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Panorama Geschlagen, weil er Kippa trug – das Opfer spricht
Nachrichten Panorama Geschlagen, weil er Kippa trug – das Opfer spricht
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09:24 19.04.2018
Eigentlich wollte er mit der Kippa nur beweisen, wie sicher Berlin ist: Adam Armush. Quelle: Foto: sternberg
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Berlin

Erneut schockiert ein antisemitischer Übergriff Berlin. Ein junger Mann wird wegen seiner jüdischen Kopfbedeckung attackiert, attackiert, am frühen Abend auf dem belebten Helmholtzplatz im verbürgerlichten Prenzlauer Berg. Und niemand ruft gleich die Polizei. „Es waren bestimmt 50 Leute in der Nähe“, sagt das Opfer, der 21-jährige Adam Armush. Schließlich lässt der Angreifer von ihm ab, wird von seinem Begleiter weggezogen. Die Polizei kommt, die Täter sind weg, der Staatsschutz ermittelt.

Armush, Student der Tiermedizin, ist erst einen Monat in Berlin. Er fühlt sich wohl in der Stadt. Der Israeli hat die deutsche Hauptstadt als entspannt und sicher erlebt. Das sagte Armush auch seinem Freund aus Israel, der ihm eine Kippa schenkte. Mehr als Witz denn aus religiösem Ernst. Adams Kippa ist jeansblau mit einem rosa Emblem, das die Serienfigur Walter White aus „Breaking Bad“ zeigt. Dennoch hatte der Freund gewarnt: „Trag sie nicht, wenn in Berlin auf die Straße gehst, du könntest Probleme bekommen.“

Armush trägt eigentlich nie Kippa. Der Student ist im israelischen Haifa aufgewachsen, die drei Religionen des Nahen Ostens mischen sich in seiner Familiengeschichte: Muslime, Katholiken, Juden. Seit drei Jahren lebt der angehende Tierarzt in Deutschland, zuerst lernte er in Rostock Deutsch, dann studierte er an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover, nun wechselt er nach Berlin. Sein Deutsch ist fast perfekt. Er will bleiben. Auch nach der Attacke vom Dienstagabend.

Adams Hipster-Kippa, die er am Dienstag das erste Mal aufsetzte Quelle: sternberg

Da beschloss der junge Mann, die Kippa einmal aufzusetzen. Als Experiment. Als Beweis, dass Berlin wirklich so sicher ist, wie er dachte. Es dauerte noch nicht mal eine halbe Stunde, da wurden Armush und ein ebenfalls kippatragender Freund attackiert.

Drei junge Männer pöbelten sie auf Arabisch an, beschimpften sie als „Yahudi“, als Juden. Dann zog einer seinen Gürtel aus der Hose und kam auf die beiden zu. Der Freund rannte weg, er selbst blieb stehen – und zückte sein Handy. „Ich filme dich“, warnte Armush seinen Angreifer. Der rief immer wieder „Yahudi“ und schlug mit dem Gürtel zu. Die schockierenden Aufnahmen des Angriffs verbreiten sich in Windeseile im Netz.

Politiker verurteilen den Vorfall

Politik und jüdische Verbände reagieren empört auf das Video. „Das ist ein schrecklicher Vorfall. Der Kampf gegen den Antisemitismus muss entschieden geführt und gewonnen werden, egal ob es der Antisemitismus von Deutschen oder von Arabischstämmigen ist“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Antisemitismus gehört nicht zum Berlin, in dem wir leben wollen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Es ist absolut unerträglich, wenn Menschen in Deutschland angegriffen werden, nur weil sie sich als Juden zu erkennen geben. Hier sind jetzt Polizei und Staatsanwaltschaft gefragt, um unser Recht in aller Härte durchzusetzen. Die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden. Antisemitismus darf bei uns keinen Platz haben, gleichgültig aus welcher Richtung er kommt.“

„Es muss mehr kommen als schöne Worte“

Am Dienstag spricht Armush mit dem RND, ruhig, ausdauernd und ziemlich ernst. Über sein Experiment und warum er nicht weggerannt ist: „Das hätte ihnen das Gefühl gegeben, dass sie stärker sind. Aber sie müssen mit einer Kippa klarkommen, wenn sie hier leben wollen.“ Mit „sie“ meint er die Angreifer, die auch untereinander nur Arabisch sprachen. Der Haupttäter soll angeblich aus Syrien kommen. Und mit „hier“ meint er Deutschland, das er bislang für so sicher hielt. „Es muss mehr kommen als schöne Worte der Politiker“, fordert er. „Sonst ist die nächste Attacke nicht nur mit einem Gürtel, sondern mit einer Waffe.“

Neben Armush steht Mike Delberg von der jüdischen Gemeinde Berlin. Er sagt: „Lippenbekenntnisse von Politikern brauchen wir nicht mehr. Wir brauchen Aufklärung und Bildungsarbeit, sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in den arabisch-muslimischen Gemeinschaften.“ Nur so könne zurückgedrängt werden, was im Jahr 2018 Berliner Normalität zu werden droht.

Von Jan Sternberg/RND

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