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Panorama Ein Mäntelchen für den Pinscher
Nachrichten Panorama Ein Mäntelchen für den Pinscher
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12:42 05.11.2017
Olga Schaff zieht Bailey einen von ihr maßgeschneiderten Mantel an. Quelle: Stefan Puchner
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Herbrechtingen

Vito und Eny hatten die Schnauzen voll. Gassi gehen bei Eis und Schnee? Das wollten die Deutschen Pinscher nicht. Olga Schaff verstand. „Ich habe mich an die Maschine gesetzt und ihnen Mäntel genäht.“ Das war im vorletzten Winter.

Der Entschluss hat das Leben der gelernten Schneiderin ein gutes Stück verändert.

Früher betrieb sie in Herbrechtingen unweit von Ulm eine Änderungsschneiderei. Richtig Spaß habe das nicht gemacht, berichtet die 42-Jährige. Heute fertigt sie in ihrer Heimwerkstatt „täglich mit großer Freude“ Maßkleidung für Hunde.

Die ersten Aufträge bekam „Olga's Nähstudio“ aus der Nachbarschaft, wo man ihre Pinscher beim Winterspaziergang bewunderte. Inzwischen hat sie Kunden in ganz Deutschland und mehreren Ländern Europas. „Je näher der Winter rückt, desto mehr Mäntel werden geordert, sogar aus Norwegen“ sagt Ehemann Jürgen Schaff (48), der als Ingenieur tätig ist.

Dass Hundebesitzer ihre Lieblinge einkleiden, ist nicht neu. „Aber viele geben sich nicht mehr mit Ware von der Stange zufrieden“, weiß Nadja Porsch. Die in Kassel tätige Textilprofilerin berät Unternehmen bei der Entwicklung von Accessoires für Tiere. „Maßgeschneidertes wird immer beliebter“, sagt sie.

Konfektionsgrößen seien ja schon bei Menschen ein Problem, denn wirklich gut passe Kleidung von der Stange höchstens 20 Prozent der Zweibeiner. Bei Hunden aber sei das noch weit komplizierter: „Ein Jack Russell und ein Mops mögen die gleiche Rückenlänge haben, aber da hört die Gemeinsamkeit schon auf.“

Idealerweise kommen Frauchen oder Herrchen mit dem Hund zum Vermessen bei der Schneiderin vorbei. Wenn der Weg zu weit ist, bekommen Kunden exakte Hinweise, wo sie wie messen sollen. „Das Wichtigste an Hundekleidung ist, dass sie nicht scheuert oder zwickt“, sagt Schaff. Angezogen werden naturgemäß vor allem die kurzhaarigen Varianten unter den zahlreichen Hunderassen. Materialien gibt es für jeden Geschmack. Wenn jemand seinen Rhodesian Ridgeback unbedingt im Leopardenlook einkleiden will oder einen Bademantel für den Collie braucht, bitte sehr.

Nicht jeder findet Kleidung für Tiere angebracht. Kritiker werfen Haltern, die ihre Vierbeiner in Stoff verpacken, eine Vermenschlichung der Tiere vor. Die Tierrechtsorganisation Peta spricht sogar von Tierquälerei, wenn ein Hund aufgrund von Kleidung nicht mehr wirklich Hund sein dürfe. Allerdings gestehen auch Tierschützer meist zu, dass ein Schutz angebracht ist, wenn es sich um Rassen mit zu dünnem Fell handelt - und wenn es wirklich um den Schutz und nicht in erster Linie um Modetrends geht.

Wie viele Heimtierschneidereien es gibt, lässt sich kaum ermitteln. Oft handelt es sich um Mini-Unternehmen wie Olga Schaffs Ein-Frau-Betrieb, die weder in Handwerkskammern noch in Berufsverbänden organisiert sind. Eine einfache Internetsuche ergibt schon dutzende Treffer.

Dass Textilien für Vierbeiner auf Wachstumskurs sind, lässt sich auch auf der Stuttgarter Heimtiermesse „Animal“ erleben. „Früher boten hier nur wenige Händler Hundemode an“, sagt Messesprecher Andreas Wallbillich. „Inzwischen ist so gut wie jeder, der Hundezubehör vertreibt, auch in Sachen Hundekleidung unterwegs.“

Dazu gehören sogar Kollektionen, die von - oder im Namen von - Prominenten für Hunde entworfen werden. Um dem Trend Rechnung zu tragen, gibt es auf der „Animal 2017“ (18./19. November) erstmals eine Hundemodenschau. Auf dem „Dogwalk“ seien ausgefallene Schnitte, hochwertige Materialien und sogar Mäntelchen mit Swarowski-Steinen zu erwarten. Für Olga Schaff ist das eher nichts. Bei ihr geht „Funktionalität vor Firlefanz“.

dpa

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