Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Eltern von NSU-Mordopfer kritisieren das Gericht
Nachrichten Panorama Eltern von NSU-Mordopfer kritisieren das Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:56 06.12.2017
Die Angeklagte Beate Zschäpe nimmt im Oberlandesgericht in München ihren Platz neben ihrem Anwalt ein. Quelle: Peter Kneffel
Anzeige
München

Emotionale Plädoyers der Eltern eines NSU-Mordopfers und massive Vorwürfe gegen die staatlichen Strafverfolger haben an diesem Mittwoch Schlussvorträge der Nebenkläger im NSU-Prozess geprägt.

Das Verfahren habe ihnen die erhofften Antworten nicht gebracht, sagten die Eltern von Halit Yozgat, der 2006 in seinem Internetcafé in Kassel mutmaßlich von den NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen worden war.

Einer der Anwälte der Familie, Alexander Kienzle, warf der Bundesanwaltschaft und auch dem Staatsschutzsenat des Münchner Oberlandesgerichts vor, sie hätten „mit Blick auf staatliche Mitverantwortung nicht aufgeklärt, was aufgeklärt werden konnte, sondern nur, was sich nicht vermeiden ließ“. Damit sei eine „historische Chance verspielt“ worden. 

Kollegin Doris Dierbach bezeichnete die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und ihre beiden Freunde Mundlos und Böhnhardt als „Menschen, die ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommen“ und ihre rassistische Ideologie allein aus ihren deutschen Wurzeln schöpften. Davon habe sich Zschäpe nie abgegrenzt und sei darum bis heute gefährlich.

Familie Yozgat habe nicht damit gerechnet, „gerade in diesem liberalen Land Opfer von Illiberalität und Menschenverachtung“ zu werden, sagte die Anwältin. Das Mordopfer habe akzentfreies Deutsch gesprochen, für seine Ausbildung gelernt und nebenbei sein Internetcafé geführt.

Die Mutter des Ermordeten sagte, das Gericht sei ihre letzte Hoffnung gewesen. „Aber ich sehe, dass bei Ihnen auch kein Ergebnis herauskommt.“ Es werde der Tag kommen, „wo Allah alles aufklären wird“. Yozgats Vater forderte die Richter auf, nach Kassel zu reisen und das Internetcafé in Augenschein zu nehmen. Sie würden dann feststellen, dass der Verfassungsschutzbeamte gelogen habe, der sich zur Tatzeit dort aufhielt. Der Vater sagte, er sei überzeugt, der „Agent“ habe seinen Sohn selber ermordet oder den Mord arrangiert.

Yozgat war das neunte und letzte Opfer der sogenannten „Ceska“-Serie, die aus Sicht der Bundesanwaltschaft von den beiden Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt verübt und von der wegen Mittäterschaft angeklagten Zschäpe unterstützt und mitgeplant wurde. Gegen Zschäpe hat die Anklage lebenslange Haft beantragt.

dpa

Mehr zum Thema

Ist der IS besiegt, wenn er in Syrien und im Irak keine Gebiete mehr hält? Mitnichten, warnt der oberste Verfassungsschützer. Sorge bereitet ihm, wer aus den früheren IS-Gebieten zurückkommt. Nicht nur heimkehrende Kämpfer seien eine Gefahr.

03.12.2017

Nach den immensen Gebietsverlusten der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak beobachten Verfassungsschützer mit Sorge die Rückkehr von Frauen und Kindern dortiger Kämpfer.

03.12.2017

Opfer des Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr haben bisher gut 1,6 Millionen Euro als Unterstützung erhalten.

04.12.2017
Panorama Ungewöhnliche Fütterung - Nikolaus beschert Haie

Ein ungewöhnlicher Besucher mit rotem Mantel, Zipfelmütze und Bart hat die Haie in einem Münchner Großaquarium beschenkt: Am Nikolaustag ist ein verkleideter Taucher in das Ozeanbecken mit 20 Haiarten gestiegen. Er habe den «braven Fischen» einen kleinen Leckerbissen vorbeigebracht, berichtete eine Sprecherin des Aquariums Sealife. Natürlich habe es weder Mandarinen noch Nüsse gegeben - sondern Makrelen und kleine Tintenfische.

06.12.2017

Nach dem Erfolg von „Titanic“ mussten Kate Winslet und Leonardo DiCaprio mit den plötzlichen Folgen des Ruhms umgehen. Gut, dass sie sich aufeinander verlassen konnten.

06.12.2017

Flammenhölle in Kalifornien: Zehntausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Im Oktober war die Weinregion nördlich von San Francisco schwer betroffen, jetzt brennt es im Süden des Westküstenstaates.

12.12.2017
Anzeige