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Fürstlicher Lebensabend für Elefanten

Lyon Fürstlicher Lebensabend für Elefanten

Kranke Dickhäuter sollten eingeschläfert werden. Prinzessin Stéphanie von Monaco schenkt ihnen Alterssitz.

Lyon. Um die Reise von Baby und Népal wurde ein Geheimnis gemacht, als handle es sich um Rockstars oder Hollywood-Diven: Journalisten wurden ferngehalten, genaue Angaben zum Start des Konvois in Lyon wurden nicht gemacht. Und tatsächlich haben die Elefantendamen aus dem Zoo der ostfranzösischen Stadt Promi-Status. Das ganze Land bangte um die Dickhäuter, die wegen einer angeblichen Tuberkulose-Erkrankung eingeschläfert werden sollten. Nach ihrer Rettung wartet nun ein fürstlicher Alterssitz auf die Tiere — niemand Geringeres als Prinzessin Stéphanie von Monaco nimmt sie auf.

Gestern früh begannen Baby und Népal ihr neues Leben in einem Park der Fürstenfamilie von Monaco. Die beiden Dickhäuter waren in der Nacht per Schwertransporter vom Zoo in Lyon nach Südfrankreich gefahren, wie es aus dem Umfeld von Stéphanie von Monaco hieß, die in dem Konvoi mitgereist war. Am Morgen wurden die Spezialcontainer mit den Tieren schließlich von dem Laster gehievt, und die Tiere konnten ihre neue Heimat erkunden. „Von Lyon an ist alles glatt verlaufen“, sagte Tierärztin Florence Ollivet-Courtois, die den Schwertransporter ebenfalls begleitete. „Das Betreten des neuen Geheges verlief in einer absoluten Ruhe. Népal ist als Erstes ausgestiegen und hat geduldig gewartet, bis Baby gefolgt ist. Sie sind unzertrennlich.“

Das Schicksal der 42 und 43 Jahre alten Elefanten hatte in Frankreich wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, sogar Staatschef François Hollande auf den Plan gerufen, die höchsten Verwaltungsrichter des Landes beschäftigt und beinahe sogar die französische Filmlegende Brigitte Bardot ins russische Exil getrieben. Alles begann im Dezember, als die Präfektur in Lyon die Einschläferung der alten Tiere anordnete, weil sie an Tuberkulose erkrankt sein sollen. Zuvor war im Zoo Parc de la Tête d‘Or ein anderer Dickhäuter an der Krankheit gestorben. Die Behörden befürchteten nun, dass die Elefanten andere Tiere und auch Menschen anstecken könnten.

Nicht gerechnet hatte die Präfektur aber mit dem Direktor des Zirkus Pinder, der die Elefanten 1999 dem Zoo anvertraut hatte. Gilbert Edelstein zweifelte die Ergebnisse der Tuberkulosetests an, mobilisierte zur Rettung seiner Elefanten Tierschützer, schaltete die Justiz ein und wandte sich sogar mit einem Gnadengesuch an Hollande. Inmitten der Debatte um den neuen russischen Pass von Gérard Depardieu drohte dann auch noch die inzwischen radikale Tierschützerin Brigitte Bardot, nach Russland auszuwandern, sollten die Elefanten getötet werden.

Trotzdem sah es zunächst schlecht aus für die Elefanten: Präsident Hollande erklärte sich für nicht zuständig, auch vor Gericht erlitt der Zirkusdirektor erst einmal eine Niederlage. Dann aber wendete sich das Blatt: Hollande ordnete bei seinem Landwirtschaftsminister zusätzliche Tests zur Gesundheit der Tiere an. Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht setzte Ende Februar die Anordnung zur Einschläferung der Tiere außer Kraft. Endgültig gekippt wurde deren Einschläferung dann durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts von Lyon, das der Präfektur Ende Mai einen „offensichtlichen Ermessensfehler“ vorwarf. So seien nicht alle vorhandenen Tests zur Erkennung einer Tuberkulose-Infektion genutzt worden. Schon zuvor hatte die Tierliebhaberin Stéphanie von Monaco angeboten, die Elefanten aufzunehmen.

Denen steht nun ein fürstlicher Lebensabend bevor: Baby und Népal kommen in einem 3500 Quadratmeter großen Park direkt neben dem südfranzösischen Landsitz Roc Agel der Familie Grimaldi unter.

Dort gibt es einen riesigen Unterstand aus Holz und ein Wasserbecken zum Trinken und zur Erfrischung. Ein Tierfreund in Lyon seufzte angesichts des Abschieds der Elefanten:

„Sie waren ein Teil des Zoos.“ Baby und Népal dürften weniger Wehmut darüber verspüren, den Ort zu verlassen, den sie eigentlich nicht mehr lebend verlassen sollten. Jetzt genießen sie südfranzösisches Mittelmeer-Klima.

 

Julie Pacorel-Mouttet

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