicht in Syrien oder Afghanistan, sondern mitten in Texas. In dem Städtchen, 100 Kilometer südlich von Dallas, ist am Mittwochabend (Ortszeit) eine Düngemittelfabrik explodiert.

Etwa 80 Gebäude wurden in der 2500-Einwohner-Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Die Polizei spricht von bisher 15 Toten — doch es könnten Dutzende sein.

Vergleich mit Erdbeben

Mit einem gewaltigen Knall, der noch fast 80 Kilometer entfernt zu hören war, und einem 30 Meter hohen Feuerball explodierte das Werk und verwandelte den Umkreis in eine Ruinenlandschaft.

US-Seismologen vergleichen die Explosion mit einem Erdbeben von der Stärke 2,1. Auf den Videos von Augenzeugen wechselt das berauschte „Wow, was für ein Feuer!“ in blankes Entsetzen. Und immer wieder die gleichen Rufe: „Oh mein Gott! Oh mein Gott!“ Der Tod trifft vor allem diejenigen, die helfen wollen. Menschen, die versuchen andere zu retten: Feuerwehrleute und Sanitäter.

Auch einen Tag nach der Katastrophe ist das Ausmaß nicht abzusehen. Und obwohl die Polizei von einem Unfall ausgeht, kommen den Betroffenen immer wieder Bilder von Krieg und Terror in den Sinn. „Es sah aus wie eine Atombombe“, sagt Wests Bürgermeister Tommy Muska. „Eine große Pilzwolke“ über der kleinen Stadt. „Es war wie im Irak“, sagt Polizist D. L. Wilson. Verunsicherung herrscht auch, weil die USA in den vergangenen Tagen durch den Bombenanschlag in Boston und mehrere Giftbriefe sich der Terrorgefahr wieder schmerzlich bewusst geworden sind.

Mehr als 160 Menschen sind verletzt. Mehr als 1000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Darunter sind auch rund 130 Bewohner eines Altenheims, die ihr Zuhause räumen müssen.

Die Rettungsarbeiten sind nicht nur durch die Angst vor giftigen Gasen erschwert, die Helfer fürchten vor allem auch weitere Explosionen. Wind behindert außerdem die Arbeit der Feuerwehr, die Dämpfe drohen zu den Wohngebieten zu wehen. Die Polizei riet dringend, die Gegend um den Unglücksort zu meiden. Vorsichtshalber wurden in einigen Teilen der Stadt Strom und Gas abgestellt. Zudem wurde über West eine Flugverbotszone eingerichtet, da eine weitere Explosion Kleinflugzeuge zum Absturz bringen könnte. Es herrscht Ansturm auf die Notunterkünfte.

Böse Erinnerungen

Mutmaßungen über einen Anschlag in West gab es auch deshalb, weil sich heute zum 20. Mal die Erstürmung des Geländes einer rechtsgerichteten Sekte in Waco jährt, bei der 1993 insgesamt 76 Menschen starben. Doch auch wenn es keine Hinweise auf einen Anschlag gibt, steht der Ort unter Schock. „Die Dinge, die ich gehört und gesehen habe, sind unerträglich“, sagt eine Frau. „Das ist ein kompletter Alptraum.“ Eine Mutter, die zur Zeit des Unglücks mit ihrem kleinen Sohn auf einem nahe gelegenen Spielplatz war, sagte fassungslos: „Die Flammen waren so gewaltig. Der Boden und alles hat vibriert.“

Für die ums Leben gekommenen Feuerwehrleute wurde eine Facebook- Seite eingerichtet. „Der letzte Einsatz“ bekam innerhalb weniger Stunden Tausende Anhänger.

OZ

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