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Panorama „Ich liebte ein Mädchen“: Liedermacher Ingo Insterburg ist tot
Nachrichten Panorama „Ich liebte ein Mädchen“: Liedermacher Ingo Insterburg ist tot
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13:04 29.10.2018
Ingo Insterburg ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Quelle: picture alliance / BREUEL-BILD
Berlin

„Ich liebte ein Mädchen in Spandau, / von der war immer der Mann blau. / Ich liebte ein Mädchen in Mainz, / die war gar keins. / Ich liebte ein Mädchen in Indien, wir taten im Reisfeld sündigen. / Ich liebte ein Mädchen in der Sowjetunion, die sagte immer ,Njet mein Sohn’. / Ich liebte ein Mädchen in Luxemburg /die liebte Ingo Insterburg“ – das Liebeslied, das am Ende sogar ins Weltall führt („Ich liebte ein Mädchen aufm Mars / ja, das war’s“) war der wohl bekannteste Song der Blödelgruppe Insterburg & Co., die Ingo Insterburg, der eigentlich Ingo Wetzker hieß und 1934 in Insterburg in Ostpreußen geboren wurde, 1967 zusammen mit Karl Dall, Peter Ehlebracht und Jürgen Barz gegründet hatte.

Das Lied war eine eingängige Spaßnummer, vielfach variierbar, ein bisschen anzüglich, ziemlich verrückt und dargeboten auf Schrammelinstrumenten. Es hat zum Ruhm der Gruppe nicht unwesentlich beigetragen.

Insterburg war ein Türöffner für Otto Waallkes und Mike Krüger

Insterburg & Co. waren Türöffner; Otto Waalkes, Mike Krüger und auch Helge Schneider bauten auf das auf, was das Quartett vorbereitet hatte. Jetzt ist Ingo Insterburg im Alter von 84 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. 1994 löste er die Gruppe auf, danach tourte er als Solist durchs Land und ein bisschen auch als Prophet. Ingo Insterburg, der im Alter recht hager und durchtrainiert aussah, war Ehrenmitglied im deutschen Vegetarierbund und bis zu seinem 70. Lebensjahr Marathonläufer.

Ende der Sechzigerjahre fing mit Insterburg & Co. fast etwas Neues an. Der Humor wurde (wieder) gaga, Witze mussten nicht mehr auf die Pointe hin gestrickt werden, Blödelei war möglich – und das wurde durchaus als befreiend empfunden. Vielleicht machten Insterburg & Co. da weiter, wo Karl Valentin und Liesl Karlstadt aufgehört hatten.

Nicht komisch? Doch.

In den Zeiten vor Privatfernsehen, Video und YouTube waren die Insterburger mit Langspielplatten erfolgreich. „Sketchup“ und einige Nachfolger-LPs versammelten kleine Witze, Kurzhörspiele, und Gaga-Dialoge wie etwa: „Herr Doktor, Herr Doktor. Ja, wo fehlt’s uns denn? – Ich habe einen Wolkenbruch“ Oder: „Ja, warum weinst Du denn? Ich – Ich habe ein Pfund Weintrauben gegessen.“ Heute würde man solchen Witze als zu sparsam empfinden, damals lag man am Boden vor Lachen.

WG mit Klaus Kinski

Mehr als 55 Jahre stand Insterburg auf der Bühne. In seiner WG in der Uhlandstraße im alten Berliner Westen lebte er Zimmer an Zimmer mit dem inzwischen gestorbenen Schauspieler Klaus Kinski. Dessen Brechtballaden begleitete er musikalisch als „Guitar-Ingo“, wie Kinski ihn auf der Bühne ankündigte.

Da gab es einige unvergessliche Momente: Der Satz des Musikers in „Die Orchesterprobe“: „Ich habe Schmalz am Bogen“ oder der Geigenbaueropa, der dem Schülerzeitungsredakteur den neuen Slogan der Firma verrät: „Unsere Geigen brennen länger“. Und natürlich der neue Dialekt für Osnabrück, der an dem Probesatz „Osnabrück ist eine schöne Stadt, sie liegt in einer Gegend“ durchexerziert. Nicht komisch? Doch. Ansonsten: „Didppdappduppdapp Dongo, ich fahre in den Kongo.“

Von Ronald Meyer-Arlt

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