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Panorama Im Karneval: Polizist vor Straßenbahn gestoßen und getötet
Nachrichten Panorama Im Karneval: Polizist vor Straßenbahn gestoßen und getötet
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16:55 16.02.2018
Die Straßenbahnhaltestelle am Chlodwigplatz in Köln. Ein Polizist war hier vor eine fahrende Straßenbahn gestoßen und getötet worden. Quelle: Oliver Berg
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Köln

In Köln herrscht feuchtfröhlicher Ausnahmezustand, als das Verbrechen geschieht. Im rheinischen Epizentrum des Karnevals wird gefeiert, was das Zeug hält, es geht bunt und fröhlich zu. „Es war viel los“, sagt ein Polizeisprecher.

Doch dann geschieht am Chlodwigplatz in der südlichen Kölner Innenstadt ein Verbrechen, dass die Augenzeugen verstört zurücklässt. An einer Haltestelle stößt ein Mann in der Nacht zum Samstag - wenige Minuten vor Mitternacht - einen anderen Mann zwischen die Wagen einer anfahrenden Straßenbahn. Der Fahrer der Bahn bemerkt dies zunächst nicht und fährt noch 300 Meter weiter. Das Opfer wird erst mitgeschleift, dann überrollt. Für den 32-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät.

Die zwei Begleiter des Opfers werden zur psychologischen Betreuung in ein Krankenhaus gebracht. Bald erkennen die an den Ort des Geschehens eilenden Polizisten, dass sie einen toten Kollegen vor sich haben. Sein Dienstausweis sagt, dass es sich um einen 32 Jahre alten Kommissar handelt. Er war privat mit Bekannten unterwegs, soll verkleidet gewesen sein. Er war Beamter des Landeskriminalamts in Düsseldorf, wie die Polizei am Sonntag bestätigt.

Eine Überwachungskamera zeichnet das Geschehen auf: Der Stoß sei eindeutig Absicht gewesen, sagen die Ermittler. Eine Mordkommission wird gebildet. Die Videoaufnahmen der Überwachungskamera, die das Verbrechen zeigen, scheinen von nicht besonders guter Qualität zu sein. Man versuche, das Gesicht des Täters erkennbar zu machen, heißt es zunächst. Er sei nach der Tat in der Menge untergetaucht.

Doch noch am Samstagabend verdichten sich die Hinweise auf einen 44-jährigen Mann. Er hatte sich als Zeuge gemeldet, nun steht er unter dringendem Tatverdacht. Dass die Staatsanwaltschaft das Verbrechen als Totschlag wertet und nicht als Mord, deutet daraufhin, dass es vor dem Stoß eine Auseinandersetzung gegeben haben könnte, der Angriff also nicht völlig überraschend und heimtückisch war.

Aber zu den genauen Umständen der Tat und einem möglichen Motiv hüllen sich die Ermittler am Sonntag noch in Schweigen. Ebenso zum Verdächtigen. Am Sonntag sollte er einem Haftrichter vorgeführt werden. Es handele sich um einen Deutschen, mehr wird nicht bekanntgegeben. Der Mann habe sich einen Anwalt genommen und schweige zum Tatvorwurf, heißt es. Ob Verdächtiger und Opfer sich kannten, bleibt unklar.

Mit der Tat setzt sich eine Serie ähnlicher Verbrechen in Deutschland fort. Erst im Sommer vergangenen Jahres hatte ein „U-Bahn-Schubser“ in Köln Angst und Schrecken verbreitet. Es soll sich um einen 26 Jahre alten Obdachlosen handeln, der vier Frauen angegriffen haben soll. Ihm droht wegen einer schweren psychischen Krankheit die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie. Der Prozess gegen ihn hatte erst vor wenigen Tagen begonnen.

Ein Fall auf einem Berliner U-Bahnhof hatte Anfang 2016 schockiert: Eine junge Frau wurde an der Station Ernst-Reuter-Platz vor einen einfahrenden Zug gestoßen und überrollt worden. Das Berliner Landgericht ordnete danach die dauerhafte Unterbringung des Täters in einer Psychiatrie an.

Im April 2017 stieß eine Frau in München einen ihr völlig unbekannten Mann vor eine einfahrende U-Bahn. Er entkam nur knapp dem Tod. Der Zugführer leitete eine Vollbremsung ein und konnte den Zug noch etwa zehn Meter vor dem im Gleisbett liegenden Mann anhalten. Der 59-Jährige war nach Angaben der Polizei ein Zufallsopfer. Die Verdächtige aus Jena wurde an Ort und Stelle festgenommen.

Im Juli 2017 schubste eine Frau eine 55-Jährige im Berliner Stadtteil Neukölln vor eine einfahrende S-Bahn. Der Zug kam am S-Bahnhof Hermannstraße noch rechtzeitig zum Stehen. Die Täterin erklärte später vor Gericht, sie sei obdachlos gewesen, habe Drogen konsumiert und könne sich nicht mehr an die Tat erinnern.

dpa

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