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Fluch von Fort Hood: Wieder Amoklauf auf dem US-Stützpunkt

Houston Fluch von Fort Hood: Wieder Amoklauf auf dem US-Stützpunkt

Psychisch Kranker tötete drei Soldaten und sich selbst. Vor fünf Jahren erschoss am selben Ort ein Mann 13 Menschen.

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Mit Krankenwagen wurden Verletzte nach dem Amoklauf in Kliniken gebracht.

Quelle: Fotos: dpa, AFP

Houston. Er kam um 16 Uhr. Er trug Militärkleidung — was in einem Militärstützpunkt niemand ungewöhnlich findet. Doch dann zog er seine Waffe — eine halbautomatische Handfeuerwaffe der Marke Smith&Wesson Kaliber 45 — und feuerte auf die Menschen in einem Gebäude des US-Stützpunkts Fort Hood in Texas.

Dann stieg er wieder in seinen Wagen, hielt vor einem Laden und feuerte in das Geschäft. Und noch einmal schoss der Mann mehrmals — scheinbar wahllos, in ein anderes Gebäude. Schließlich stellte ihn eine Militärpolizistin auf dem Parkplatz. Der Mann „hob seine Hände, dann griff er unter seine Jacke und richtete eine Waffe auf seinen Kopf“. So schilderte es der Kommandeur von Fort Hood, Mark Milley.

Zwar war die alarmierte Militärpolizei nach 15 Minuten vor Ort. Doch ein genaues Bild der Lage, ob es einen oder mehrere Täter gab, wusste zunächst niemand genau. Und so heulten während des Amoklaufs die Sirenen, wurden die Menschen per Lautsprecher aufgefordert, unbedingt in ihren Häusern zu bleiben. „Das Gefühl der Angst lag in der Luft“, schilderten Augenzeugen im US-Sender CNN die Lage.

Was kein Wunder ist: Derselbe Militärstützpunkt war vor fünf Jahren schon einmal Schauplatz eines ähnlichen Gewaltverbrechens. Damals tötete der Militärpsychiater Nidal Hasan 13 Menschen, 30 weitere wurden verletzt. Hasan stand seinerzeit kurz vor einem Einsatz in Afghanistan; er wurde von den Sicherheitskräften außer Gefecht gesetzt, in einem Prozess wurde Hasan im vergangenen August zum Tode verurteilt.

Ein anderer Mann hatte in einem Verwaltungszentrum der US-Marine in Washington nur einen Monat nach diesem Todesurteil 12 Menschen erschossen. Diesmal gab es mindestens drei Tote und 16 Verletzte — einige davon kämpften gestern in den umliegenden Krankenhäusern um ihr Leben.

US-Präsident Barack Obama ereilte die Nachricht in seiner Heimatstadt Chicago. „Es bricht uns das Herz, dass so etwas Ähnliches wieder passiert sein könnte“, sagte er. Man verfolge die Situation genau, es seien noch viele Fragen offen, alle müssten beantwortet werden.

Zum Beispiel die: Wie konnte der 34-jährige Todesschütze, ein Lastwagenfahrer, der mit Frau und Tochter nicht weit von der Militärbasis wohnte, der Kommandeur Milley zufolge an psychischen Problemen litt und deswegen in Behandlung war, erst vor kurzem die Tatwaffe kaufen — und sie entgegen allen Regeln auf die Basis mitbringen? „Wir untersuchen sein Vorleben nun sehr genau“, so Milley, der den 34-Jährigen als „Army Specialist“ bezeichnete — ein eher niederer Rang für Army-Angehörige mit technischen Spezialkenntnissen.

Der Mann hat 2011 im Irak gedient — ob seine psychischen Probleme daher rührten und womöglich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vorlag, blieb mangels genauer Diagnose unklar.

PTBS ist eine häufige Diagnose für Soldaten, die in ihren Kriegseinsätzen Traumatisches erleben. Jeder fünfte US-Soldat leidet daran. Sie entwickeln Angststörungen, Depressionen, haben Alpträume, erleben im Geist die traumatisierende Situation immer wieder. Auch um die 1000 Bundeswehrsoldaten begaben sich wegen derartiger Symptome in Behandlung.

Dass es gerade US-Soldaten so häufig trifft, könnte auch mit deren Herkunft zu tun haben: Forscher identifizierten als „prätraumatische Risikofaktoren“ das Aufwachsen in Armut, schlechte Schulbildung der Eltern, Kriminalität mindestens eines Elternteiles oder auch uneheliches Aufwachsen bei Alleinerziehenden — oft Kennzeichen einer sozialen Unterschicht; und aus der stammen viele Angehörige der US-Berufsarmee, die so einen Ausweg aus ihrer sozialen Lage suchen.

Fort Hood — eine Welt für sich
Fort Hood, benannt nach dem Südstaaten-General John Bell Hood, entstand 1942, dem Jahr nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, als „Camp Hood“. Die auf der heute umbauten Fläche von 880 Quadratkilometern lebenden 300 texanischen Farmer-Familien wurden seinerzeit kurzerhand umgesiedelt, rasch bereiteten sich dort fast jeweils 40 000 Soldaten auf ihre Einsätze in Europa und dem Pazifikraum vor.



Auch heute noch ist Fort Hood eine der größten Militärbasen der Supermacht USA. Stationiert sind dort die 1. US-Kavalleriedivision sowie das III. US-Korps mit Unterstützungseinheiten wie Logistik- und Medizinbrigade — insgesamt rund 45 000 Männer und Frauen, die auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Texas sind. Fort Hood feiert sich selbst als „The Great Place“, die Militär-Stadt betreibt eigene Radio- und TV-Sender sowie eine eigene Zeitung. Kommandant ist derzeit Generalleutnant Mark Milley.

 



OZ

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