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Gerichte verurteilen immer weniger Menschen

Wiesbaden Gerichte verurteilen immer weniger Menschen

Ob bei Jungen oder Alten - die Zahl der Verurteilten in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 2007 gesunken.

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Die Gerichte verhängten 2013 gegen rund 755 900 Angeklagte Strafen.

Quelle: Uli Deck/Symbolbild

Wiesbaden. Ob bei Jungen oder Alten - die Zahl der Verurteilten in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 2007 gesunken. Die Gerichte verhängten 2013 gegen rund 755 900 Angeklagte eine rechtskräftige Haft-, Bewährungs-, Geld- oder Jugendstrafe.

Das waren 2 Prozent weniger als im Vorjahr und 16 Prozent weniger als 2007, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Bei Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) betrug der Rückgang in der Zeitspanne von 2007 bis 2013 sogar ein Drittel.

DAS ALTER DER VERURTEILTEN: Dennoch wurden - gemessen an der gesamten Altersgruppe der Bevölkerung - Jüngere wieder häufiger verurteilt als Ältere. So kamen auf 100 000 erwachsene Einwohner (ab 21 Jahre) 822 rechtskräftige Verurteilungen. Bei den Jugendlichen war es etwa ein Viertel mehr (1095), bei den Heranwachsenden knapp dreimal so viele (2280). „Generell gilt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung im Alter von Anfang bis Mitte 20 am höchsten ist“, stellen die Statistiker fest. „Danach geht sie kontinuierlich zurück.“

DIE DELIKTE: Mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) wurde wegen eines Delikts im Straßenverkehr verurteilt. Alle Straftaten gegen das Vermögen zusammengerechnet - von Diebstahl über Unterschlagung bis Betrug - machten 46 Prozent aus. Der Anteil der Straftaten gegen Menschen - von Beleidigung über Körperverletzung bis zum Tötungsdelikt - lag bei 16 Prozent. Unter die übrigen Straftaten fallen etwa die rund 53 100 Verurteilungen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

DIE STRAFEN: Die Geldstrafe ist weiterhin die häufigste strafrechtliche Sanktion - fast drei Viertel aller Verurteilten mussten eine bezahlen. 17 Prozent der Verurteilten bekamen einer Freiheits- oder Jugendstrafe. Dabei erhielten fast sieben von zehn die Gelegenheit, eine Inhaftierung durch eine erfolgreiche Bewährungszeit zu vermeiden. Neun Prozent aller Verurteilten wurden mit sogenannten Zuchtmitteln und Erziehungsmaßregeln nach dem Jugendstrafrecht sanktioniert, wie Weisungen, Arbeitsauflagen oder Jugendarrest.

81 Prozent der Verurteilten sind Männer. Rund 185 000 der Verurteilten hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit (24,5 Prozent).

DIE URSACHEN: Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht einen Grund für den Rückgang in dem Wandel der Erziehungskultur. „Die Gewaltkriminalität nimmt auch deshalb ab, weil die Eltern weniger prügeln“, sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) in Hannover der Deutschen Presse-Agentur.

Hinzu kämen die soziale Stabilisierung aufgrund des Rückgangs der Arbeitslosigkeit sowie die bessere Integration von jungen Migranten. Darüber hinaus hätten die generell guten Aufklärungsquoten der Polizei eine abschreckende Wirkung. Der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg nennt als Ursache den demographischen Wandel. „Kriminalität ist überwiegend eine Angelegenheit junger Männer“, betonte Egg.



dpa

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