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Es geht auch ohne

Braunschweig Es geht auch ohne

Schülern fällt der Verzicht aufs Handy leichter als gedacht: Das beweist jetzt ein Projekt aus Braunschweig, bei dem Zehntklässler für eine Woche ihre Smartphones weggeschlossen haben.

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Mehr Anschluss ohne Anschluss: Die Schüler gaben ihre Smartphone ab — und verbrachten wieder mehr Zeit mit „echten“ Freunden.

Braunschweig. Kein Klingeln, kein Vibrieren, keine Nachrichten — einfach mal nichts: Rund 45 Schüler aus Braunschweig haben freiwillig eine Woche auf ihre mobilen Verbindungen verzichtet. „Es war eigentlich alles ganz entspannt“, erzählt die 15-jährige Rebecca. Nur an der Bushaltestelle, da hätte sie die Wartezeit gern mit Simsen oder Chatten verbracht. Je eine zehnte Klasse des Martino Katharineum Gymnasiums und der Freien Waldorfschule in Braunschweig machten bei der handyfreien Woche mit — eine Initiative des Braunschweiger Präventionsrats. Das Gremium aus Polizei, Justiz, Jugendbehörden, Verbänden, Stiftungen und Unternehmen setzt alle zwei Jahre ein Schwerpunktthema — in diesem Jahr etwa geht es um „Sucht“, 2011 ging es um „Gewalt“.

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Mehr Anschluss ohne Anschluss: Die Schüler gaben ihre Smartphone ab — und verbrachten wieder mehr Zeit mit „echten“ Freunden.

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Hobbys neu entdeckt

„Die Schüler haben sich erstaunlich viel Gedanken gemacht“, erzählt ein Lehrer. Damit habe die Aktion ihren Sinn erfüllt. Seiner Einschätzung nach haben 80 Prozent der Schüler mittlerweile ein Smartphone. Die internetfähigen Mobiltelefone seien zwar ohne Frage eine Bereicherung — aber viele Jugendliche würden oft nur noch auf die kleinen Bildschirme starren und ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen. „Zuerst hatte ich an eine Woche ohne Internet gedacht, aber das wäre nicht kontrollierbar gewesen“, erzählte Sarah Winkens von der Stadt Braunschweig, die die Aktion initiierte. Für die Schüler stehe jedenfalls fest, dass eine Woche ganz ohne Internet schlimm gewesen wäre. Ohne Handy sei dagegen nur die Kommunikation umständlich gewesen. Die 16-jährige Isabel machte eine erstaunliche Erfahrung: „Ich habe bemerkenswert viel Zeit gewonnen.“ Ihre Hausaufgaben waren schneller erledigt, es blieb mehr Zeit für Sport und andere Dinge. Künftig soll ihr Smartphone deshalb häufiger ausgeschaltet bleiben — ganz ohne kann sie sich ihren Alltag aber nicht vorstellen, genauso wenig wie die anderen Schüler. „Ich bin zu einer Party gefahren, die war abgesagt — aber mich konnte ja niemand erreichen“, erinnert sie sich.

Eltern waren nervöser

Auch manche Eltern waren von der Aktion nicht immer begeistert. „Meine Mutter war aufgeregt, weil ich ihr nicht sagen konnte, dass ich etwas später komme“, erzählt Jana. Und Pascal musste es ertragen, 15 Minuten auf seine Freundin zu warten, die sich zum Kinobesuch verspätete: „Sonst klären wir das ja sofort, und nun wusste ich nicht: Kommt sie oder nicht?“

Ihr Mitschüler Nidal entdeckte dagegen das Festnetz wieder für sich. Die Qualität beim Telefonieren sei ja besser als über das Handy. Für Julius dagegen bedeutete die Woche Handy-Fasten vor allem Musikabstinenz: „Das war schon hart, ich habe gar keinen MP-Player mehr.“ Viele der Schüler haben auch keine Armbanduhr mehr und wollten deshalb ihr Gerät schnell wieder haben.

„Süchtig ist aber niemand gewesen“, erklärt Medienberater Michael Roos vom Elisabethstift der Diakonie Braunschweig, der die Aktion begleitet. Keiner der Schüler habe gesagt, es gehe nicht ohne Handy. „Der Verzicht hat das Leben der Jugendlichen nicht vollständig verändert. Als positiv haben viele empfunden, dass der Kommunikationsdruck wegfiel.“ Der richtige Umgang macht es eben.

Chatten am beliebtesten

96 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Handy, über 80 Prozent nutzen es täglich, wie aus der JIM-Studie 2012 („Jugend, Information, Multi-Media“) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest hervorgeht.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig mit dem Handy ins Internet gehen, auf 40 Prozent verdoppelt.

Fast jeder Zweite zwischen 12 und 19 Jahren besitzt mittlerweile ein Smartphone. Dabei spielen Handys für Mädchen eine größere Rolle als für Jungen.


Ob auf dem Smartphone oder am Computer — soziale Netzwerke stehen bei den Jugendlichen hoch im Kurs. Rund 80 Prozent aller Befragten nutzten sie regelmäßig, vor allem Facebook. Die erste Anmeldung erfolgte der Studie zufolge mit durchschnittlich 12,7 Jahren — offiziell erlaubt ist es erst mit 13 Jahren.

272 „Facebook-Freunde“haben die Jugendlichen im Durchschnitt — die am häufigsten genutzten Funktionen innerhalb einer Community sind das Verschicken von Nachrichten und das Chatten mit anderen Mitgliedern des Netzwerks.

Ich habe bemerkenswert viel Zeit gewonnen.“ Gymnasiastin Isabel (16)

Anita Pöhlig

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