Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Fall Viersen: Tatverdächtiger war Ex-Freund
Nachrichten Panorama Fall Viersen: Tatverdächtiger war Ex-Freund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:15 15.06.2018
Ein Bulgare soll ein Mädchen rumänischer Herkunft in einem Park tödlich verletzt haben. Quelle: David Young
Mönchengladbach

Er wollte es nicht hinnehmen, sie zu verlieren. Wenn Iuliana R. sich von ihm trenne, bringe er sie um, soll der 17-Jährige in der Zeit vor dem Verbrechen von Viersen bei seinen Freunden angekündigt haben.

Das schilderte der Leiter der Mordkommission, Ingo Thiel, in Mönchengladbach. Die 15-Jährige, die alle Iulia nannten, konnte es allerdings nicht mehr ertragen, dass er sie nur für sich haben wollte - kein Kontakt zu Freunden mehr, nur er. „Die Kleine wollte das nicht mehr. Sie hat sich zurückgezogen“, sagte Thiel. „Das war ihr Todesurteil.“

Rund eine Woche nach der Trennung war das Mädchen rumänischer Herkunft tot. Erstochen wahrscheinlich von ihrem Ex-Freund in einem Park im niederrheinischen Viersen, wo der Bulgare dem Mädchen aufgelauert haben soll. Der 17-Jährige, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt, sitzt seit Mittwoch wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft und schweigt. Am Donnerstag gaben die Ermittler Details zu der tödlichen Messerattacke bekannt.

Thiel schilderte, wie es nach Erkenntnissen der Polizei zu der Tat kam. „Mit der Trennung kam er nicht klar. Hat dann letztlich eine Aussprache gewollt, die sie abgelehnt hat, sie hat ihn blockiert. Dann hat er ihr am Montag im Park aufgelauert und sie niedergestochen.“ Zeugen schilderten demnach, wie die beiden streitend quer durch den Park liefen. „Sie hat dann immer „Nein, Nein“ gesagt.“

Beide seien dann aus dem Sichtbereich der Zeugen verschwunden. „Unmittelbar danach kam die 15-Jährige, hielt sich den Bauch, hatte große Blutflecken auf der Bekleidung und schrie nur: „Hilfe, Hilfe, ich sterbe““, sagte Thiel. Dann sei sie vor den Augen der Zeugen auf dem Rasen zusammengebrochen. Womöglich sei sie schon dort und nicht erst im Krankenhaus gestorben.

Falsche Zeugenbeschreibungen hatten dazu geführt, dass die Polizei zunächst nach einem Mann mit nordafrikanischem Aussehen fahndete und ein 25 Jahre alter Türke unter falschen Verdacht geriet. Das habe zu einer Flut von Hasskommentaren und Vorverurteilungen in den sozialen Medien geführt, sagte der Mönchengladbacher Polizeipräsident Mathis Wiesselmann: „Hasskommentare unterhöhlen das gesellschaftliche Miteinander.“ In dem Zusammenhang werde es vermutlich auch noch Ermittlungen geben.

Eine Freundin, die zufällig bei den Eltern von Iuliana war, gab den Ermittlern den entscheidenden Hinweis auf den Bulgaren, der der Polizei durch Gewalt- und Drogendelikte bekannt ist und seit zwei Jahren keiner Arbeit nachgeht. Bei dem Tatverdächtigen fanden die Ermittler Kleidung mit Blutspuren des Opfers. Selbst wenn er sich am Dienstag nicht gestellt hätte, hätte die Polizei ihn eine halbe Stunde danach gehabt, sagte Thiel.

Das Opfer hatte die Polizei mit Hilfe eines Flyers von einer Drogenberatungsstelle mit einer Terminnotiz identifiziert. Das Mädchen habe erst vor kurzem die Schullaufbahn fortgesetzt, sagte Thiel, ohne Details zu nennen. „Sie war auf einem guten Weg zurück ins Leben“, sagte er.

dpa

Mehr zum Thema

Mitten am Tag in einem öffentlichen Park. Ein 15-jähriges Mädchen wird Opfer einer brutalen Messerattacke. Die Polizei vernimmt einen jungen Mann, der sich gestellt hat. Ob er der Täter ist, bleibt zunächst unklar.

12.06.2018

Ein Mädchen wird niedergestochen - mitten am Tag, in einem Park am Niederrhein. Nach dem tödlichen Messerangriff führen erste Zeugenaussagen die Ermittler auf eine falsche Spur. Dann stellt sich ein Jugendlicher der Polizei.

13.06.2018

Mit Ganzkörper-Schutzanzügen untersuchten Spezialkräfte eine Wohnung in Köln. Jetzt ist klar: Die Sicherheitsvorkehrungen waren berechtigt. Dort war hochgiftiges Rizin. Ein Rätsel bleibt: Was hatte der Wohnungsinhaber damit vor?

14.06.2018

Es war im August 2015 als in einem abgestellten Lkw auf einer Autobahn in Österreich 71 tote Flüchtlinge entdeckt wurden. Jetzt wurden der Fahrer und drei Komplizen zu hohen Haftstrafen verurteilt.

14.06.2018

Sie glaubten, einen Mann nach einem TV-Bericht über Pädophile wiedererkannt zu haben und schlugen ihn brutal zusammen. Zwischenzeitlich schwebte das Opfer in Lebensgefahr. Jetzt sucht die Polizei nach den Tätern.

14.06.2018

Der Verdächtige im Mordfall Susanna hat bei seinen Vernehmungen auf einen Anwalt an seiner Seite verzichtet. Der vermutlich 21-Jährige soll die 14-jährige Schülerin vergewaltigt und getötet haben.

14.06.2018